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Ratingagenturen: Ihr Einfluss auf Entwicklungsländer und Nachhaltigkeit

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 stehen die Ratingagenturen in der Kritik, die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten haben diese erneut angefeuert. Ihre Macht und ihre Bedeutung haben sie indes noch nicht eingebüßt. Die von der Dominanz der Ratingagenturen ebenso betroffenen Entwicklungs- und Schwellenländer finden dagegen in der Debatte wenig Beachtung. Die Organisation WEED hat sich in einem Hintergrundpapier mit dieser Thematik befasst.

Berlin > Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 stehen die Ratingagenturen in der Kritik, die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten haben diese erneut angefeuert. Ihre Macht und ihre Bedeutung haben sie indes noch nicht eingebüßt. Die von der Dominanz der Ratingagenturen ebenso betroffenen Entwicklungs- und Schwellenländer finden dagegen in der Debatte wenig Beachtung. Die Organisation WEED hat sich in einem Hintergrundpapier mit dieser Thematik befasst. Autorin Franziska Richter beleuchtet darin vor allem auch die Relevanz für eine nachhaltige Entwicklung.

Internationale Direktinvestitionen haben in den Entwicklungsländern in den vergangenen 15 Jahren stark zugenommen und machen oft ein Mehrfaches der offiziellen Entwicklungshilfe aus. Ratingagenturen haben also über verschiedene Wege eine besondere Bedeutung für Entwicklungsländer, zum einen auf direktem Weg über Länderratings inklusive der möglichen Folgen und auf der anderen Seite indirekt über den internationalen Bankensektor. Viele, insbesondere afrikanische, Länder sind allerdings bislang nicht geratet. Erhalten die Länder, oder die in ihnen beheimateten Unternehmen aber keine Bonitätsnoten, sind sie vom internationalen Kapitalfluss abgeschnitten. Derzeit sind insgesamt 138 Länder von einer der großen Agenturen (S&P, Moody’s, Fitch) bewertet, davon sind 90 Entwicklungs- oder Schwellenländer. Allerdings haben nur neun der am wenigsten entwickelten Länder der Erde ein Rating. Einer der Gründe sind die hohen Kosten, denn die Agenturen erstellen ein Rating nur gegen Gebühr. 2003 startete das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zusammen mit der Ratingagentur Standard & Poors eine „Rating Initiative“. Es wurde 16 Ländern ein Rating finanziert um den Zugang zu den Kapitalmärkten zu erleichtern. Ziel war es, Ressourcen für die Armutsbekämpfung zu mobilisieren. Allerdings kann ein Länderrating durch die bestehenden Basel II Regulierungen auch zu Nachteilen führen. Die Vorschriften zur Eigenkapitalhinterlegung sind für Anleihen aus Staaten ohne Rating mit 100 Prozent nämlich niedriger als die von schlecht benoteten Staaten mit 150 Prozent, nicht bewertete Länder können somit für Anleger interessanter sein. Auswirkungen haben Länderratings auch auf die beheimateten Unternehmen. Sie können nämlich in der Regel keine bessere Bewertung erhalten als das Ursprungsland, das Länderrating gilt quasi als eine Art Obergrenze. Zwar wurden diese Regelungen in Einzelfällen aufgeweicht, generell haben sie aber immer noch Bestand. Fraglich bleibt, ob die Finanzierung von Ratings als aktive Entwicklungshilfe geeignet ist. Indirekt, über den internationalen Bankensektor, hat sich die weltweite Finanzkrise auch in den Entwicklungsländern verbreitet.

Eine Reform der Ratingagenturen wird seit Ausbruch der Finanzkrise immer wichtiger. Vor allem mehr Transparenz und mehr Wettbewerb werden gefordert, ebenso wird das übermäßige Vertrauen in die Agenturen zunehmend als Problem gesehen. Auf der Reformagenda der EU fehlt bislang noch die Diskussion darüber, wie gesellschaftliche und ökologische Risiken in die Bonitätsbewertung einfließen können. Dabei könnte die verpflichtende Aufnahme von Nachhaltigkeitskriterien in Ratings einen wichtigen Schritt hin zu mehr Finanzstabilität und einer nachhaltigen Wirtschaft leisten. Banken wie die Zürcher Kantonalbank (ZKB) oder die Ethik-Bank erstellen eigene Länderratings für die OECD-Staaten, in denen weitere Kriterien berücksichtigt werden. Dies können beispielsweise die Einkommensverteilung, Arbeitslosenzahlen und Menschenrechtsverstöße sein, ebenso aber auch ökologische Kriterien wie CO2-Ausstoß, Wasserverbrauch oder Ratifizierung internationaler Umweltabkommen. Die deutsche Ethik-Bank investiert, im Sinne einer Positivliste, nur in Länder die vom Rating der ZKB als überdurchschnittlich nachhaltig bewertet werden. Weitere Informationen bietet das WEED-Hintergrundpapier „Ratingagenturen und Entwicklungsländer“.