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Staatliche Versorgungswerke investieren wenig nachhaltig

Beamtenpensionsfonds des Bundes und der Länder berücksichtigen bislang keine Nachhaltigkeitsaspekte in ihrer Anlagestrategie. Eine aktuelle von Allianz Global Investors vorgelegte Studie untersuchte erstmals in einer Vollerhebung, ob und wie öffentlich-rechtliche Altersvorsorgeanstalten in Deutschland Nachhaltigkeitskriterien in ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Während dies bei 60 Prozent der berufsständischen Versorgungswerke der Fall ist, wird der Staat seiner Vorbildfunktion nicht gerecht.

Frankfurt > Beamtenpensionsfonds des Bundes und der Länder berücksichtigen bislang keine Nachhaltigkeitsaspekte in ihrer Anlagestrategie. Eine aktuelle von Allianz Global Investors vorgelegte Studie untersuchte erstmals in einer Vollerhebung, ob und wie öffentlich-rechtliche Altersvorsorgeanstalten in Deutschland Nachhaltigkeitskriterien in ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Während dies bei 60 Prozent der berufsständischen Versorgungswerke der Fall ist, wird der Staat seiner Vorbildfunktion nicht gerecht.

Etwa 150 Versorgungsanstalten wurden in der von Dr. Axel Hesse, Investmentberatung SD-M, durchgeführten Studie untersucht. Zusammen verwalten sie ein Anlagevolumen von rund 200 Milliarden Euro. Die berücksichtigten Versorgungsanstalten sind zum einen berufsständische Organisationen, Versorgungskassen für den öffentlichen und kirchlichen Dienst sowie Beamtenpensionsfonds bzw. Versorgungsrücklagen der Bundesländer und des Bundes. In anderen europäischen Ländern erfahren nachhaltige Investments einen deutlichen größeren Zuspruch als in Deutschland. So gehören öffentliche Versorgungseinrichtungen oft zu den Pionieren und Treibern nachhaltiger Investments, beispielsweise in Frankreich oder in Skandinavien. „In Deutschland wird die Bedeutung des Themas zwar gesehen, findet aber nur bedingt Eingang in die entsprechenden Investmentrichtlinien“, sagt James D. Dilworth, CEO von Allianz Global Investors in Deutschland. Von einer systematischen Betrachtung von Nachhaltigkeitsaspekten sind die untersuchten Versorgungseinrichtungen, mit einem Anteil von nachhaltig angelegten Vermögenswerten im einstelligen Prozentbereich, noch weit entfernt. Begründet wird dies damit, dass das „magische Dreieck“ der Kapitalanlage, bestehend aus Rentabilität, Sicherheit und Liquidität, ausschlaggebend für die Anlagestrategie sei, Nachhaltigkeit als Anlageziel ist darin noch nicht enthalten. Bei den Kriterien, nach denen nachhaltige Investments bei den Befragten definiert werden, dominieren derzeit ökologische vor ökonomischen und sozialen Aspekten. Die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in den Investmentprozess erfolgt am häufigsten über die Orientierung an Nachhaltigkeitsthemen wie beispielsweise Klimaschutz, Wasserknappheit, Entwaldung oder Armutsbekämpfung, an Best-in-Class-Ansätzen, an Negativkriterien wie Ausschluss der Rüstungsindustrie oder Engagement im Sinne eines aktiven Dialogs mit investierten Unternehmen.

„Noch immer werden Nachhaltigkeit und Rendite als Gegensatz gesehen, obwohl es immer mehr Hinweise darauf gibt, dass sich nachhaltige Anlagen positiv auf das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios auswirken“, sagt Dilworth. Um eine bessere Marktdurchdringung zu erreichen, halten Experten den SD-KPI Standard 2010-2014 für am besten geeignet. Dieser wurde im Auftrag des Bundesumweltministeriums und mit Beteiligung von Investoren und Analysten erstellt, die in ihrer Gesamtheit 2 Billionen Euro an nachhaltigen Vermögenswerten beeinflussen. Mehr als ein Drittel der befragten Versorgungswerke, die überhaupt Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, plant in den kommenden zwei Jahren die Investmentrichtlinien zu verändern oder weitere Anlageklassen einzubeziehen. Die Befragten rechnen bis 2015 mit einer Steigerung der nachhaltig angelegten Vermögenswerte von 50 bzw. 100 Prozent. Insgesamt vermissen viele der Befragten, dass das Thema von ihren Beratern nicht aktiv angesprochen wird. Asset Manager können also entscheidend zur Verbreitung von nachhaltigen Anlagekonzepten beitragen. „Sie müssen Nachhaltigkeit noch stärker als zuvor auf die Agenda der Investoren setzen“, fordert James Dilworth.

Im Rahmen der Studie konnten die Autoren fünf ausgewählte Best-Practise-Beispiele für nachhaltiges Investment identifizieren. Mit klaren Zielen setzt sich beispielsweise die evangelische Ruhegehaltskasse in Darmstadt (ERK) ab. Bereits 90 Prozent des verwalteten Vermögens wird anhand nachhaltiger Kriterien investiert, bis 2015 sollen es 100 Prozent sein. Die Berliner Ärzteversorgung (BÄV) hat bereits vor sieben Jahren begonnen, sich erstmals mit nachhaltigen Investments zu beschäftigen. Nach drei Jahren Vorlaufzeit beauftragte man als erstes Versorgungswerk ein Engagement-Overlay für alle Aktieninvestments. Inzwischen engagiert sich der beauftragte Finanzdienstleister bei rund 6000 Unternehmen weltweit für ein breites Spektrum von Nachhaltigkeitsthemen. Die Ärzteversorgung Thüringen zeichnet sich durch ihre Fundamentalanalyse aus. Durch die Bewertungen der letzten Jahre setzt man nun verstärkt auf Sachanlagen, beispielsweise werden 3-4 Prozent der Investments im Bereich regenerativer Investments getätigt – der Zielwert liegt bei einem Portfolioanteil von 5-7 Prozent in den nächsten fünf Jahren. Das Versorgungswerk der Architektenkammer Baden-Württemberg (VWDA) begann erst vor zwei Jahren, sich mit nachhaltigen Investments zu beschäftigen. Für die Autoren war vor allem die Initiierung des „Green Utility Funds“ für regenerative Energieprojekte ein Best-Pratice-Beispiel. Durch eine hohe Transparenz ihrer Investments zeichnet sich die Rheinische Versorgungskasse aus. Sowohl Höhe und die Streuung der Kapitalanlagen als auch Beispiele für berücksichtigte Nachhaltigkeitskriterien sind online für die Öffentlichkeit einsehbar.

Hier geht es zum Download der Studie von der Website der Allianz Global Investors.

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