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Sommer warnt G-20 vor Jugendarbeitslosigkeit als sozialer Zeitbombe

Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hat vor dem G-20-Gipfel in Cannes vor den sozialen Auswirkungen der Finanz- und Schuldenkrise gewarnt. „Die Jugendarbeitslosigkeit ist eine soziale Zeitbombe“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer. In Frankreich seien 26 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Arbeit, in Spanien fast 45 Prozent, in den USA liege die Quote bei 20 Prozent.

Berlin > Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hat vor dem G-20-Gipfel in Cannes vor den sozialen Auswirkungen der Finanz- und Schuldenkrise gewarnt. „Die Jugendarbeitslosigkeit ist eine soziale Zeitbombe“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, in seiner Funktion als IGB-Chef im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. In Frankreich seien 26 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Arbeit, in Spanien fast 45 Prozent, in den USA liege die Quote bei 20 Prozent. Mittlerweile stünden die G-20 vor einem ausgewachsenen Beschäftigungsnotstand, der nicht nur die Konjunkturerholung gefährde, sondern auch die soziale Stabilität.

„Um das Beschäftigungsniveau von vor der Krise zu erreichen, brauchen wir jedes Jahr 20 Millionen Jobs“, sagte Sommer. Für die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) sei die Schaffung neuer Arbeitsplätze ein „riesiges Problem“. Viele Länder stellten sich die Frage: „Wie schnell kriegt man Jugendliche in Arbeit“, erklärte Sommer und verwies auf Südafrika, wo zwischen Schulabschluss und Arbeitsantritt im Schnitt zehn Jahre lägen. „Einen echten Job kriegen die jahrelang nicht, mit allen Folgen.“ In anderen G-20-Ländern wie Argentinien und Brasilien sei die Situation inzwischen etwas besser geworden.

Lösungen für mehr Beschäftigung könne die Task Force zum Thema Jugendarbeitslosigkeit liefern, auf die sich die G-20-Arbeitsminister im September geeinigt hatten. „Wir haben es erreicht, dass es eine gemeinsame Arbeitsgruppe zur Beschäftigung gibt“, betonte IGB-Chef Sommer. Er werde Deutschlands duales System mit der Kombination von schulischer und betrieblicher Ausbildung in die Debatte einbringen.

Der IGB-Chef würdigte die Bemühungen der französischen G-20-Präsidentschaft um einen Dialog mit den Arbeitnehmervertretern. Seiner Einschätzung nach wolle die französische Regierung in Cannes deutlich machen, dass es „neben der Frage der Stabilisierung der Finanzmärkte auch die Notwendigkeit einer sozialen Stabilisierung der Gesellschaft“ gebe, sagte Sommer. Die Abschlusserklärung des Gipfels werde regelmäßige Konsultationen der Staats- und Regierungschefs sowohl mit Arbeitgebern als auch mit Arbeitnehmern festschreiben.

„Wir haben dieses Jahr etwas erreicht, mit Hilfe der deutschen und französischen Regierung, was wir vor vier Jahren noch für unmöglich gehalten haben“, lobte Sommer. Die Gewerkschaften seien weltweit zu anerkannten Verhandlungspartnern geworden – „für einige Gewerkschaftskollegen der Dritten Welt eine nahezu unvorstellbare Situation“.