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Jenseits des Spiels: Burgthanner Dialoge zur Rolle des sozialen Engagements von Uschi Glas

Als DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger anlässlich der Burgthanner Dialoge über Wertevermittlung und „Nachhaltigkeit“ im Fußball referierte, ist vielen der Anwesenden zum ersten Mal wirklich bewusst geworden, was das viel zitierte Wort konkret bedeutet. Um in die Gesellschaft hineinzuwirken und Menschen persönlich zu berühren, braucht es Leidenschaft und Vermittlung auf Augenhöhe.

Von Dr. Alexandra Hildebrandt, DFB-Nachhaltigkeitsbeauftragte

Als DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger im vergangenen Jahr anlässlich der Burgthanner Dialoge über Wertevermittlung und „Nachhaltigkeit“ im Fußball referierte, ist vielen der Anwesenden zum ersten Mal wirklich bewusst geworden, was das viel zitierte Wort konkret bedeutet. Um in die Gesellschaft hineinzuwirken und Menschen persönlich zu berühren, braucht es Leidenschaft und Vermittlung auf Augenhöhe.

Wer in der Öffentlichkeit steht, hat andere, „nachhaltigere“ Möglichkeiten, seine gesellschaftliche Rolle und Vorbildwirkung zu nutzen, um Dinge positiv zu verändern. Das gilt gleichermaßen für Schauspielerei und Fußball: In beiden (Spiel-)Welten geht es nicht selten höchst emotional zu, ist der Bauch als Entscheidungshilfe zuweilen eine feste Größe. Beide Welten sind begrenzt und überschaubar, dauern in der Regel 90 oder 120 Minuten und haben den großen Vorteil, dass sich viele Menschen dafür interessieren und alle sozialen Schichten erreicht werden. Auch lassen sich Schauspielerei und Fußball gesellschaftlich nutzen, um „einfache Botschaften über den Umgang miteinander zu transportieren“, so der DFB-Präsident.

Dass die Schauspielerin Uschi Glas in diesem Jahr bei den Burgthanner Dialogen sozusagen als Nachfolgerin von Dr. Theo Zwanziger als Ehrengast spricht, ist kein Zufall. Was sie mit ihm verbindet, ist neben ihrem gesellschaftlichen Engagement ihre Bodenständigkeit, Unvoreingenommenheit, Geradlinigkeit und Dynamik, die sich auch in der Sprache zeigt – beide suchen stets den direkten Weg durch das rhetorische Mittelfeld. Ihre Persönlichkeit steht für einen großen Teil ihrer Wirkung.

Die Hauptredner der Burgthanner Dialoge zeichnen sich durch ihren besonderen „Charakter“ aus. Das griechische Wort bedeutet soviel wie „geprägt“ oder „gezeichnet“ – von Klarheit, Ausstrahlung und einem Herzen, das nicht zuletzt durch die eigene Lebensgeschichte offen gehalten wird.

So haben die Eltern und Großeltern Uschi Glas gelehrt, bescheiden zu sein und durchzuhalten – egal, was im Leben geschieht. In ihrer Biographie „Mit einem Lächeln“ schreibt sie: „Bei jedem Schritt hinauf wurde die Leiter ein wenig länger, und ich konnte abschätzen, ob sie tragen würde, ob ich sie wirklich immer weiter verlängern sollte oder ob mir nicht irgendwann einfach schwindlig würde und ich abzustürzen drohte, wenn ich mich umdrehte und hinuntersah. Wo ging ich hin? – Ich achtete darauf, die Bodenhaftung nicht zu verlieren.“

Bodenständigkeit zeichnet auch ihren Vorredner Dr. Theo Zwanziger aus, der immer wieder betont, wie wichtig es ist zu wissen, wo man herkommt und wo man hingehört. Heimatverbundenheit ist die Klammer, die das eigene Leben zusammenhält. Für ihn ist es die Region Mittelrhein: „Sich für seine Heimat zu engagieren, heißt auch, sie bekannt zu machen. Dabei muss man manchmal über den Tellerrand hinausschauen.“

Das ist auch der Anspruch der Burgthanner Dialoge: Die fränkische Gemeinde lädt einmal im Jahr zu einer überregionalen Veranstaltung ein, die Unternehmensthemen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet und dadurch Nachhaltigkeit sichtbar macht, indem Geschichten hinter Fakten und Zahlen gezeigt werden. Bekannte und unbekannte Unternehmerinnen und Unternehmer aus ganz Deutschland präsentieren Beispiele aus der Praxis. Ein prominenter Ehrengast, der über Jahrzehnte für Glaubwürdigkeit steht und eine gesellschaftliche Vorbildwirkung hat, jedoch nicht aus der Wirtschaft kommt, führt in das jeweilige Thema ein. Die diesjährigen Burgthanner Dialoge stehen unter dem Motto: „Made in Germany? Wa(h)re Erfolge“.

Die Verbindung zu Uschi Glas ist auch hier offensichtlich: Als Hubert Burda Herausgeber der Bunten war, prägte er den Begriff „Uschi nationale“, eine Art „Markenetikett“, das sie seither trägt. „Der Clou war, dass er auf die Idee kam, ein Titelbild der Bunten mit mir zu machen, eingewickelt in die deutsche Fahne – „Uschi nationale“ eben. Das war zur Zeit des Riesenerfolgs meiner Serie Anna Maria. … Wir machten aus der Flagge eine Art Minikleid, das kurz und knapp in Schwarz-Rot-Gold um mich herum drapiert war. So prangte ich im November 1994 auf der Bunten, und als Unterzeile war zu lesen: ‚Warum die Deutschen sie so lieben. Die Rückkehr der Mutter-Frau‘“. „Uschi nationale“ ist seither ein Markenzeichen von ihr.

An starken Marken scheidet sich das Gewöhnliche vom Ungewöhnlichen, Vertrauenswürdige und Qualitative vom Marktschreierischen. Am Beispiel der Schauspielerin Uschi Glas zeigt sich, dass Marken neben klaren und sinnstiftenden Botschaften auch eine nachhaltige Substanz brauchen. Fehlt beides, laufen sie Gefahr, nicht zu den Menschen durchzudringen, weil solchen Ansätzen die Kontinuität fehlt und Sinnvermittlung dort simuliert wird, wo nichts ist außer einer aufgesetzten Botschaft. Das gilt nicht nur für Sport und Wirtschaft, sondern auch für die Kultur. Das, was die Marke Uschi Glas auszeichnet, ist ihre Glaubwürdigkeit und ihr gesellschaftliches Engagement über Jahrzehnte.

1997 erhielt sie den Großen Goldenen Gong, der ihr mit dem Zusatz überreicht wurde: „Uschi Glas – Quotenqueen mit Zivilcourage“. Ihre Selbständigkeit und Freiheit verstand sie immer auch als eine Möglichkeit, anderen etwas geben zu können: „Etwas zurückgeben zu können kommt mir wie ein Geschenk für mich selbst vor. Auch das ist das Schöne an der Unabhängigkeit: dass man selbst entscheiden kann, wo man helfen möchte.“ Der langsame Tod ihres Vaters und die eigene Hilflosigkeit waren zum Beispiel die Auslöser, sich für die Deutsche Hospiz Stiftung mit ganzer Leidenschaft einzusetzen.

Neben den SOS-Kinderdörfern, Kinderschutz e.V. oder dem Freundeskreis von “Shimon Peres Center for Peace e.V. – Deutschland” engagiert sie sich vor allem im Bildungsbereich. Dabei geht es ihr um vorausschauende Maßnahmen und Investitionen in eine präventive Sozial-, Bildungs- und Gesundheitspolitik: „Mit den Förderangeboten von brotZeit e. V. wird eine einmalige Verbindung von sozialer Kinderbetreuung und aktiver Seniorenförderung praktiziert. Kinder aus einem schwierigen sozialen Umfeld werden zu ausgewogener Ernährung erzogen und dabei von aktiven Senioren, die ihre Erfahrung und ihr Wissen an die Kinder weitergeben, unterstützt. Sie helfen ihnen bei der Vorbereitung und Ausgabe des Frühstücks, bei den Hausaufgaben- und Betreuungsstunden, bei der gezielten Förderung von Schwachstellen, aber auch bei der Freizeitgestaltung wie Sport und Kultur“, so Uschi Glas. Die Verbindung von „Brot“ und „Zeit“ führt auch zu einem verbesserten Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler.

Wie „Uschi nationale“ steht auch die „Marke“ Fußball für Glaubwürdigkeit, Integration, Kreativität, Leidenschaft, Leistung, Motivation, Mut, Respekt, Willensstärke, Verantwortung, Vertrauen, Zuverlässigkeit und Toleranz, um nur einige Merkmale zu nennen. Doch “Fußball ist mehr als 1:0”. Mit Recht sagte Egidius Braun, der diesen Satz geprägt hat, dass wir uns nicht darauf beschränken sollten, „unseren Kindern den sauberen Spannstoß und den wuchtigen Kopfball zu lehren“ – dann machen wir einen immensen Fehler. Fußball ist auch Kultur. Das ist das Verbindende zur Schauspielerei – zumal im Begriff der Kultur die Idee der Nachhaltigkeit steckt. Im ursprünglichen Sinn geht es um die Bewirtschaftung des Bodens; im heutigen umfassenden Begriff stehen die Pflege und Bildung des Geistes und der Persönlichkeit im Mittelpunkt, die Menschen in die Lage versetzen kann, reflektiert und eigenverantwortlich an der Gestaltung der Gesellschaft teilzuhaben. Dazu braucht es Vorbilder, Menschen wie Uschi Glas und Dr. Theo Zwanziger, die durch ihr lebendiges Wort und Wesen der Nachhaltigkeit ein unverwechselbares Gesicht geben.

Das Engagement von Uschi Glas im Internet:
www.brotzeitfuerkinder.de

Die Burgthanner Dialoge im Internet:
www.burgthanner-dialoge.de