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Lufthansa setzt Biokraftstoff im Linienflugverkehr ein – BUND: ökologische Mogelpackung

Seit kurzem setzt die Lufthansa im regulären Flugbetrieb Biokraftstoff ein. Auf der Strecke Hamburg-Frankfurt-Hamburg soll ein Lufthansa Airbus in einer sechsmonatigen Testphase täglich viermal fliegen. Der Airbus wird auf einem Triebwerk zur Hälfte mit bio-synthetischem Kerosin betankt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnet das Lufthansa-Projekt als „ökologische Mogelpackung“.

Frankfurt > Seit kurzem setzt die Lufthansa im regulären Flugbetrieb Biokraftstoff ein. Auf der Strecke Hamburg-Frankfurt-Hamburg soll ein Lufthansa Airbus in einer sechsmonatigen Testphase täglich viermal fliegen. Der Airbus wird auf einem Triebwerk zur Hälfte mit bio-synthetischem Kerosin betankt. Laut dem Unternehmen sollen so die CO2-Emissionen innerhalb der Testphase um rund 1.500 Tonnen verringert werden. Ein weiteres Ziel sei es, die Auswirkungen von Biokraftstoffen auf Wartung und Lebensdauer von Triebwerken zu untersuchen.

Der Luftverkehr werde als einziger Verkehrsträger langfristig auf Flüssigbrennstoffe angewiesen bleiben, so Christoph Franz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. Deshalb müssten Luftverkehrsindustrie und Forschung Alternativen entwickeln und erproben. Die Lufthansa lege bei der Beschaffung des Treibstoffs großen Wert auf ein nachhaltiges Liefer- und Herstellverfahren. Lieferanten müssten die Nachhaltigkeit der Prozesse nachweisen und die von Europäischem Parlament und Rat vorgegebenen Nachhaltigkeitskriterien („Renewable Energy Directive“) erfüllen. Auf diese Weise möchte das Unternehmen sicherstellen, dass die Produktion des Biokraftstoffes nicht in Konkurrenz zur Herstellung von Nahrungsmitteln steht und für die Gewinnung kein Regenwald gerodet wird.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnet das Lufthansa-Projekt als „ökologische Mogelpackung“. Der Einsatz von Biosprit mache Fliegen nicht umweltfreundlich. Werner Reh, Verkehrsexperte vom BUND, befürchtet, dass die Testflüge der Lufthansa einer ökologisch folgenschweren Entwicklung den Weg bereiten. Damit das Unternehmen ihre Klimaziele fast ausschließlich mit der Beimischung von Agrosprit erreichen könne, müsste der Anbau von Energiepflanzen in Zukunft stark ausgeweitet werden. Laut Reh seien daran eine weltweite Zerstörung von Wäldern, der Verlust der Artenvielfalt und die Konkurrenz zu Nahrungsmitteln gekoppelt.

Reh kritisiert außerdem, dass das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit 2,5 Millionen Euro unterstützt wird. Die Biospritziele der Lufthansa bewertet er als Ablenkmanöver. Eigentlich sei es die Aufgabe der Lufthansa, ihre Flugzeuge deutlich effizienter zu gestalten. Reh: „Ob mit oder ohne Biosprit – Kurzstreckenflüge sind immer klimaschädlich und vermeidbar. Eine Bahnfahrt von Frankfurt am Main nach Hamburg verursacht einen CO2-Ausstoß von nur 17 kg, ein Flug dagegen 78 kg. Klimaschutz im Flugverkehr geht nicht ohne eine möglichst vollständige Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Bahn.“

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