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Shell soll eine Milliarde Dollar für Reinigung im Niger-Delta zahlen

Zwei Menschenrechtsgruppen haben den Ölkonzern Shell zur Zahlung von einer Milliarde Euro nach Lecks in Ölpipelines im Niger-Delta aufgefordert. Shell habe nach den Lecks nicht schnell genug gehandelt, begründeten Amnesty International und das Zentrum für Umweltschutz, Menschenrechte und Entwicklung ihre Forderung. Laut dem nigerianischen Shell-Zweig werden derzeit Entschädigungssummen festgelegt.

London > Zwei Menschenrechtsgruppen haben den Ölkonzern Shell zur Zahlung von einer Milliarde Euro nach Lecks in Ölpipelines im Niger-Delta aufgefordert. Shell habe nach den Lecks nicht schnell genug gehandelt, begründeten Amnesty International und das Zentrum für Umweltschutz, Menschenrechte und Entwicklung (CEHRD) am Donnerstag ihre Forderung. Laut dem nigerianischen Shell-Zweig werden derzeit Entschädigungssummen festgelegt.

Der britisch-niederländische Konzern habe vor rund drei Jahren nicht schnell genug reagiert, um die Lecks in den Pipelines im südlichen Staat Ogoniland zu stoppen und die Folgen zu bereinigen, kritisierten die beiden Menschenrechtsgruppen in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. „Es ist Zeit, dass dieser Milliarden-Konzern die Verantwortung übernimmt, aufräumt und die Menschen entschädigt“, erklärte die Amnesty-Spezialistin für Nigeria, Aster van Kregten. Shells Versagen, das Leck rasch zu stoppen und die Schäden zu beseitigen, habe das Leben zehntausender Menschen zerstört.

Demnach strömten 2008 wochenlang tausende Tonnen Öl aus zwei Lecks einer maroden Pipeline im Niger-Delta – ähnlich viel wie bei der Havarie des Öltankers Exxon Valdez 1998. Im Umkreis der Stadt Bodo liegt den Angaben zufolge bis heute die Fischerei brach, und die Nahrung ist knapp.

Die Shell Petroleum Development Company of Nigeria (SPDC) teilte mit, das Unternehmen habe bereits die Verantwortung für die Ölaustritte übernommen, die auf „operationelle Ursachen“ zurückzuführen gewesen seien. Die Verunreinigungen seien zudem „saniert“ worden. An die betroffenen Gemeinden werde eine Entschädigung gezahlt, deren Höhe derzeit von britischen Gerichten festgelegt werde. Zugleich wies der Konzern darauf hin, dass die Reinigung der Ölaustritte „durch fortlaufende Sabotage an Anlagen“ betroffen gewesen sei.

In dem Erdölfördergebiet im Süden Nigerias leben rund 30 Millionen Menschen. Ihre Lebenserwartung liegt bei 40 bis 45 Jahren, im Rest des Landes ist sie zehn Jahre höher. Das westafrikanische Land ist der achtgrößte Ölexporteur der Welt.