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Firmen ernten mit Selbstverpflichtung zur Frauenförderung Kritik

Deutschlands Großkonzerne sind mit ihrer neuen Selbstverpflichtung zur Frauenförderung in ihren Führungsetagen auf harsche Kritik gestoßen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) machte am Montag deutlich, dass sie weiterhin eine gesetzliche Quote befürwortet. Auch SPD und Grüne forderten erneut ein Gesetz, um die Zahl der Frauen nicht nur im Management, sondern auch in Vorständen und Aufsichtsräten zu erhöhen.

Berlin > Deutschlands Großkonzerne sind mit ihrer neuen Selbstverpflichtung zur Frauenförderung in ihren Führungsetagen auf harsche Kritik gestoßen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) machte am Montag deutlich, dass sie weiterhin eine gesetzliche Quote befürwortet. Auch SPD und Grüne forderten erneut ein Gesetz, um die Zahl der Frauen nicht nur im Management, sondern auch in Vorständen und Aufsichtsräten zu erhöhen.

Die Personalvorstände der 30 größten börsennotierten Konzerne stellten die freiwillige Selbstverpflichtung am Montag bei einem Spitzentreffen mit von der Leyen und Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) vor. Sie wollen die Zahl der Frauen im Management je nach Firma unterschiedlich stark erhöhen, und das in unterschiedlichen Zeiträumen. Die Ziele reichen von elf Prozent (obere Führungsebene bei VW) bis 35 Prozent bei Adidas, die Zeiträume von Ende 2013 bis Ende 2020.

Dass diese Auflistung keine einzige einstellige Zielvorgabe enthalte, sei der beste Beweis dafür, dass die Kombination aus “Freiheit, Verpflichtung und Verantwortung” funktioniere, sagte Frauenministerin Kristina Schröder (CDU). “Die Unternehmen haben sich ambitionierte Ziele gesetzt, zu denen sie auch öffentlich stehen können”, lobte Schröder. Dies sei “mehr, als sich in den letzten zehn Jahren zum Thema Frauen in Führungspositionen getan hat”. Sie lehne eine Einheitsquote ab, betonte Schröder. Dafür seien die Branchen zu unterschiedlich.

Arbeitsministerin von der Leyen zollte den Personalvorständen zwar Respekt. Sie hätten “Knochenarbeit” geleistet, um die Chefs davon zu überzeugen, “dass sich dramatisch was ändern muss”. Sie hätte allerdings gewünscht, “dass nicht Äpfel mit Birnen mit Mandarinen verglichen werden”, kritisierte sie und verlangte “eine klare Antwort”, wie es in den Vorständen und in den Aufsichtsräten weitergehe. Eine Quote von 3,7 Prozent Frauen in den Vorständen der Großkonzerne sei “eine unterirdische Zahl”. Von der Leyen fordert eine gesetzlich verankerte Frauenquote von 30 Prozent in allen Großunternehmen bis 2018.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles erklärte, Schröder lasse sich abspeisen mit vagen Ankündigungen und Versprechen. “Wir brauchen in Deutschland dringend eine gesetzliche Regelung zur Quote.” Auch Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) kritisierte, die Unternehmen wollten sich mindestens bis 2020 Zeit lassen. Eine freiwillige Selbstverpflichtung bringe Deutschland nicht weiter. Auch die CDU-Frauenunion nannte eine gesetzliche Regelung unverzichtbar. Die freiwilligen Selbstverpflichtungen hätten in den vergangenen zehn Jahren nicht gegriffen.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding sagte der “Bild”-Zeitung, sie hoffe sehr, dass es nicht bei Worten und ein paar Vorzeigefrauen bleibe. Sie drohte erneut mit einer EU-weiten gesetzlichen Frauenquote. Ihr Ziel sei 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten bis 2020.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner hingegen sagte, eine Quote betrachte seine Partei nach wie vor als nicht erforderlich. Für Millionen von Arbeitnehmerinnen sei es wichtiger, Beruf und Familie vereinbaren zu können. Der Branchenverband Bitkom erklärte, hohe gesetzliche Quoten seien in der Hightech-Industrie kurzfristig nicht umzusetzen. Im technischen Bereich fehle die breite Basis an weiblichen Fach- und Führungskräften.