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Die vergessene Katastrophe: Klimawandel schreitet offensichtlich rascher voran denn je

Auf der Agenda der politisch Handelnden ist der Kampf gegen den Klimawandel in den Hintergrund gerückt – ebenso wie in der öffentlichen Wahrnehmung. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban bestimmt die Finanzkrise auf internationaler Ebene die Schlagzeilen. Dabei werden die von den Wissenschaftlern zusammengetragenen Klimadaten immer alarmierender.

Von Benno König

Berlin > Auf der Agenda der politisch Handelnden ist der Kampf gegen den Klimawandel in den Hintergrund gerückt – ebenso wie in der öffentlichen Wahrnehmung. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz ab 28. November im südafrikanischen Durban bestimmt die Finanzkrise auf internationaler Ebene die Schlagzeilen. Dabei werden die von den Wissenschaftlern zusammengetragenen Klimadaten immer alarmierender. Das arktische Meereis schmilzt schneller denn je. Bis Ende des Jahrhunderts wird inzwischen ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter erwartet, mehr als doppelt so viel als noch in den Prognosen des Weltklimarats IPCC erwartet.

Die Welt steuere derzeit auf eine Erwärmung um fünf bis sechs Grad bis Ende des Jahrhunderts zu, warnt der Chef des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber. „Es zeigt sich, dass die Realität die Modelle überholt“, warnt auch der Klimaforscher Stefan Rahmstorf. Er verweist auf Messungen, wonach die Dicke des arktischen Meereises viermal so schnell zurückgeht, wie im Mittelwert der bisherigen Klimamodelle vorhergesagt. Und der IPCC veröffentlichte vergangene Woche einen Sonderbericht, wonach Unwetter und andere Extremereignisse bereits in naher Zukunft dramatisch zunehmen dürften.

Klimaskeptiker mit ihren vor allem in den USA gestreuten Zweifeln, dies alles könnte übertrieben sein, erhielten unterdessen einen schweren Dämpfer. An der kalifornischen Universität von Berkeley war eine Gruppe von Forschern unter Leitung des renommierten Physikers Richard Muller angetreten, um vermeintlichen methodischen Schwächen der IPCC-Analysen auf den Grund zu gehen. Daher wählten Muller und seine Mitstreiter in dem unter anderem von der US-Ölindustrie finanzierten Projekt Berkeley Earth Surface Temperature (BEST) eine völlig neue Herangehensweise – kürzlich veröffentlichten Zwischenergebnissen zufolge decken sich die BEST-Vorhersagen jedoch fast exakt mit den Prognosen des IPCC.

„Ohne einen entschiedenen Richtungswechsel in der Energiepolitik ist die Welt auf dem Weg in ein unsicheres, ineffizientes und kohlenstoffreiches Energiesystem“, schreibt auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (OECD). Die Internationale Energieagentur (IEA) kommt in ihrem World Energy Outlook zu dem Schluss, „dass die Handlungsspielräume immer kleiner werden“ – vor allem aufgrund des wachsenden Energieverbrauchs in China, Indien und weiteren Schwellen- und Entwicklungsländern. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) vom Montag hat die Menge der wichtigsten Treibhausgase Kohlendioxid (CO2) und Methan in der Atmosphäre 2010 sogar schneller zugenommen als zuvor.

Gründe gibt es also genug, um auf der UN-Konferenz in Durban endlich voranzukommen. Genau das ist jedoch nicht absehbar. Bis zum nächsten umfassenden IPCC-Bericht 2014 „wird wenig passieren“, fürchtet Schellnhuber. Achim Steiner, Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, hofft, dass es in Durban wenigstens neue Impulse beim Waldschutz und beim Aufbau des auf den vorherigen im Grundsatz beschlossenen weltweiten Klimafonds geben wird. Ein neues internationales Klimaabkommen dagegen, möglichst mit verbindlichen Obergrenzen für den CO2-Ausstoß, sei „zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich“.

Die Antwort für die Unbeweglichkeit der Staatengemeinschaft sucht PIK-Vizechef Ottmar Edenhofer in der Spieltheorie des Nobelpreisträgers John F. Nash: Auch wenn tatkräftiges Handeln eigentlich für alle Beteiligten die beste Lösung wäre, erscheint es für den Einzelstaat zunächst günstiger, selbst nichts zu tun.

Um den Stillstand zu überwinden, setzt WWF-Klimaexpertin Regine Günther auf neue Allianzen jenseits der alten Grenzziehungen zwischen Nord und Süd, West und Ost. Sie empfiehlt, die zum Klimaschutz noch am ehesten bereiten Europäer sollten versuchen, das stark vom Klimawandel bedrohte China mit ins Boot zu holen, um den Rahmen für ein Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll abzustecken. Einen wichtigen Anreiz auf der Suche nach weiteren Verbündeten sieht auch sie in dem globalen Klimafonds, von dem vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer profitieren würden.

Kommentar

  • Passender wäre wohl „Der Untergang der Klimahysterie schreitet schneller voran denn je.“.

    Die heute veröffentlichten Climategate 2.0 eMails beweisen erneut, dass unsere lieben klimaforscher noch nie ergebnisoffen gearbeitet haben. Alles Unerwünschte wird weggelassen und die Ergebnisse auf diese Weise zurechtgebogen.
    Auf ein gewünschtes Ziel hin zu arbeiten ist keine Wissenschaft sondern Ideologie.

    http://tinyurl.com/7szldct (englisch)
    http://tinyurl.com/d5a9a7a

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