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Wie CSR-Experten netzwerken

Profis im CSR-Bereich bieten Netzwerke die Chance, gemeinsam mit den Mitteln der Wirtschaft zu nachhaltiger Entwicklung beitragen. Wo aber lohnt sich das Engagement, wie findet man geeignete Netzwerkpartner und gewinnt wichtige Kontakte? Experten berichten:

Von Tanja Wolf

Als Johannes Genske vor 25 Jahren Vater wurde, wollte er ein schadstofffreies Babybett kaufen. Da er nichts fand, das seinen Vorstellungen entsprach, eröffnete er kurzer Hand ein Möbelgeschäft. Dass Bio Möbel Genske heute ein erfolgreiches Unternehmen mit 3,5 Millionen Euro Jahresumsatz ist, verdankt der Firmengründer und Inhaber unter anderem geschickter Netzwerkarbeit. Der Kölner bietet unterschiedlichste Veranstaltungen in den eigenen Räumen an, bringt sich in verschiedene fachliche Konferenzen und Gremien ein und ist sehr kooperationsfreudig. Im Zeitalter des Internets verbindet er seine Netzwerkaktivitäten mit einer eigenen Homepage und Präsenzen in diversen Onlineforen sowie auf Social Media Plattformen. Bei seinen Netzwerkaktivitäten steht für Genske vor allem ein Ziel im Mittelpunkt: Seine Arbeit als Unternehmer nutzen, um positive Veränderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu erreichen.

Regionale Netzwerke

Andrea Wilhaus nutzt Netzwerkarbeit für die Suche nach Kooperationspartnern, die ihre eigene Angebotspalette erweitern. Bevor sie sich vor drei Jahren mit ihrer Firma „Nachhaltige Konzepte“ selbständig machte, war sie als Beraterin im Geschäftsfeld Sustainability Services bei PriceWaterhouseCoopers (PWC) tätig. Kontakte zu potentiellen Kooperationspartnern sammelt sie vor allem auf Veranstaltungen in regionalen fachlichen Netzwerken und Verbänden.

Ignacio Campino, Vorstandsbeauftragter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei der Deutschen Telekom, sieht beim Thema Networking vor allem den Erfahrungsaustausch im Vordergrund. „Ich bringe meine Ideen und Gedanken vor allem in themenbezogene Netzwerke und Arbeitsgruppen ein, zum Beispiel in die ‘Initiative 2 Grad‚ oder bei B.A.U.M.. Durch den Dialogprozess mit den anderen Teilnehmern erhalte ich meine Ideen in veränderter Form zurück. Davon profitiert wiederum meine Arbeit im Unternehmen.“

Ähnlich wie bei Campino spielt bei Thomas Osburg, Director Europe- Corporate Affairs bei Intel, das Engagement in fachlichen Netzwerken eine große Rolle. „Wir engagieren uns im Unternehmensnetzwerk von UPJ, weil hier die Vernetzung von und der Austausch zwischen Wirtschaft, gemeinnützigen Organisationen und Politik effektiv hergestellt wird. Dadurch können wir viel von unseren Stakeholdern lernen, am gesellschaftlichen Dialog zum Thema Nachhaltigkeit teilnehmen und uns aktiv an der Entwicklung nationaler und europäischer CSR-Themen beteiligen.“

Social Media

Eine niedrigschwellige Vernetzung von Nachhaltigkeitsinteressierten ermöglicht Detlef Schreiber, Mitarbeiter bei B.A.U.M. e.V. als einer von zwei Moderatoren der XING-Gruppe „Nachhaltige Entwicklung“. Die Gruppe ist mit über 8.000 Mitgliedern die größte XING-Gruppe zum Oberthema Nachhaltigkeit. 2009 begann Schreiber, regionale Gruppentreffen anzustoßen, um digitale und wirkliche Welt miteinander zu verknüpfen. Mittlerweile gibt es aktive Regionalgruppen in Stuttgart, Wien, München, Hannover, Düsseldorf, Köln-Bonn und Berlin. Von der Entwicklung der Gruppe beflügelt, gründete er die Online-Plattform „Drehscheibe Nachhaltigkeit“, die vielfältige interaktive Vernetzungs-, Austausch- und Informationsmöglichkeiten bietet und in XING, Facebook und Utopia eingebunden ist.

XING ist die einzige Social Media Plattform, auf der Werner Drechsler, Firmengründer der Druckstudio GmbH, präsent ist. Er nutzt sie zur „defensiven Akquise“ für sein auf nachhaltigen und CO²-neutralen Druck spezialisiertes Unternehmen: „Wenn einem neuen Kontakt mein Profil gefällt, wird er sich schon bei mir melden“, so Drechsler. Tobias Keye hingegen ist eher auf Facebook unterwegs. Das liegt jedoch nicht daran, dass der Firmengründer von Biodirekt erst 25 Jahre alt ist. Sein Düsseldorfer Unternehmen verschickt Pakete mit Bio-Obst per Post an Geschäftskunden in ganz Deutschland und veröffentlicht regelmäßig Artikel über die meist ausländischen Bauern, von denen er die Früchte bezieht „Die Bauern sind oft selbst auf Facebook und können sich die Artikel dann direkt anschauen.“

Tagungen

Relevante Fachkonferenzen wie die Jahrestagungen des Rats für Nachhaltige Entwicklung besuchen fast alle CSR-Professionals mindestens einmal im Jahr, um Kontakte zu knüpfen, das eigene Netzwerk auszubauen oder Best Practice-Beispiele vorzustellen. Wer bereits ein großes Netzwerk hat, dem bringen persönliche Gespräche und Telefonate aber mehr als häufige Konferenzteilnahmen. Campino: „Die Teilnahme insbesondere an internationalen Veranstaltungen erhöht meine Verpflichtung, die eigenen Anstrengungen im Unternehmen zu verstärken. Ansonsten investiert man viel Zeit und Geld, stößt CO² aus und erreicht nichts für die eigene Arbeit. Was zählt sind letztlich die nachhaltigen Veränderungen, die man im und mit dem eigenen Unternehmen erreichen kann.“

Sei es auf Konferenzen, in fachlichen Netzwerken und Verbänden oder im Internet: CSR-Networking findet vielerorts statt. Erfolgsbedingung ist wie bei jedem Networking das gemeinsame Ziel und die Wertschätzung des Austauschs in den Vordergrund zu stellen, nicht den eigenen Profit und die Akquise von Kunden. Netzwerkbeziehungen brauchen ihre Zeit und müssen sich entwickeln, damit Vertrauen entstehen kann. Haben sich Partner gefunden, die miteinander „können“, stehen wieder das gemeinsame Ziel und die Frage im Vordergrund, wie man es durch eine geschäftliche Zusammenarbeit effizient erreichen kann. Der geschäftliche Erfolg kommt oftmals nicht durch direkte Kontakte, sondern durch Weiterempfehlung an Kontakte von Kontakten zustande, den sogenannten Multiplikatoreffekt.

Digitales Networking reicht nicht

Digitales Networking allein reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein, kann jedoch eine sinnvolle Ergänzung und Unterstützung des CSR-Networkings sein. So benutzt Dr. Andrea Wilhaus die Social Media Plattform XING überwiegend, um die Adressdaten ihrer persönlichen Kontakte zu verwalten. Johannes Genske wiederum verschickt über seine digitalen Netzwerke Einladungen zu Veranstaltungen im eigenen Haus oder leitet interessante Informationen weiter. Oft lernt er Onlinekontakte dann persönlich bei sich vor Ort kennen. Auch Detlef Schreiber hebt hervor, wie wichtig die Verbindung von digitalem und persönlichem Networking ist. Persönliche Kontakte sind letztlich unerlässlich, um Vertrauen aufzubauen und gemeinsam handeln zu können.

In Puncto Netzwerkpflege ist Werner Drechsler vor allem Offenheit und Ehrlichkeit wichtig sowie das eigene Engagement: „Man muss immer wieder neue Dinge in Netzwerke einbringen und selber nachhaltig im Netzwerk aufzutreten. Das Geschäft kommt dann von selbst.“