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Stiftungskommunikation: Transparenz als strategische Aufgabe

Die Stiftungen feiern Erfolge: es werden immer mehr, mit immer mehr Geld für immer mehr Projekte. Bei aller Anerkennung des öffentlichen Gebrauchs privater Gelder – eine schärfere Beobachtung und Kritik können auf Dauer nicht ausbleiben. Transparenz wird daher zu einem entscheidenden Faktor, gerade für unternehmensnahe Stiftungen.

Die Stiftungen in Deutschland feiern Erfolge: es werden immer mehr, mit immer mehr Geld für immer mehr Projekte. Bei aller Anerkennung des öffentlichen Gebrauchs privater Gelder – eine schärfere Beobachtung und auch Kritik können auf Dauer nicht ausbleiben. Transparenz wird daher zu einem entscheidenden Faktor, gerade auch für unternehmensnahe Stiftungen.

Von Oliver Ramonat

Jüngst hat der Wissenschaftsjournalist Karl‐Heinz Heinemann, der sich seit Jahren mit Stiftungen vor allem im Bildungswesen beschäftigt, die virulenten Kritikpunkte zusammengefasst. Auf dieser Grundlage lassen sich folgende Punkte herausgreifen: das eigene Agenda‐Setting der Stiftungen, die Projekte nach eigenem Gusto aufsetzen und dann an die öffentliche Hand weiterreichen. Daneben beklagt der Autor eine zu enge Verzahnung mit der Politik, gerade im Bildungsbereich tätige Stiftungen wollten unter der wohlklingenden Forderung der ‚Nachhaltigkeit’ die Kultusbürokratie in ihrem Sinne beeinflussen, wodurch die Öffentlichkeit ein Stück weit übergangen werde. Alles läuft, zugespitzt gesagt, auf mangelnde Transparenz oder anders formuliert auf die – ungeachtet aller Vorschriften des Stiftungsrechts – mangelnde Legitimation der Stifter und Stiftungen hinaus.

Private Stifter sind eben nur im Rahmen der geltenden Vorschriften Rechenschaft schuldig, die breite Öffentlichkeit bleibt oft genug außen vor. Politisch Verantwortliche sind dagegen demokratisch legitimiert und sie unterwerfen sich einer – je nach Thema auch heftigen – öffentlich geführten Debatte.

Transparenz als kommunikative Aufgabe

Diese Kritik, und so ungerecht sie gegenüber vielen Stiftungen auch sein mag – sie trifft einen Punkt. Man kann ganz grundsätzlich eine doppelte Antwort auf sie geben. Zum einen kann man sagen, es betreffe einen nicht, man habe z. B. wissenschaftliche Beiräte und Gremien, die für eine öffentliche Legitimation sorgen. Wer schon je mit Universitäten kooperiert oder je nach Stiftungszweck Ministerien, Ämter und andere freie Träger usw. von vornherein in seine Vorhaben einbezieht, wird sich nicht getroffen fühlen – mit Recht! Aber wie steht es in diesen, vermutlich auch aus Sicht der Kritiker positiv zu bewertenden Fällen mit der kommunikativen Begleitung? Ist die Legitimation, die wissenschaftliche und öffentliche Grundlage der Projekte hinreichend offenbar? Ist, so könnte man pointieren, auch die Kommunikation in der Stiftung auf Transparenz eingestellt? Oder geht es da vornehmlich um Eigenwerbung? Eine gute Kommunikation bezieht die interessierte Öffentlichkeit in geeigneter Weise ein.

Keine Angst vor der Öffentlichkeit!

Und nicht wenige Stiftungen müssen sich durchaus die Frage gefallen lassen, ob sie überhaupt kommunizieren. Kommunizieren heißt nicht, sich immer und bei allem in die Karten schauen zu lassen. Aber der Anspruch der Öffentlichkeit auf Transparenz, insofern und soweit er legitim ist, ist zu beachten. Schaut man das Konglomerat von Kritikpunkten an, das der Autor Heinemann da zusammengetragen hat, so kann man vermuten, dass sich mit dem Erfolg der Stiftungen auch die Kritik formiert und offensiver auftreten wird. Und Stiftungen, die legitime Ansprüche auf Transparenz nicht beachten, werden es möglicherweise in Zukunft schwerer haben, zumindest mit ihrem
operativen Projekten, in denen sie selber Programme schreiben und Schwerpunkte setzen wollen.

Transparenz als strategische Aufgabe

Kommunikation muss also als strategische Aufgabe erkannt und anerkannt werden. In der Tat: Sie ist nicht hoch genug anzusiedeln. Was bedeutet es, Transparenz zur strategischen Aufgabe zu machen? Die regelmäßige und differenzierte Öffentlichkeitsarbeit ist natürlich ein wesentlicher Bestandteil. Aber nur, was man ernsthaft und willentlich tut, darüber kann man auch mit Überzeugung reden. Daher gilt es, Transparenz und Offenheit schon in den Ausarbeitungsprozess der Projekte zu implementieren.

Beispiele: Vom strategisch denkenden Beirat bis zum Stipendiaten‐Blog

Das Gesamt der Instrumente muss sicher für jede Stiftung individuell ausgearbeitet werden. Hier kann es keine Standardlösung geben. Aber gewisse Grundzüge sollen hier exemplarisch und so konkret wie möglich aufgelistet werden, sozusagen ‚von oben nach unten’. – Die Lösungen lassen sich aus den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen heraus entwickeln, sie gehen in ihrer Funktion aber über ein
solches Mindestprogramm hinaus.

  • Ein erstes Gremium könnte jeweils beraten, aus Menschen zusammengesetzt, die öffentlich beglaubigte Expertise in ihrem Feld und Unabhängigkeit mitbringen. Das sind z. B. Menschen, die einen öffentlich erworbenen Ruf in die Waagschale werfen. Sie müssen keiner breiten Öffentlichkeit bekannt sein, es geht nicht um Prominenz, sondern um Anerkennung.
  • Neben diesen Beratern kann es eine Gruppe von Fachleuten geben, die der Stiftung regelmäßig zuarbeiten und ihr und ihren Zielen verbunden sind. Sie werden praktisch tätig, indem sie z. B. evaluieren und kontrollieren. Transparenz ist auf dieser Ebene also nicht in erster Linie eine finanzielle Frage, sondern eine des Fingerspitzengefühls und der Kompetenz bei der Auswahl und der Ansprache der (inhaltlich für den Stiftungszweck) entscheidenden Personen.
  • Als weitere Maßnahme geht es um eine institutionalisierte Rückkopplung mit den Projekten. In Fachgesprächen und an runden Tischen kommen die Projektverantwortlichen und die Fachleute zusammen und tauschen Meinungen und Rückmeldungen aus. Die Projekte werden so laufend qualitativ bewertet, wo nötig verbessert und aktiv fortgeschrieben.
  • Als letzten Punkt kann man hier vielleicht den Kontakt mit den Projekten auch noch nach der Förderung anführen. Wo immer möglich, wird der anhaltende Austausch fest vereinbart und aktiv aufrechterhalten. Hier kann ein Internet‐Portal, das die Stiftung für ihren Themenbereich aufsetzt, hilfreich und praktisch sein. Auf ihm versammeln sich in einem geschützten Bereich die Experten und die Stipendiaten, in welcher Form auch immer diese gefördert wurden. Die Transparenz, von der Stiftung als strategische, hoch angesiedelte Aufgabe erkannt, wird in diesem offenen Austausch über das Themenfeld praktisch, lebendig, anschaulich!

Quelle: Karl‐Heinz Heinemann, Stiften gehen. Nicht nur die Bertelsmann‐Stiftung hat ein Legitimationsproblem, in: Pädagogik Heft 2/2011, S. 48‐51.

Oliver Ramonat ist Gründer und Inhaber einer Kommunikationsagentur in Frankfurt am Main (www.ramonatkom.de).