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Auf dem Weg zum globalen Nachhaltigkeitsstandard für Events

In der Eventbranche steht kaum ein Thema derzeit häufiger auf dem Programm von Meetings, Gremien und Initiativen – national wie international als CSR. Das ist kaum verwunderlich, denn gerade die Live Kommunikation hat seit jeher entscheidenden Einfluss auf das Image und die Meinungsbildung über ein Unternehmen.

Berlin > „Corporate Social Responsiblity“ oder kurz „CSR“: So heißt das „Zauberwort“, das die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen umschreibt – und eine zunehmend größere Bedeutung im Markt bekommt. Zahlreiche Unternehmen stellen derzeit fest, dass das verantwortungsbewusste Wirtschaften und dessen ehrliche Darstellung in der Öffentlichkeit zum entscheidenden Erfolgskriterium werden. Immer mehr Kunden wollen wissen: Wie nachhaltig ist das Produkt oder die Dienstleistung, in die ich investiere?

Ein Gastbeitrag von Gerrit Jessen, MCI Deutschland GmbH

Eine aktuelle Studie der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte unterstreicht diese Entwicklung. Sie stellt zahlreiche Faktoren heraus, die dafür sorgen werden, dass das Thema CSR in Unternehmen zukünftig noch mehr ins Rampenlicht rückt. Ob immer knappere Rohstoff-Ressourcen, die weltweite Kohlendioxid-Steuer oder einfach nur die klassischen unternehmerischen Faktoren wie Imageverbesserung, Wettbewerbsdifferenzierung und Kostenoptimierung: Es gibt für Unternehmen zahlreiche gute Gründe für eine konsequente CSR.

CSR hat enorme Bedeutung für Eventwirtschaft.

Das gilt natürlich auch für die Eventbranche. Hier sind Begriffe wie CSR und Nachhaltigkeit aktueller denn je. Kaum ein Thema steht derzeit häufiger auf dem Programm von Meetings, Gremien und Initiativen – national wie international. Das ist kaum verwunderlich, denn gerade die Live Kommunikation hat seit jeher entscheidenden Einfluss auf das Image und die Meinungsbildung über ein Unternehmen. Wer jedoch mit dem Begriff CSR in diesem Zusammenhang ausschließlich den reinen „Umweltschutz“ bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen verbindet, greift viel zu kurz. Vielmehr berücksichtigt ein ganzheitlicher CSR-Ansatz zwei weitere wichtige Dimensionen: Ökonomie und Soziales. Das bedeutet: Auch das menschliche Wohlbefinden sowie der effiziente Einsatz finanzieller Mittel unter Berücksichtigung des wirtschaftlichen Umfeldes spielen eine zentrale Rolle.

Keine verbindlichen Standards in der Praxis.

Soweit die Theorie: Aber wie sieht es in der Praxis aus? Kurz gesagt: Bis auf einige Ausnahmen derzeit sehr dürftig. Es existieren bisher keine einheitlichen Richtlinien, konsequente Nachhaltigkeitsstrategien bei der Konzeption und Umsetzung von Events sind Mangelware, beliebige individuelle Definitionen sind an der Tagesordnung. Reicht es beispielsweise schon aus, bei einer Veranstaltung regionale Speisen zu servieren, um sich das Prädikat „nachhaltig“ oder „green“ verleihen zu dürfen? Wohl kaum. Ein international gültiger Ansatz bzw. ein unabhängiger und überprüfbarer Standard, der über die bisherige punktuelle Bearbeitung des Themas hinausgeht, ist daher dringend notwendig. Nicht zuletzt auch, um das immer wieder zu beobachtende Auseinanderdriften von proklamiertem Nachhaltigkeitsanspruch einerseits und fehlender Umsetzung andererseits – das so genannte „Greenwashing“ – einzudämmen.

Ein Standard als Heilsbringer?

Was es also braucht, ist ein Standard: Einen Standard einzuführen heißt, einen Prozess transparent zu machen, zu dokumentieren, zu strukturieren, alle beteiligten internen und externen Interessensgruppen einzubeziehen. All dies schafft allgemeine Verbindlichkeit, Sicherheit und Vertrauen. Übertragen auf das Thema CSR eröffnet ein solcher Standard für die Eventbranche die Möglichkeit, Prozesse zu systematisieren, Ressourcen nachhaltiger einzusetzen und Kosten einzusparen. Nicht zuletzt hilft ein verbindlicher Standard Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen für Veranstaltungen in der Praxis objektiv nachprüfbar zu gestalten.

Von der BS 8901 zur ISO 20121.

Der einzige bisher existierende Standard für nachhaltiges Eventmanagement war und ist die 2007 vom Britisch Standards Institute (BSI) herausgegebene BS 8901. Diese wurde ursprünglich mit dem Ziel initiiert, einen Nachhaltigkeitsstandard für die Olympischen Spiele 2012 in London zu entwickeln. Die Norm zielt dabei nicht nur auf die Schonung der Umwelt, sondern inkludiert auch die soziale und ökonomische Nachhaltigkeit einer Veranstaltung. Basierend darauf und unter Berücksichtigung der aktuellen Praxiserfahrungen mit der BS 8901 wird derzeit gemeinsam mit der ISO (International Organisation for Standardization) eine weltweit gültige Norm für nachhaltiges Eventmanagement entwickelt – die ISO 20121.

Die ISO 20121 im Überblick.

Die ISO 20121 ist ein Management-System für die nachhaltige Organisation und Durchführung von Veranstaltungen – von Kongressen und Tagungen über Ausstellungen bis hin zu Sportwettkämpfen und Konzerten. Sie bezieht dabei nicht nur den Event-Organisator, sondern auch Zulieferer, Kunden und alle Beteiligten mit ein. Betrachtet wird die gesamte Wertschöpfungskette einer Veranstaltung – zum Beispiel die Nachhaltigkeit beim Betrieb eines Veranstaltungsortes, bei der Auswahl der Transportmittel sowie bei der gesamten Kommunikation. Rund 30 Staaten unterstützen aktiv oder als Beobachter den Ausschuss „ISO/PC 250“, der die neue Norm erarbeitet. Auch in Deutschland trifft sich in regelmäßigen Abständen ein Spiegelausschuss, bei dem führende Vertreter aus der Eventbranche – darunter als einziger Agenturvertreter MCI – zusammenkommen, um die Ergebnisse des internationalen Ausschusses zu diskutieren bzw. zu ratifizieren.

Management-System bietet zahlreiche Vorteile für Unternehmen.

Welche Vorteile wird die ISO 20121 für die Eventbranche in der Praxis bieten? Die neue Norm ermöglicht Unternehmen die Chance, die Live Kommunikation systematisch in das ganzheitliche Nachhaltigkeitsmanagement einzubeziehen. Das heißt: Ein Unternehmen kann individuell und zugeschnitten auf die eigenen Anforderungen Nachhaltigkeitsziele für jede einzelne Veranstaltung definieren, für alle sichtbar umsetzen und im Rahmen des Managementsystems stetig evaluieren, dokumentieren und optimieren. Möglich ist es auch, sich zunächst im Rahmen eines „Pilot-Projekts“ gezielt „kleinere“ Ziele zu setzen und dann nach und nach ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsmanagement zu implementieren. Darüber hinaus kann mit Hilfe der ISO 20121 zukünftig jedes Event zertifiziert werden. Dies kann sowohl in Form einer „Eigen-Zertifizierung“ als auch durch unabhängige Experten geschehen – wobei die externe Zertifizierung natürlich authentischer ist und das Engagement für Nachhaltigkeit auch „objektiv“ unterstreicht. So wird die ISO 20121 zum sichtbarem Qualitätssiegel im Wettbewerb für alle, die es „Ernst meinen“ und Nachhaltigkeit nicht nur predigen, sondern tagtäglich leben und umsetzen.

Ausblick

Nach diesem Einstieg ins Thema CSR bzw. Nachhaltigkeit und in die Norm ISO 20121 geht es in den nächsten Folgen unter anderem um folgende Fragen: Wie lassen sich Nachhaltigkeitsziele in einem Unternehmen konkret definieren? Welche Schritte sind für eine Zertifizierung nach ISO 20121 notwendig? Wie wird der Zertifizierungsprozess konkret ablaufen? Welche Initiativen laufen parallel und unterstützen die Erstellung der ISO 20121?

Über den Autor

Gerrit Jessen ist seit 2008 Geschäftsführer der MCI Deutschland GmbH, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema CSR und Nachhaltigkeit und arbeitet im deutschen Spiegelausschuss zur ISO 20121 mit.
Kontakt zum Autor: gerrit.jessen@mci-group.com

Kommentar

  • In Österreich wurde bereits auf staatlicher Ebene ein eigenes Umweltzeichen für Green Meetings (Konferenzen, Tagungen, aber auch klassische Zwei-Personen-Meetings) erarbeitet: http://www.greenmeetings.umweltzeichen.at/
    Zu den Kriterien zählen neben Umweltthemen z.B. auch Barrierefreiheit, Gender Mainstreaming und Diversity, Fair Trade Produkte, Regionale Kultur- oder Naturangebote im Rahmenprogramm, etc.

    Die Global Reporting Initiative (GRI) entwickelt wiederum ein Sector Supplement mit speziellen Anforderungen an den Nachhaltigkeitsbericht von Eventorganisatoren: http://www.globalreporting.org/ReportingFramework/SectorSupplements/Events/
    Die Schlüsselthemen in diesem Dokument sind:
    * Economic impacts of events
    * Environmental impacts by attendees
    * Knowledge transfer
    * Legacy
    * Sourcing
    * Commissions and gifting
    * Site selection and bidding process
    * Participant and attendee management
    * Food and Beverage
    * Accessibility
    * Inclusivity
    * External partners (e.g. Sponsors, partners, patrons…)

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