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Weltbank: Frauenförderung erhöht Wachstumschancen

Die Weltbank hat die Entwicklungsländer aufgerufen, die Gleichberechtigung der Frau voranzutreiben – und zwar auch aus handfestem wirtschaftlichem Interesse. Wer Frauen und Mädchen bessere Chancen und Bedingungen biete, der könne nicht nur ihre Teilhabe an der Gesellschaft und die Aussichten der Kinder verbessern, sondern auch die Produktivität und so die Entwicklungschancen für alle steigern, heißt es in einem Bericht der Weltbank.

Washington > Die Weltbank hat die Entwicklungsländer aufgerufen, die Gleichberechtigung der Frau voranzutreiben – und zwar auch aus handfestem wirtschaftlichem Interesse. Wer Frauen und Mädchen bessere Chancen und Bedingungen biete, der könne nicht nur ihre Teilhabe an der Gesellschaft und die Aussichten der Kinder verbessern, sondern auch die Produktivität und so die Entwicklungschancen für alle steigern, heißt es in dem am Sonntag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht der Weltbank zu Gleichberechtigung und Entwicklung. Die Weltbank werde Wege finden, „damit die Hälfte der Weltbevölkerung ihr volles Potenzial entfalten kann“, erklärte Weltbank-Chef Robert Zoellick.

Als Beispiel nennen die Weltbank-Experten das westafrikanische Burkina Faso: Hätten dort die Frauen mehr Rechte auf eigenes Eigentum und wären sie statt der Männer in bäuerlichen Haushalten zuständig für den Kauf von Dünger, würde dies die landwirtschaftliche Produktion um rund sechs Prozent steigern. In zahlreichen Ländern würde die Produktivität um drei bis 25 Prozent wachsen, dürften die Frauen dort ihnen bislang verwehrte Berufe oder Tätigkeiten ausüben. Wer Frauen und Mädchen daran hindere, die Fähigkeiten und das Geld zu erwerben, um in der globalisierten Welt erfolgreich zu sein, der handle nicht nur falsch – die Folgen seien „wirtschaftlich schmerzhaft“, erklärte Weltbank-Chefvolkswirt Justin Lin.

Der Bericht der Weltbank verweist auch auf die Fortschritte, die in den vergangenen Jahren erzielt worden sind. So werden Frauen in Entwicklungsländern heute 20 Jahre älter als 1960, und sie werden älter als Männer. Die Benachteiligung von Mädchen gegenüber Jungen im Grundschulalter sei fast beseitigt, bei der weiterführenden Bildung schlössen sich die Lücken sehr schnell. In 45 Ländern würden bereits mehr Mädchen als Jungen weiterführende Schulen besuchen, in 60 Ländern seien mehr Frauen an den Universitäten eingeschrieben als Männer.

In zahlreichen Ländern und Regionen aber würden Mädchen und Frauen noch immer stark benachteiligt und blieben wirtschaftlich und sozial und sogar bei der Gesundheitsvorsorge Menschen zweiter Klasse. Jedes Jahr sterben laut Weltbank 3,9 Millionen Frauen in Entwicklungs-, aber auch in Schwellenländern beim Gebären oder weil sie als Mädchen auf die Welt kommen. Zwei Fünftel der Mädchen in diesen Ländern werden demnach gar nicht erst geboren, weil die Eltern einen Sohn bevorzugen. Ein Sechstel aller Mädchen stirbt im Kindesalter; ein Drittel aller Frauen beim Gebären. In den Ländern südlich der Sahara, vor allen in denen mit einer hohen Rate von HIV-Infizierten, sei die Sterblichkeit von Mädchen und Frauen sogar noch höher.

Die Weltbank gab in den vergangenen fünf Jahren nach eigenen Angaben 65 Milliarden Dollar (47 Milliarden Euro) für die Bildung von Mädchen, die bessere Gesundheitsvorsorge für Frauen und für ihren besseren Zugang zu Krediten, Land, und Jobs aus. Das sei zwar wichtig gewesen, aber nicht genug, erklärte Zoellick. Die Weltbank werde weiter für die Gleichberechtigung kämpfen, versprach er.