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Connecting People: Nokias Nachhaltigkeitsversprechen fordern Kritiker heraus

Wer sich zu einem nachhaltigen Wirtschaften bekennt und in der Unternehmenspraxis gegen dieses Bekenntnis verstößt, dem sind Spott und Kritik sicher. Der Nokia-Konzern handelte so, dass er in Zeitungskommentaren dafür heute abgestraft wird. Als globaler Handyhersteller verließ Nokia erst Bochum und zog in das rumänische Cluj. Nun kündigt der Konzern auch dort seinen Rückzug an – weiter geht’s nach Asien.

Bochum > Wer sich zu einem nachhaltigen Wirtschaften bekennt und in der Unternehmenspraxis gegen dieses Bekenntnis verstößt, dem sind Spott und Kritik sicher. Der Nokia-Konzern handelte so, dass er in Zeitungskommentaren dafür heute abgestraft wird. Als globaler Handyhersteller verließ Nokia erst Bochum und zog in das rumänische Cluj. Nun kündigt der Konzern auch dort seinen Rückzug an – weiter geht’s nach Asien.

Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) schreibt dazu: „Kaum zu glauben, aber im Sustainability-Bericht des Konzerns nachzulesen: Nachhaltigkeit ist Unternehmensziel von Nokia. Dabei ist ein Hundert-Meter-Sprinter verglichen mit dem finnischen Handy-Hersteller ein echter Marathonläufer. Rein nach Rumänien, raus aus Rumänien – und das in nur drei Jahren. Auf der Strecke bleiben 2200 Arbeitnehmer, die ihre Jobs verlieren – wie in Bochum, als Nokia trotz guter Gewinne das Werk schloss. Mein persönlicher Protest ist nachhaltiger: Auch das nächste Handy wird nicht von Nokia sein.“

Für die WAZ (Essen) ist der „Fall Nokia ist ein negatives Lehrbeispiel dafür, wie ein starker Konzern binnen weniger Jahre sich selbst demontiert.“ In dem Kommentar heißt es weiter: „Statt auf Kontinuität, technische Innovationen und hoch qualifizierte Mitarbeiter zu setzen, handelte Nokia nach dem Motto: billig, billiger, am billigsten. So verspielte der einstige Marktführer der Handy-Branche kontinuierlich seine Spitzenstellung und seinen guten Ruf. Folgerichtig verpassten die Nokia-Manager im Handy-Geschäft so ziemlich jeden Trend. Bei den modernen Smartphones sind die Finnen heute weit abgeschlagen, bei jungen Leuten ist die Marke Nokia so angesagt wie Akne. (…) Und Nokia? Zieht weiter und hinterlässt mal wieder verbrannte Erde. Das ist erbärmlich.“

Für die Rheinische Post (Düsseldorf) gibt der Fall Nokia ein Beispiel für die Heimatlosigkeit von Großkonzernen: „Subventionen erkaufen keine Loyalität, die Firmen denken global, eine echte Heimat hat fast kein Konzern mehr.“ Das Blatt zeigt auch, wie sich ein Nachhaltigkeitsslogan angesichts der Unternehmenspraxis in sein Gegenteil kehren kann: „Die Arbeiter in Bochum haben vor drei Jahren die Papiere bekommen. Die Beschäftigten in Cluj sollen Weihnachten aufhören. Sie alle sind enttäuscht vom Konzern, der ‚Connecting People‘ zum Motto machte: Menschen verbinden. Jetzt sind Rumänen und Deutsche verbunden – Gefährten als von Nokia Entlassene.“