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Nachhaltigkeitspreis „sea 2011“: diabla media droht mit Anwalt

Der Wiener diabla media Verlag lobt einen eigenen Nachhaltigkeitspreis aus: den sea 2011. Wer so etwas anbietet, muss sich selbst an Nachhaltigkeitskriterien messen lassen. Als CSR NEWS das Unternehmen mit gegen seine Geschäftspraktiken und den Umgang mit seinen Mitarbeitern gerichteten Vorwürfen konfrontierte, drohte es mit dem Anwalt. Ist diabla media für die Ausrichtung eines Nachhaltigkeitspreises geeignet?

Wien > Der Wiener diabla media Verlag lobt einen eigenen Nachhaltigkeitspreis aus: den sea 2011. Wer so etwas anbietet, muss sich selbst an Nachhaltigkeitskriterien messen lassen. Der mittelständische Verlag mit zwölf festen Mitarbeitern lebt mit Konflikten, die sich zumindest darin ausdrücken, dass er zweien seiner Mitarbeiter gekündigt hat. Nun hat unsere Redaktion eine Fülle von Vorwürfen und Dokumenten zu Vorgängen in dem Unternehmen erreicht. Und wir haben – wie in einem solchen Fall üblich – die Geschäftsführung um Stellungnahme gebeten. Das Ergebnis: Eine kurze Stellungnahme der Geschäftsführerin und ein zweiseitiges Anwaltsschreiben, das CSR NEWS vor den rechtlichen Konsequenzen einer Veröffentlichung warnt.

Zunächst zu dem Nachhaltigkeitspreis: „Immer mehr Unternehmen übernehmen soziale und ökologische Verantwortung und setzen sich bewusst mit Corporate Social Responsibility (CSR) auseinander“, heißt es in der Ausschreibung zum „sea Sustainable Entrepreneurship Award 2011“. Ausgezeichnet werden sollen Unternehmen, die sich eine ökologisch und sozial verträgliche Geschäftspraxis zur Aufgabe gemacht haben. Bei einer Galaveranstaltung im April 2012 in Wien sollen die besten 10 Projekte der Öffentlichkeit vorgestellt und das überzeugendste Projekt mit 10.000 Euro prämiert werden. Wie viele Bewerbungen bereits eingegangen sind, wollte Christina Weidinger, Geschäftsführerin im diabla media Verlag, gegenüber CSR NEWS nicht sagen.

Vorsitzender der Jury ist Franz Fischler, der ehemalige österreichische EU-Kommissar für Landwirtschaft und Präsident des Ökosozialen Forums (Wien). „Ich wurde vom Verlag gebeten, mich für den Internationalen Preis für ‚Nachhaltiges Wirtschaften‘ als Vorsitzender der Jury zur Verfügung zu stellen. An der Ausschreibung des Preises gibt es keine Kritik, es ist ein seriöser Preis“, teilte Fischler auf Anfrage von CSR NEWS mit. Ob Vorwürfe gegen den Verlag berechtigt seien, könne er nicht beurteilen.

Der diabla media Verlag wird durch die Wiener Anwaltskanzlei Leitner und Trischler vertreten. Dass zwei Mitarbeitern gekündigt wurde, räumt Rechtsanwalt Martin Leitner ein. Dass aber die Kündigung eines dieser Mitarbeiter im Zusammenhang mit dessen Wahl zum Betriebsrat stand und diese Wahl verhinderte, bestreitet der Anwalt. Und auch dass der andere Vertrag gekündigt wurde, weil die Betroffene einen befristeten Arbeitsvertrag nicht unterzeichnen wollte, bestreitet er. In beiden Fällen bemüht sich das Arbeitsgericht um die Wahrheitsfindung.

Aufgrund der uns angedrohten rechtlichen Schritte verzichten wir an dieser Stelle auf Tatsachenschilderungen und äußern stattdessen eine Meinung:

Wir meinen, dass es nicht zu einem Unternehmen mit eigenem Nachhaltigkeitspreis passt, die Diskussion über seine sonstigen Geschäftspraktiken durch die Androhung rechtlicher Schritte verhindern zu wollen.

Ganz anders scheint das auch Geschäftsführerin Weidinger nicht zu sehen, wenn sie gegenüber CSR NEWS mitteilt: „Wir sind uns unserer Verantwortung als Verlag bewusst und haben gerade deshalb den SEA ins Leben gerufen. Daher sind wir gerade in Gründung eines Vereins für nachhaltiges Wirtschaften!“ Der Preis soll demnächst nicht mehr durch den Verlag, sondern durch den neu gegründeten Verein verantwortet werden. Die schriftliche Mitteilung endet mit dem Slogan: „diabla media Verlag … teuflisch gute Medien!“ Das hinterlässt einen faden Geschmack.

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  • Wie transparent muss ein Unternehmen sein, das sich ein nachhaltiges Wirtschaften zuschreibt?
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  • Und grundsätzlich: Was macht Nachhaltigkeitspreise glaubwürdig?

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