Nachrichten

Deutschland liegt bei Teilzeit-Arbeit über dem EU-Durchschnitt

In Deutschland arbeiten deutlich mehr Menschen in Teilzeit als im europäischen Durchschnitt. Von 2000 bis 2010 nahm die Zahl der Teilzeit-Jobber hierzulande um 43 Prozent zu. Noch immer überwiegen laut Studie die Frauen, von denen 45 Prozent in Teilzeit arbeiten. Bei den Männern verdoppelte sich der Anteil in zehn Jahren aber von fünf auf zehn Prozent aller erwerbstätigen Männer.

Berlin (afp) > In Deutschland arbeiten deutlich mehr Menschen in Teilzeit als im europäischen Durchschnitt. Von 2000 bis 2010 nahm die Zahl der Teilzeit-Jobber hierzulande um 43 Prozent zu, wie eine am Mittwoch in Berlin veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergab. Dabei würden etwa zwei Millionen Teilzeit-Beschäftigte viel lieber Vollzeit arbeiten.

In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland stetig zu und lag zuletzt – je nach statistischer Betrachtungsweise – zwischen rund 40 Millionen und gut 41 Millionen Erwerbstätigen. Wie das DIW ermittelte, nahm die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland aber im gleichen Zeitraum nicht weiter zu, sondern es teilten sich mehr Arbeitnehmer die gleiche Zahl Arbeitsstunden. So verringerte sich demnach die Zahl der Vollzeit-Beschäftigten um 700.000, während die Zahl der Teilzeit-Arbeitnehmer um mehr als drei Millionen auf über zehn Millionen zugelegt habe.

Die Bedeutung der Teilzeit-Arbeit nahm der Studie zufolge in ganz Europa zu, in Deutschland fiel der Zuwachs aber besonders deutlich aus. So erhöhte sich der Anteil der Teilzeit-Arbeiter innerhalb der vergangenen zehn Jahre im europäischen Durchschnitt von 16 auf 19 Prozent, in Deutschland aber von 19 auf 26 Prozent. Da die Teilzeit-Arbeit auch unabhängig von der konjunkturellen Lage zulegte, handle es sich offenbar um einen grundlegenden strukturellen Wandel.

Die Studie ergab aber auch, dass die erzwungene Teilzeit-Tätigkeit in Deutschland – also bei Beschäftigten, die eigentlich Vollzeit arbeiten wollen und keine Vollzeit-Stelle finden – unter dem EU-Durchschnitt liegt. 22 Prozent der deutschen Teilzeit-Jobber fanden demnach keine Vollzeit-Stelle – im EU-Schnitt waren dies 27 Prozent.

Die Gründe für die Annahme einer Teilzeit-Beschäftigung sind laut DIW vielfältig und liegen oft im familiären Bereich. Knapp ein Viertel der in Deutschland mit reduzierter Stundenzahl Arbeitenden gab an, dass sie dies wegen der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Erwachsenen tun. Etwa ein Zehntel nannte eine Ausbildung als Grund. Allerdings ist hier das Geschlecht oft Ausschlag gebend: Frauen arbeiteten oft aus familiären Gründen Teilzeit, Männer nutzten die Stundenverkürzung dagegen häufiger für Aus- und Fortbildungen.

Noch immer überwiegen laut Studie die Frauen, von denen 45 Prozent in Teilzeit arbeiten. Bei den Männern verdoppelte sich der Anteil in zehn Jahren aber von fünf auf zehn Prozent aller erwerbstätigen Männer. Neben dem Geschlecht spielt vor allem das Alter eine entscheidende Rolle: Besonders häufig sind in Deutschland Menschen über 55 Jahren teilzeitbeschäftigt. So sind dies in dieser Altersgruppe 15 Prozent aller Männer, in der Altersgruppe der 40- bis 54-jährigen Männer aber nur sechs Prozent. Bei den Frauen hingegen liegt die Teilzeit-Quote mit 52 und 53 Prozent in diesen beiden Altersgruppen gleichauf. Deutlich niedriger liegt die Teilzeit-Quote dagegen in der Gruppe der jüngeren Frauen von 15 bis 39 Jahren, wo 36 Prozent Teilzeit arbeiten.