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CSR-Software Teil 3: Die Lieferkette nachhaltig im Griff

Wenn Selbstmorde chinesischer Arbeiter die Agenda eines Markenherstellers bestimmen, zeigt sich, die Welt der Wirtschaft ist längst ein Dorf. Vorgänge wie die beim Apple-Zulieferer Foxconn landen immer wieder in den Schlagzeilen und sind für Unternehmen nicht nur unangenehm, sondern können zu schmerzhaften Einbußen im Geschäft und einem nachhaltig beschädigten Image führen. Die heutige globalisierte Welt ist so arbeitsteilig wie nie zuvor, die Anforderungen an das Lieferantenmanagement zunehmend komplex.

Köln > Wenn Selbstmorde chinesischer Arbeiter die Agenda eines Markenherstellers bestimmen, zeigt sich, die Welt der Wirtschaft ist längst ein Dorf. Vorgänge wie die beim Apple-Zulieferer Foxconn landen immer wieder in den Schlagzeilen und sind für Unternehmen nicht nur unangenehm, sondern können zu schmerzhaften Einbußen im Geschäft und einem nachhaltig beschädigten Image führen. Die heutige globalisierte Welt ist so arbeitsteilig wie nie zuvor. Kaum ein Produkt aus europäischer Herstellung kommt vollständig ohne Zulieferung aus anderen Teilen der Welt aus. In vielen Bereichen ist gar die komplette Produktion längst ausgelagert und in den europäischen Zentralen sitzen nur noch Management, Produktentwicklung und Vertrieb. Die Anforderungen an das Lieferantenmanagement sind inzwischen von nie gekannter Komplexität. Nicht mehr nur Qualität, Zuverlässigkeit und Preis sind relevante Parameter, inzwischen gehören ebenso ökologische und soziale Aspekte dazu und zwar entlang der gesamten Lieferkette. Bei vielen Unternehmen ist schon die Liste der Lieferanten lang, werden nun auch Subunternehmer und Vorlieferanten bewertet, entsteht eine hoch komplexe Aufgabe die ohne Software und Dienstleister kaum zu bewältigen ist. Notwendig ist sie dennoch, denn auch Fehltritte eines nachrangigen Produzenten fallen im Zweifel auf das eigen Unternehmen oder Produkt zurück. Dies ist umso tragischer, weil nur ein Vorfall die monatelange Arbeit der CSR-Abteilung vernichten kann.

Entsprechend verfügen nahezu alle größeren Unternehmen in Deutschland über ein Supply Chain Management mit unterschiedlich ausgeprägten Nachhaltigkeitsaspekten in den einzelnen Wirtschaftszweigen. Unternehmenseigene oder branchenbezogene Verhaltenkodizes, sogenannte Codes of Conducts, kommen am häufigsten zum Einsatz um die eigenen Anforderungen an die Lieferanten zu kommunizieren. Für ein stabiles Nachhaltigkeitsmanagement reicht dies allerdings nicht aus. Die Nachhaltigkeitsleistungen der Lieferanten bedürfen einer regelmäßigen Aktualisierung, einer Überwachung unter anderem durch Audits und einer Risikoeinstufung. Softwarelösungen müssen diese Bereiche abdecken und Schwachstellen aufzeigen. Neben der internen Lieferantenbewertung werden betriebsübergreifende, branchenweite Bewertungen unerlässlich. Dies spart Kosten, Zeit und entlastet die Lieferbetriebe, die nicht mehr duzende Bewertungen über sich ergehen lassen müssen. Ein Beispiel ist die Business Social Compliance Initiative (BSCI). Die BSCI setzt sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der globalen Lieferkette ein. Es werden Audits in den Lieferbetrieben durchgeführt, bislang über 20.000, und falls erforderlich Korrekturmaßnahmen eingeleitet. Zudem werden in den Betrieben Schulungen durchgeführt, um die Sensibilität für bestimmte Themen zu erhöhen und das erforderliche Wissen zu vermitteln. Das System zeigt Erfolge: Im vergangenen Jahr waren 28 Prozent der untersuchten Betriebe nach dem ersten Audit BSCI-konform. Nach einem Re-Audit stieg die Anzahl schon auf 51 Prozent. Das BSCI empfiehlt den erfolgreichen Lieferanten darüber hinaus eine Zertifizierung nach dem Sozialmanagementstandard SA8000. Ähnliche Bestrebungen gibt es auch beim Klimaschutz. Mehr als 70 Prozent der global agierenden Unternehmen lassen ihre CO2-Emissionen inzwischen von externen Anbietern überprüfen und fordern dies zunehmend von ihren Lieferanten.

Entscheidend für ein funktionierendes Sustainable Supply Change Management ist die Integration im Kerngeschäft des Unternehmens, dies gilt gleichermaßen für die eingesetzte Software. In der Praxis wird die Bewertung der Lieferbeziehungen ein höchst individuelles Verfahren bleiben, auch wenn externe Kooperationen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus werden Probleme in der Lieferkette häufiger gemeinsam mit den Lieferanten behoben. Die Praxis der Vertragskündigung bei einem Verstoß gegen den Code of Conduct hat sich als nicht praktikabel erwiesen. Lieferanten muss demnach ein Risikoprofil zugeordnet werden. Die ist unter anderem auch von der strategischen Bedeutung abhängig.

Kooperationsinitiativen:

– Business Social Compliance Initiative (BSCI)

– Suppliers Ethical Data Exchange (SEDEX)

– Electronic Tools for Accountable Supply Chains (E-TASC)

– Global Action Network for Transparency in the Supply Chain

– UTZ Certified

Liste mit Anbietern von Softwarelösungen im CSR-Magazin – Ausgabe 3/2011.

Weitere Artikel aus der Reihe:

CSR-Software Teil 1: Nachhaltigkeit im Handel – Software kann helfen

CSR-Software Teil 2: Nachhaltigkeitsmanagement mit der Sustainability Balanced Scorecard

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