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Investoren-Studie: Großanleger investieren nachhaltig

Deutsche Großanleger stehen der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage überwiegend zustimmend gegenüber. Dies zeigt der erste Stimmungsindex zur nachhaltigen Kapitalanlage institutioneller Investoren. Etwa 64 Prozent der Befragten berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen, für rund 36 Prozent spielt das Thema keine Rolle.

Frankfurt> Deutsche Großanleger stehen der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage überwiegend zustimmend gegenüber. Dies zeigt der erste Stimmungsindex zur nachhaltigen Kapitalanlage institutioneller Investoren von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Der Index wurde von Professor Dr. Henry Schäfer, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft an der Universität Stuttgart, erstellt. „Ein Stimmungsindex zur nachhaltigen Kapitalanlage existiert am gesamten europäischen Finanzmarkt bisher nicht. Insofern ist ein solches Instrument ein wünschenswerter Beitrag, um die Entwicklung in diesem Bereich konstruktiv zu begleiten und allen Marktteilnehmern Transparenz zu bieten“, so Schäfer. Grundlage bildet eine Studie unter 218 Großanlegern mit einem verwalteten Gesamtvermögen von über einer Billion Euro. Etwa 64 Prozent der Befragten berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen, für rund 36 Prozent spielt das Thema keine Rolle.

Der Stimmungsindex mit einer Skala von -100 bis +100 Punkten, weist aktuell einen Wert von +22 auf. Schäfer: „Das aktuelle Stimmungsbild sollte unter Berücksichtigung der Tatsache bewertet werden, dass ein Drittel der Investoren bisher keine Nachhaltigkeitskriterien in ihre Investitionsentscheidung einbezieht“. Der Wert zeigt dennoch, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Welt institutioneller Anleger angekommen ist. Die Nachhaltigkeitsquote beträgt im Durchschnitt über 50 Prozent und fällt insbesondere bei Stiftungen mit 73 Prozent besonders hoch aus. Deutliche weniger Beachtung findet Nachhaltigkeit bei Banken, Versicherungen und Pensionskassen. „Im Vergleich mit dem Ausland ist der Anteil nachhaltiger Investments bei diesen Investorengruppen eher niedrig“, erläutert Alexander Schindler, Vorstandsmitglied bei Union Investment. „In Skandinavien, Großbritannien oder auch den Benelux-Ländern gelten vor allem langfristig orientierte Anleger wie Pensionskassen als Treiber nachhaltiger Investmentkonzepte“. Durch die zunehmende Bedeutung des Themas in der Gesellschaft erwartet Schindler eine ähnliche Entwicklung mittelfristig auch für den deutschen Markt.

Institutionelle Investoren bringen Nachhaltigkeit allerdings zunächst mit ökonomischen Kriterien in Verbindung, für 87 Prozent ist sie die wichtigste Dimension nachhaltigen Vermögensmanagements. Es folgen ökologische Kriterien mit 74 Prozent vor sozialen Kriterien mit 72 Prozent und ethischen Kriterien mit 65 Prozent. Als Motive für nachhaltiges Investment gelten Imageverbesserungen, die große Nachfrage von Kunden und an dritter Stelle die Optimierung des Risikomanagements. Höhere Renditeerwartungen spielen dagegen kaum eine Rolle, eine schlechtere Rendite befürchten allerdings die Investoren, die bislang noch keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Im Spektrum nachhaltiger Investments greifen institutionelle Investoren vermehrt auch zu einem bisher weniger verbreiteten Ansatz. So verstehen sich mittlerweile 42 Prozent der Befragten, die auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, als aktive Investoren. Das heißt, sie versuchen durch gezielte Einflussnahme auf Unternehmen ökologische und soziale Kriterien sowie den Grundsätzen der guten Unternehmensführung, aktiv Geltung zu verschaffen. 74 Prozent gehen davon aus, dass der aktive Dialog künftig eine außerordentliche große Rolle in der deutschen Investmentlandschaft spielen wird. Einer zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsfaktoren als hartes Investmentkriterium stimmten in der Studie alle Befragten zu.