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Entwicklungsminister Niebel will Wirtschaft stärker einbinden

Berlin > 50 Jahre nach der Gründung seines Ministeriums hat Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) eine raschere Bekämpfung von Armut und Hunger auf der Welt angemahnt. 1961 habe der erste deutsche Entwicklungsminister Walter Scheel (FDP) das Ziel vorgegeben, die Kluft zwischen Arm und Reich auch im Interesse der weltweiten Sicherheit zu beseitigen, sagte Niebel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Dieses Ziel sei allerdings „noch lange nicht erreicht“. „Und ich bin mir nicht sicher, ob wir noch einmal 50 Jahre Zeit haben“, fügte der Minister hinzu.

Auf den Tag genau 50 Jahre nachdem Scheel zum ersten Entwicklungsminister vereidigt wurde, wird das Jubiläum des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) am Montag mit einem Festakt in Berlin gefeiert, zu dem unter anderem Bundespräsident Christian Wulff erwartet wird.

Die deutsche Entwicklungspolitik habe in den 50 Jahren seit Gründung des BMZ „viele gute Ergebnisse erzielt“, sagte Niebel. Während die Anfangszeit noch vom „Hilfegedanken kolonialer Prägung“ gekennzeichnet gewesen sei, orientiere sie sich mittlerweile an den Realitäten der Globalisierung. „Wir arbeiten nicht mit Taschengeldempfängern zusammen, sondern mit souveränen Staaten, die eigene Interessen haben und eigene Interessen haben dürfen“, sagte Niebel.

Künftig will Niebel vor allem ländliche Räume und die Bildung in armen Ländern fördern. „Wir können nur unterstützen, dass andere etwas bewegen, wir entwickeln kein Land von außen“, sagte der Minister. Um die Ursachen von Armut zu bekämpfen, müssten „eigenständige Wachstumsimpulse“ in den Partnerländern ermöglicht werden. Dabei verwies Niebel erneut auf eine verstärkte Einbindung der deutschen Wirtschaft. Entwicklungsländer könnten nicht nur vom Know-how und den „höheren Umwelt- und Sozialstandards“ deutscher Unternehmen profitieren, sagte er. Deutsche Investitionen verschafften den Partnerländern dringend benötigte Steuereinnahmen und den Menschen ein eigenes Einkommen.