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Indischer Anti-Korruptions-Aktivist Hazare beendet Hungerstreik

Nach weitreichenden Zugeständnissen des Parlaments hat der indische Anti-Korruptions-Aktivist Anna Hazare seinen Aufsehen erregenden Hungerstreik beendet. „Dieser Protest war eine Lektion für die Welt“, sagte er am Sonntag zum Abschluss seiner knapp zweiwöchigen Protestaktion in Neu Delhi. Zuvor war das Parlament bei Beratungen über ein Anti-Korruptionsgesetz auf wesentliche Forderungen Hazares eingegangen.

Neu Delhi > Nach weitreichenden Zugeständnissen des Parlaments hat der indische Anti-Korruptions-Aktivist Anna Hazare seinen Aufsehen erregenden Hungerstreik beendet. „Dieser Protest war eine Lektion für die Welt“, sagte er am Sonntag zum Abschluss seiner knapp zweiwöchigen Protestaktion in Neu Delhi. Zuvor war das Parlament bei Beratungen über ein Anti-Korruptionsgesetz auf wesentliche Forderungen Hazares eingegangen.

Nach 13 Fastentagen trank Hazare einige Schlucke Kokosmilch gemischt mit Honig, die ihm zwei kleine Mädchen reichten. Trotz seines Hungerstreiks, den er an einem öffentlichen Platz in der indischen Hauptstadt abgehalten hatte, wirkte der 74-jährige Bürgerrechtler fit und energiegeladen. „Das Parlament in Neu Delhi musste sich der Macht des Volkes beugen, aber unser Kampf endet hier nicht“, sagte er vor zehntausenden jubelnden Anhängern. „Wir möchten dem Land einen Wandel im Rahmen der Verfassung bringen.“ Es gebe Anlass zum „Stolz, dass so eine große Volksbewegung stattfand, ohne auf irgendeine Form von Gewalt zurückzugreifen“, fügte Hazare hinzu. „Wir haben die Welt gelehrt, wie man eine friedliche Bewegung führt.“

Hazare hatte seit dem 16. August gefastet, um gegen die in Indien allgegenwärtige Korruption zu protestieren und ein verschärftes Gesetz gegen Bestechung durchzusetzen. Zu seinen Forderungen zählten vor allem die Schaffung einer unabhängigen Behörde, die alle Minister, Abgeordnete und Beamte überwacht, sowie Ombudsmänner in allen 29 Bundesstaaten.

Auf Druck Hazares und seiner Anhänger stimmte das Parlament nach Angaben von Finanzminister Pranab Mukherjee bei einer Sondersitzung am Samstag grundsätzlich zu, Regierungsvertreter auf Ebene der Bundesstaaten und des Zentralstaats einer Anti-Korruptionskontrolle zu unterstellen. Außerdem sagten die Abgeordneten zu, eine Bürgercharta für mehr Transparenz zu verabschieden. Das Gesetz soll von einem ständigen Parlamentsausschuss ausgearbeitet werden.

Die Behörden hatten Hazare zu Beginn seiner Protestaktion festnehmen lassen. Nach drei Tagen ließen sie ihn aber wieder frei, weil sie feststellen mussten, dass er in der indischen Bevölkerung über großen Rückhalt verfügt. Die Inder müssen sehr häufig für einfache staatliche Dienste wie Eheschließungen und Krankenhausbehandlungen Bestechungsgelder zahlen. Die massiven Proteste dagegen setzten Ministerpräsident Manmohan Singh stark unter Druck. Seine Regierung war in den vergangen Monaten selbst in Korruptionsskandale verstrickt.

Hazare hatte mit seinem Hungerstreik tausende Menschen angelockt. Der 74-Jährige, der sich auf das indische Unabhängigkeitsidol Mahatma Gandhi beruft, ist in Indien allerdings umstritten. Während ihn viele als moralischen Führer schätzen, der die Untätigkeit der Regierung offenbart, sehen andere in ihm einen autoritären Führer, der mit populistischen Methoden dem Parlament seine Positionen aufzwingt und Illusionen über ein Ende der Korruption in Indien weckt. Kritiker werfen ihm zudem „aggressiven Nationalismus“ vor.