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Ekelbuden sehen bald rot – Berlin stellt Ergebnisse von Hygiene-Kontrollen ins Internet

Berlin will die bundesweite Initiative für mehr Transparenz in der Gastronomie vorantreiben. Die Stadt hat in dieser Woche die ersten Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen unter der Adresse ins Internet gestellt. Schon im Mai hatten sich die Verbraucherschutzminister der Länder geeinigt, ein neues System am 1. Januar 2012 deutschlandweit einzuführen. Geplant ist neben der Online-Datenbank die so genannte Restaurantampel.

Von Tom Sundermann

Berlin > Lappen, die neben der Spüle liegen? Unmöglich, findet Levent Kargin. Fußabdruck auf der Türschwelle? Sofort wegwischen. Fleck auf der Fensterscheibe? Gibt es nicht, der Gastronom putzt jeden Morgen die Glasfront seines Imbisses „City Chicken“ im Berliner Bezirk Tempelhof. „Und zwar richtig. Ein Eimer Ajax und eine Zewa-Rolle reichen einfach nicht“, sagt er. Dass der 43-Jährige so penibel ist, dass er seine Mitarbeiter sechs bis achtmal am Tag durch den Laden wischen lässt – es zahlt sich aus. „City Chicken“ hat die Bestnote „sehr gut“ von den Berliner Lebensmittelkontrolleuren erhalten. Das Zertifikat hat er an seine Ladentheke geklebt, auch wenn das noch nicht Pflicht ist.

Berlin will die bundesweite Initiative für mehr Transparenz in der Gastronomie vorantreiben. Die Stadt hat in dieser Woche die ersten Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen unter der Adresse www.berlin.de/sicher-essen ins Internet gestellt. Schon im Mai hatten sich die Verbraucherschutzminister der Länder geeinigt, ein neues System am 1. Januar 2012 deutschlandweit einzuführen. Geplant ist neben der Online-Datenbank die so genannte Restaurantampel: Auf einer Farbskala, die von Grün über Gelb bis Rot geht, sollen die Gäste ablesen können, wie sauber ein Betrieb ist. Musterbetriebe sehen grün, schimmlige Ekelbuden rot. Restaurant- und Kneipenbetreiber müssen die Bewertung in den Eingangsbereich hängen, Pizzadienste müssen sie auf ihre Homepage stellen.

Bei den Kontrollen achten die Prüfer darauf, ob die Vorschriften zur Sauberkeit und Hygiene in allen Räumen eingehalten werden, in denen Lebensmittel verarbeitet oder angeboten werden. Überprüft werden auch Maschinen und Geräte sowie Pack- und Reinigungsmittel auf ihre hygienische Beschaffenheit und Eignung. Gegebenenfalls werden Proben für Laboruntersuchungen entnommen. Bisher wurden die Ergebnisse unter Verschluss gehalten.

In Berlin haben bisher drei Bezirke die Akten geöffnet: Pankow, Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg. Die Ampel gibt es noch nicht, nur ein Zertifikat in unauffälligem Weiß, das die Betriebe freiwillig aufhängen können. In Pankow gibt es seit zwei Jahren ein Smiley-System. Den bekommen die vorbildlichen Betriebe. Aus unhygienischen Gaststätten veröffentlich das Bezirksamt Ekel-Fotos im Internet.

Nach dem Beschluss im Mai begrüßte der Bundesverband Verbraucher Initiative die Ampel: „Vorbildliche Betriebe können mit ihren Leistungen werben, weniger gute haben Anreize zum Besserwerden und die schwarzen Schafe können sich nicht länger verstecken.“ Doch es regt sich auch Widerstand: Im Juni sprachen sich die Landeswirtschaftsminister gegen das System aus. Eine solche Ampel habe lediglich eine „Pranger-Wirkung“, biete aber keinen zusätzlichen Nutzen für den Verbraucherschutz, erklärte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU). Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hält die bestehenden Gesetze und Sanktionsmöglichkeiten für ausreichend.

Die Verbraucherschutzminister wollen die Initiative hingegen langfristig ausweiten: Auch Metzgereien und Bäckereien, Cateringdienste, Einzelhändler, Verarbeitungsbetriebe und Wochenmarktstände sollen eine Ampel bekommen. Vorbild für die neue Offenheit ist Dänemark. Dort arbeiten die Behörden mit Smileys, welche die Betriebe gut sichtbar aufhängen müssen. Nordrhein-Westfalen hat ein ähnliches System in abgeschwächter Form eingeführt.

Bei Gästen kommt die Hygiene-Bewertung gut an: „Von Lokalen mit schlechter Note würde ich mich fernhalten“, sagt Kai Friedel. Er kommt einmal pro Woche ins „City Chicken“ in Berlin. „Für mich reicht schon eine unhygienische Kleinigkeit in einem Betrieb, dann gehe ich nicht mehr hin.“ Inhaber Levent Kargin hat ihn bislang noch nicht enttäuscht. „Für mich ist die gute Note der Lohn für meinen Fleiß“, sagt Kargin. „Da sieht man, wer zu 100 Prozent hinter seinem Laden steht – und wer einfach denkt, er könnte mal ’ne Dönerbude aufmachen.“