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Demografischer Wandel fordert Kulturwandel: „alte Säcke“ nicht länger out

Bereits in etwa 8 Jahren wird über die Hälfte der BASF-Mitarbeiter in Ludwigshafen 50 Jahre und älter sein. Wie sich ihr Unternehmen darauf vorbereitet und warum sich vor allem die Unternehmenskultur ändern muss, erläuterte die BASF-Personalmanagerin Gudrun Kolbe gestern auf einer praxisnahen Veranstaltung des Unternehmensnetzwerks AGRION.

Frankfurt am Main (csr news) > Im Jahr 2020 – also in gut acht Jahren – wird über die Hälfte der BASF-Mitarbeiter in Ludwigshafen 50 Jahre und älter sein. Der demografische Wandel braucht einen Wandel der Unternehmenskultur, darauf wies Gudrun Kolbe, Personalmanagerin der BASF SE, am 19. Oktober bei einer Veranstaltung des Unternehmensnetzwerks AGRION in Frankfurt hin. Bei ihrem früheren Arbeitgeber sei von älteren Kollegen als „alten Säcken“ gesprochen worden, das habe sie abgestoßen. Mit 50 sei ein Arbeitnehmer noch nicht „abgehackt“, seine Karriere sei noch nicht am Ende. Unternehmen brauchten eine Kultur, die ältere Mitarbeiter positiv bewerte und wertschätzend behandle. Kolbe weiter: „Hier muss ein anderes Denken stattfinden.“ Aufgrund jüngerer Bachelor-Studienabgänger und eines heraufgesetzten Rentenalters müssten sich Unternehmen darauf einstellen, dass in Zukunft mehr Generationen miteinander arbeiten werden als bisher.

Internationale Personalgewinnung als Chance?

Angesichts der weltweit unterschiedlichen demografischen Entwicklung wird die weltweite Personalgewinnung immer wichtiger: Während Deutschland seit 1973 mehr Sterbefälle als Geburten verzeichnet, steigt die Zahl der Geburten und der wissenschaftliche qualifizierten jungen Menschen in Indien, China und vielen anderen Ländern deutlich. Bei der BASF arbeitet ein Drittel der weltweit über 100.000 Mitarbeiter in Ludwigshafen. In ihrem Unternehmen gebe es eine internationale Harmonisierung von Anforderungen und Kompetenzen, Bewerbungen für Standorte innerhalb Europas würden durch ein europäisches Service-Center koordiniert, aber Pläne für eine Rekrutierung junger Menschen aus Asien für Standorte in Deutschland gebe es nicht, sagte Kolbe.

Die Nach-Babybommer denken anders

Derzeit seien viele Positionen im Unternehmen von der Generation der „Babyboomer“ besetzt; Deutschland erlebte 1964 seine höchste Geburtsrate. Diese Generation sei besonders leistungsorientiert. AngeBeisichts der Diskussion über das Thema Burnout falle den Babyboomern es nicht leicht, ihren Einsatz zurückzufahren. Die nachfolgende Generation stelle dagegen höhere Anforderungen an die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit, suche spannende Arbeitsaufträge und lege größeren Wert auf flexible Beschäftigungsverhältnisse. Darauf müssten Unternehmen reagieren, um jüngere Mitarbeiter zu gewinnen und im Unternehmen zu behalten. Wenn heute Mitarbeiter in Teilzeit keine Chance auf eine Karriere hätten, müsse das überdacht werden.

Generations@Work

Die BASF beobachtet die demografische Zusammensetzung der Belegschaft in ihren 260 Unternehmenseinheiten mit einem Risikoportfolio, bereitet ihre Führungskräfte auf den Umgang mit einer älter werdenden Belegschaft vor und will ihren Mitarbeitern helfen, bis zum Rentenalter körperlich und geistig fit zu bleiben. Zu dem 2006 begonnenen Programm Generations@Work gehören Anreize für ein lebenslanges Lernen wie etwa ein Lernzentrum ebenso wie die Tätigkeit von 20 Betriebsärzten, die Gesundheitsprophylaxe anbieten.

Weitere Informationen zu Generations@Work im Internet.

Das Unternehmensnetzwerk AGRION im Internet.