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Die nachhaltige Datenflut beherrschen: Welche Software passt zu meinem Unternehmen?

Die Excel-Tabelle war lange Zeit der beste Freund eines CSR-Managers und ist es in manchen Unternehmen noch heute. Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet, eine Unmenge an Daten zu sammeln und zu bewerten, zur Analyse des Status quo und als Grundlage für strategische Entscheidungen. Inzwischen hat sich ein Markt für CSR-Software etabliert, mit vielfältigen Lösungen für das Enterprise Sustainability Management (ESM).

Von Thomas Feldhaus

Sieben Business- und IT-Trends hat das US-Marktforschungsinstitut Gartner Group für die nächsten Jahre ausgemacht. Einer davon ist die Unterstützung ökologisch nachhaltiger Geschäftsmodelle durch IT-Anwendungen. Auf mehrere Milliarden Euro wird der weltweite Markt dafür geschätzt. Eine Umfrage von Forrester Research unter knapp 500 Unternehmen ergab, dass mehr als 70 Prozent der Befragten der Informationstechnologie eine zentrale Bedeutung bei der Umsetzung der CSR-Strategie einräumen. Noch vor wenigen Jahren war „Green IT“ der Schlüsselbegriff für Umweltschutz in der Informationstechnologie. Inzwischen gehört die energieeffiziente Nutzung von Hardware zum Tagesgeschäft in den IT-Abteilungen. Nun also „IT for Green“, die zentrale Rolle der Informationstechnologie für den Wandel zum nachhaltigen Unternehmen.

Ohne den Einsatz entsprechender Software ist ein nachhaltiges Wirtschaften den Unternehmen kaum möglich. Andreas Streubig, Bereichsleiter Corporate Responsibility bei der Otto Group, bringt die Anforderungen auf den Punkt: „Die Software muss uns das Leben leichter machen, uns helfen, den komplexen Kosmos des Nachhaltigkeitsmanagements zu handhaben“. Die Aufgaben erstrecken sich von der Analyse über die Steuerung bis zum Reporting, und zwar nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Software muss helfen Daten, aus unterschiedlichen Systemen länderübergreifend zu erfassen und zu vereinheitlichen. Streubig: „Wünschenswert ist auch eine gewisse business intelligence, die Inkonsistenzen erkennt und bei Auffälligkeiten entsprechend alarmiert“. Schwachstellen müssen ebenso erkennbar sein wie Auswirkungen strategischer Entscheidungen oder sich ändernder Gesetze und Normen. ESM-Systeme bilden praktisch in Echtzeit Änderungen der Key Performance Indikatoren (KPI) ab. Beispielsweise kann die Umstellung einer Produktionsanlage zu signifikanten Änderungen der Verbrauchs- oder Emissionswerte führen und damit den Carbon-Foot-Print beeinflussen – derartige Auswirkungen müssen Softwareanwendungen darstellen. Dies setzt allerdings den Einsatz integrierter Anwendungen voraus, analog zu einer integrierten CSR-Strategie. In der Praxis überwiegen zwar noch Insellösungen, die nicht an die unternehmensweite ERP-Software angeschlossen sind, sowie Softwareanwendungen für einzelne Nachhaltigkeitsaspekte. Dazu gehören Lösungen zur Erfassung und Steuerung der Energieeffizienz, zur Überwachung der Compliance oder zur Lieferantenbewertung. Komplettlösungen werden jedoch zunehmend webbasiert angeboten und sind dadurch von internen IT-Landschaften unabhängig, das erleichtert die Zustimmung des CIO bei der Investitionsentscheidung.

Am häufigsten finden sich in der Praxis Anwendungen, die das Energie- und Ressourcenmanagement betreffen. Hier setzen Unternehmen oft mit ihrer CSR-Strategie an, schließlich ist in diesem Bereich kurzfristig mit Resultaten zu rechnen, die sich im betriebswirtschaftlichen Erfolg niederschlagen. Was Software in diesem Bereich leisten kann, demonstriert SAP durch das eigene Nachhaltigkeitsmanagement. Die in den vergangenen vier Jahren durchgeführten Schritte zur CO2-Reduzierung haben zu Einsparungen von rund 170 Millionen Euro geführt. Peter Graf, Chief Sustainability Officer bei SAP: „Wir bieten einerseits Lösungen, die unseren Kunden helfen, ihre Nachhaltigkeitsbilanz und Abläufe zu verbessern. Andererseits arbeiten wir selbst kosteneffizienter.“ Dazu bietet SAP die Anwendung SAP Carbon Impact OnDemand an, für die keine lokale Softwareinstallation notwendig ist. Dieses System ist vor allem für global agierende Unternehmen geeignet, es vereinigt die Energie- und CO2-Verbrauchswerte plattformübergreifend aus unterschiedlichen Quellen und in fünfzig Sprachen. Die weltweit erfassten Daten sind für gesetzlich vorgeschriebene Berichte aufbereitet, sind aber ebenso dazu geeignet, gezielte Einsparungsprojekte zu planen, durchzuführen und zu messen.

Der Erfassung von Emissionswerten kommt bei der Berechnung des Product Carbon Footprint eine besondere Bedeutung zu. Hier steht der gesamte Produktlebenszyklus im Mittelpunkt, von der Rohstoffgewinnung über die Produktion, den Vertrieb bis hin zur Entsorgung. Anwendungen sollten sämtliche klimarelevanten Treibhausgasemissionen berücksichtigen, nach ISO 14044 oder BSI PAS 2050 bilanzieren und entsprechende Sekundärdaten berücksichtigen. Der Softwarehersteller PE International bietet dafür seine Lösung GaBi an, die zusätzlich zu den Unternehmenswerten auf eine unternehmenseigene LCA-Datenbank zugreift. Mit dem GaBi-Reader wurde kürzlich das Angebot um eine Lösung erweitert, die auch Nicht-Experten ohne Vorkenntnisse die Erstellung einer produktbezogenen Ökobilanz ermöglicht.

Noch lange nicht jedes Unternehmen mit ausgewiesener CSR-Aktivität hat sich von seinen Excel-Tabellen verabschiedet. Etliche Unternehmen, insbesondere aus dem Mittelstand, sondieren jedoch den Markt nach geeigneten Softwarelösungen oder haben eine Entscheidung für die kommenden Jahre geplant. Von zunehmender Bedeutung ist dabei die Komplettlösung mit modularen Bausteinen, flexibel an die Unternehmensbedürfnisse anpassbar und möglichst skalierbar. Lösungen wie die von enablon, PE international oder wesustain. Im deutschsprachigen Raum wird enablon von der in Hamburg ansässigen Beratungsgesellschaft Schlange und Co. vertreten. Andreas Zamostny, Geschäftsführer von Schlange: „Die Unternehmen verlangen eine ganzheitliche Lösung zur Steuerung des Nachhaltigkeitsmanagements und nicht für jedes CSR-Thema eine eigene“. Wichtig sei die Anbindung an bestehende ERP-Systeme, beispielsweise SAP. Diese gehört mit zu den zentralen Anforderungen der CSR-Verantwortlichen an eine Softwarelösung, so etwa von Brigitte Kruse, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Vaillant Group. Dort hat man vorerst, nach eingehender Prüfung, auf den Einsatz einer CSR-Software verzichtet, weil die bestehende ERP-Lösung bereits konzernweit alle notwendigen Daten in einer gut strukturierten Form liefert.

Enablon bietet mit seiner CSR-Suite ein Paket an, das je nach Anforderung um einzelne Bausteine ergänzt wird. Im Basismodul werden alle relevanten Kennzahlen erfasst, Anfragen von Ratingagenturen bearbeitet und Berichte nach GRI-Standard erstellt. Erweiterungen beispielsweise zur Bewertung der Lieferkette oder zur Sozialberichterstattung lassen sich problemlos zuschalten. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das 2010 gegründete Softwareunternehmen wesustain. „Gerade in komplexen und dezentralen Organisationsstrukturen liefern wir eine zuverlässige und leistungsfähige Lösung, welche Stakeholder und Mitarbeiter intelligent ins Nachhaltigkeitsmanagement einbezieht“, so Christoph Teusch, Produktmanager bei wesustain. Das Ziel ist, die Komplexität des Nachhaltigkeitsmanagements erheblich zu reduzieren.