Nachrichten

Ölkonzern Eni „quasi täglich“ in Kontakt mit Rebellen in Libyen

Mailand > Der stark in Libyen engagierte italienische Energie- und Ölkonzern Eni steht nach eigenen Angaben seit Monaten in engem Kontakt mit den Aufständischen. „Wir haben den Nationalen Übergangsrat am 3. April getroffen und seitdem stehen wir in ständigem Kontakt, eng und quasi täglich“, sagte Eni-Chef Paolo Scaroni der Zeitung „Corriere della Sera“ vom Mittwoch. „Wir waren das erste internationale Unternehmen, mit dem sich der Übergangsrat getroffen hat.“ Unterstützt werde Eni bei diesen Kontakten vom italienischen Außenministerium.

Die meisten Anlagen von Eni in Libyen stehen derzeit wegen der Kämpfe still. Nur in Wafa im Westen des Landes rund 500 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt liefert die Anlage laut Scaroni weiterhin Strom für die Versorgung der Bevölkerung dort. „Wir kümmern uns zurzeit hauptsächlich darum nachzuprüfen, ob unsere Anlagen nicht beschädigt werden“, sagte der Eni-Chef. Das Unternehmen mache sich vor allem Sorgen um die nahe Zukunft: Perioden des Übergangs seien immer „schwierig“. Die Verträge, die Eni in Libyen abgeschlossen hat, sehe er aber nicht in Gefahr. „Das sind internationale Abkommen.“

Über die Ölpipeline Greenstream seien Italien und Libyen „unauflösbar“ verbunden, sagte der Eni-Chef. Die Ansicht, die Rebellen könnten Frankreich wegen seiner frühen Unterstützung gegen Machthaber Muammar el Gaddafi nun bevorzugen, teile er nicht: Wegen der wirtschaftlichen Beziehungen und wegen „unserer langen Anwesenheit im Land, glaube ich nicht, dass Frankreich uns ersetzen wird“. Eni ist seit 1960 in Libyen und beschäftigt dort 2000 Menschen. 15 Prozent seines Öls fördert der Konzern in dem nordafrikanischen Land.