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Mittelstand will trotz Schuldenkrise 300.000 neue Stellen schaffen

Bis zu 300.000 neue Stellen werde der Mittelstand in den kommenden Monaten schaffen, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Montag mit. DIHK forderte erneut ein leistungsfähiges Bildungssystem, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine bessere Integration ausländischer Fachkräfte und die vermehrte Zuwanderung ausländischer Fachkräfte.

Berlin > Trotz Schuldenkrise beurteilen die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland ihre Lage optimistisch und wollen kräftig einstellen: Bis zu 300.000 neue Stellen werde der Mittelstand in den kommenden Monaten schaffen, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Montag mit. Die Standortbedingungen seien günstig, besonders lobt der DIHK die vergleichsweise moderate Lohnentwicklung hierzulande.

Die Industrie- und Handelskammern im Land befragten im Frühsommer mehr als 20.000 kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten. Fast jedes Vierte (23 Prozent) will demnach Personal einstellen. Die große Mehrheit (68 Prozent) will ihre Beschäftigtenzahl gleich halten, nur knapp jede zehnte Firma (neun Prozent) will Stellen streichen, wie die Umfrage ergab. Der DIHK rechnet aufgrund dieser Ergebnisse mit bis zu 300.000 neuen Arbeitsplätzen.

Die kleinen und mittleren Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Lage laut der Umfrage zurzeit sogar besser als zu Zeiten des Booms 2007. Die Auftragsbücher exportstarker Firmen etwa im Maschinenbau, in der Chemie und der Pharmaindustrie seien gut gefüllt; die erfreulich gute Arbeitsmarktentwicklung sorge für gute Geschäfte im konsumnahen Mittelstand, heißt es im DIHK-Mittelstandsreport. Auch die Gastronomen bewerteten ihre wirtschaftliche Lage deutlich besser als im langjährigen Durchschnitt.

Folglich seien kleine und große Händler „so einstellungsbereit wie nie zuvor“, das gleiche gelte für Bauunternehmer. Auch Hersteller von Schmuck, Musikinstrumenten, Spielwaren und Sportgeräten wollen demnach ihr Personal kräftig aufstocken. Bei den exportorientierten Firmen wollten vor allem die Maschinenbauer und Chemieunternehmen in den kommenden Monaten neue Stellen schaffen. Und von der „brummenden Industriekonjunktur“ profitierten auch viele Dienstleister, etwa im Bereich Forschung und Entwicklung sowie Reinigungsdienste.

Die „Kehrseite der Medaille“ sei der Fachkräftemangel, den auch die kleinen und mittleren Unternehmen zunehmend spürten, beklagt der DIHK. Rund ein Drittel von ihnen sehe hier bereits kurzfristig ein Risiko für ihre Geschäftstätigkeit, teilte der DIHK mit. Vor gut einem Jahr seien es nur halb so viele gewesen. Vor allem fehle es an technisch-mathematisch versierten Fachkräften. Am stärksten betroffen vom Fachkräftemangel sind demnach Unternehmen mit 20 bis 199 Beschäftigten. Kleine Firmen seien bestrebt, ihre eingespielten Teams zu halten und daher weniger häufig auf Personalsuche. Große Unternehmen hätten meist größere Kapazitäten, um Fachkräfte zu suchen.

Um das Problem anzugehen, sucht der Mittelstand laut DIHK verstärkt Auszubildende, investiert in die Weiterbildung und verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier sei aber auch die Politik gefordert. Der DIHK forderte erneut ein leistungsfähiges Bildungssystem, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine bessere Integration ausländischer Fachkräfte und die vermehrte Zuwanderung ausländischer Fachkräfte.