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Katar: größer, teurer, grüner

Nachhaltigkeit wird auch in den Wüstenstaaten immer populärer. Mit seinem ehrgeizigen Stadterneuerungsprojekt Msheireb sorgt das Emirat Katar für Aufmerksamkeit. Mehr als vier Milliarden Euro werden in der Hauptstadt Doha in ein 31 Hektar großes Areal investiert. Msheireb will beim Thema nachhaltige Stadtentwicklung Maßstäbe setzen. Jawaher Al Khuzaei, Marketing-Managerin von Msheireb Properties, erläuterte csr-news die Hintergründe, Entwicklung und Ziele des Projekts.

Doha/München > Nachhaltigkeit wird auch in den Wüstenstaaten immer populärer. Mit seinem ehrgeizigen Stadterneuerungsprojekt Msheireb sorgt das Emirat Katar für Aufmerksamkeit. Mehr als vier Milliarden Euro werden in der Hauptstadt Doha in ein 31 Hektar großes Areal investiert. Msheireb will beim Thema nachhaltige Stadtentwicklung Maßstäbe setzen. Jawaher Al Khuzaei, Marketing-Managerin von Msheireb Properties, erläuterte CSR NEWS die Hintergründe, Entwicklung und Ziele des Projekts.

Katar ist eine Halbinsel im Nordosten des Persischen Golfs, kleiner als Thüringen aber eine der wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt. Das Emirat verfügt über riesige Erdöl- und nahezu unerschöpfliche Erdgasvorkommen. Al Khuzaei: „Wir haben das Glück mit unglaublichen natürlichen Ressourcen gesegnet zu sein, das bedeutet aber nicht, dass wir das Recht haben diese zu verschwenden“. Um auch in der Zukunft Wachstum und Wohlstand zu sichern, wurde die nationale „Vision 2030“ entwickelt. Danach will sich Katar zu einer diversifizierten, wissensbasierten Wirtschaft entwickeln, Modernisierung vorantreiben aber gleichzeitig Traditionelles bewahren, Solidarität und Gerechtigkeit in der Gesellschaft verankern und dies alles unter den Vorzeichen der Nachhaltigkeit entwickeln. Al Khuzaei: „Msheireb und die Erneuerung der Hauptstadt Doha sind integraler Bestandteil dieser Vision“.

Die Idee einer städtebaulichen Erneuerung im Herzen Dohas stammt von Sheika Moza Bint Nasser, Gattin des Emirs Sheikh Hamad Bin Khalifa Al Thani. 2009 wurde Msheireb Properties beauftragt, das weltweit erste nachhaltige Stadterneuerungsprojekt in einer Metropole zu entwickeln. Das Ziel: Bis 2016 ein Stadtviertel im Zentrum Dohas unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten zu modernisieren, eine Alternative zu den Bausünden der Vergangenheit, der in den Golfstaaten typischen Wolkenkratzerarchitektur aus Beton und Glas. Eine eigene Architektursprache soll modernes, nachhaltiges Design und traditionelle Prinzipien des Hausbaus zusammenführen. Beispielsweise werden die Straßen mit einer Nord-Süd-Orientierung geplant, um kühlere Luft vom Meer direkt ins Stadtzentrum zu leiten. Zudem wird mit innovativen Kühlsystemen der Verbrauch von Frischwasser reduziert und rund 80 Prozent des Mülls werden durch modernste Recyclingsysteme verarbeitet. Al Khuzaei: „Unser Schwerpunkt liegt jedoch auf der Energieeffizienz. Msheireb wird die höchste Dichte LEED-zertifizierter Gebäude in einer Stadt haben. Dazu installieren wir unter anderem Sonnenkollektoren um 75 Prozent der Warmwasseraufbereitung abzudecken und richten die Gebäude nach optimaler Sonneneinstrahlung aus“. Insgesamt sollen 100 neue Gebäude entstehen, neben Wohn- und Geschäftshäusern zudem Hotels, Kultureinrichtungen, eine Schule sowie eine Moschee. Die erste Bauphase wird nächstes Jahr abgeschlossen sein, das gesamte Projekt dann 2016.

Msheireb Properties plant aber schon über das Stadterneuerungsprojekt in Doha hinaus. Al Khuzaei: „Im Moment liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit in Doha. Das hier gesammelte Wissen und die Erfahrungen ermöglichen uns aber weitere Projekte zu realisieren, vor allem solche mit einem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Die Entwicklung Katars zu einer nachhaltigen Wirtschaft steht erst am Anfang. Wir hoffen, ein bedeutender Teil der weiteren Entwicklung zu sein“. Weitere Ansätze nachhaltiger Städteplanung erarbeitet Msheireb derzeit zusammen mit der Harvard Unibersity Graduate School of Design. Im Sommer 2022 richtet dann die Fußballwelt ihren Blick auf Katar, man darf gespannt sein, wie sich das Emirat auch abseits der Stadien präsentiert.