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Arbeitnehmer: Die Verlierer des Fortschritts?

Die Mitarbeiter in deutschen Unternehmen fühlen sich nicht anerkannt, melden sich wieder häufiger krank und sind meistens mit ihrer Arbeit eher unzufrieden. In den letzten Wochen wurden einige Studien zur aktuellen Befindlichkeit der Arbeitnehmer veröffentlicht. Eines ist allen Studien gemein, viele Berufstätige, egal ob Mann oder Frau, scheinen den Belastungen der heutigen Arbeitswelt kaum noch gewachsen.

Köln/Berlin> Die Mitarbeiter in deutschen Unternehmen fühlen sich nicht anerkannt, melden sich wieder häufiger krank und sind meistens mit ihrer Arbeit eher unzufrieden. In den letzten Wochen wurden einige Studien zur aktuellen Befindlichkeit der Arbeitnehmer veröffentlicht. Eines ist allen Studien gemein, viele Berufstätige, egal ob Mann oder Frau, scheinen den Belastungen der heutigen Arbeitswelt kaum noch gewachsen.

Beispiel Zufriedenheit am Arbeitsplatz: Die Arbeitszufriedenheit in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen. Dies ist das Resultat einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg/Essen. Dazu haben die Forscher Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) der letzen 25 Jahre ausgewertet. Auf die Frage „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit?“ konnten die Befragten im Alter zwischen 20 und 64 Jahren auf der 10er Skala von „ganz unzufrieden“ bis „ganz zufrieden“ antworten. Im beobachteten Zeitraum ist der Durchschnittswert von 7,6 Punkten auf 6,8 Punkte gefallen. Die Ursachen sehen die Wissenschaftler in der zunehmenden Arbeitsbelastung, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, geringen Lohnerwartungen und einer wachsenden Unsicherheit über die Zukunft. Prof. Marcel Erlinghagen, Leiter der Studie: „Da Arbeitszufriedenheit und Leistungsbereitschaft eng zusammenhängen, darf man sich Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands machen. Die Ergebnisse könnten für Unternehmen fatal sein, so Erlinghagen weiter, wenn nicht endlich eine längst überfällige Debatte um bessere Arbeitsbedingungen in den Betrieben einsetzt“.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der Fürstenberg Performance-Index 2011. Danach fühlen sich 79 Prozent der Arbeitnehmer in ihrer Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz eingeschränkt. Als wesentliche Gründe gelten auch hier der hohe Leistungsdruck, fehlende Anerkennung und eine schlechte Führung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Fürstenberg Performance-Index beruht auf einer repräsentativen Befragung von 2000 Arbeitnehmern durch das Meinungsforschungsinstitut forsa. Werner Fürstenberg, Geschäftsführer des gleichnamigen Instituts: „Das seelische und körperliche Wohlbefinden von Mitarbeitern wird als volkswirtschaftliche Größe seitens vieler Arbeitgeber noch immer nicht in vollem Umfang erkannt“. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) beziffert die resultierenden volkswirtschaftlichen Einbußen durch Leistungsminderung auf insgesamt 364 Milliarden Euro, Gesundheitskosten nicht berücksichtigt. Als weiteren Aspekt für persönlich empfundene Leistungsminderung gaben die Befragten körperliche Beschwerden an. Diese können durch empfundene Ungerechtigkeit hervorgerufen werden, so das Resultat einer Studie des Bonner Ökonomen Armin Falk. Falk hat in einem Experiment untersucht, wie sich empfundene Ungerechtigkeit auf die Gesundheit auswirkt. „Menschen, die ihre Bezahlung als unfair empfinden, geraten schneller unter Stress“, so Falk. „Dadurch leiden sie eher an Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Depression“.

Krankheitsbilder wie sie der aktuelle Krankenhausreport der Barmer GEK bestätigt. Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der, speziell wegen Depression, im Krankenhaus behandelten Patienten um 117 Prozent zugenommen. „Es ist beachtlich, in welchem Umfang sich deutsche Krankenhäuser inzwischen um die Versorgung psychisch kranker Menschen kümmern“, so Barmer-Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker. Belastungen durch die Arbeitswelt lassen sich folglich auch an den Krankmeldungen der Beschäftigten ablesen. Zwar bewegt sich der Krankenstand, im Vergleich zu 1970er Jahren, auf vergleichsweise niedrigem Niveau, ist aber im letzten Jahr und den ersten sechs Monaten dieses Jahres wieder angestiegen. Erkrankungen von weniger als drei Tagen für die keine Krankmeldung erforderlich ist, werden dabei kaum erfasst. Im gleichen Zeitraum ist allerdings die Anzahl der Arbeitsunfälle deutlich zurückgegangen. Nachweisen lässt sich auch eine Beziehung zwischen Krankenstand und allgemeiner wirtschaftlicher Situation. Während bei hoher Arbeitslosigkeit die Zahl der Krankmeldungen deutlich zurückgeht, wird ansonsten auch bei kleinen Befindlichkeitsstörungen gerne krank „gefeiert“.