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Das kritische Buch: Mythos CSR – Unternehmensverantwortung und Regulierungslücken

„Mythos CSR- Unternehmensverantwortung und Regulierungslücken“ heißt ein von Gisela Burckhardt herausgegebener Sammelband, der sich kritisch mit Konzepten gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung auseinandersetzt. Das können Sie an Inhalten und Positionierungen von dem Buch und seiner Herausgeberin Gisela Burckhardt erwarten:

Bonn > „Mythos CSR – Unternehmensverantwortung und Regulierungslücken“ heißt ein von Gisela Burckhardt herausgegebener Sammelband, der sich kritisch mit Konzepten gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung auseinandersetzt. Das können Sie von dem Buch und seiner Herausgeberin Gisela Burckhardt erwarten:

„Ich engagiere mich seit über 10 Jahren bei der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und beobachte, dass es zwar einzelne Unternehmen gibt, die sich – oft erst nach Druck durch die CCC – um Verbesserungen der Arbeitsbedingungen (in der Bekleidungsindustrie) in der Lieferkette bemühen“, so Gisela Burckhardt gegenüber CSR NEWS. Dabei bliebe es aber bei nur punktuellen Bemühungen und vor Ort verändere sich strukturell nichts. Burckhardt weiter: „Wir erzielen zwar Erfolge in Einzelfällen, aber die meisten Unternehmen verändern ihre Einkaufspraxis nicht grundsätzlich. Um die Arbeits- und Menschenrechte bei den Näherinnen in China oder Bangladesch zu verbessern, bedarf es einer stärkeren staatlichen Regulierung, die alle Unternehmen gleichermaßen trifft. Wir fordern staatliche Regulierung auf mehreren Ebenen, eine wäre die Einführung von mehr Transparenz durch eine Offenlegungspflicht für Unternehmen über die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer Tätigkeit in den Produktionsländern. Ich würde mir deshalb wünschen, dass ‚Vorreiter-Unternehmen‘ uns, die CCC, unterstützen bei unseren Forderungen nach stärkerer Regulierung durch den Staat.“

Die kritische Haltung gegenüber einer freiwilligen Verantwortungsübernahme durch Unternehmen und die Forderung nach staatlicher Regulierung findet sich auch in dem Buch. Aus der Einleitung:

„Was genau versteckt sich hinter dem Begriff CSR, der so in Mode gekommen ist? Während einige Unternehmen ernsthaft eine gesellschaftliche Verantwortung für ihre gesamte Lieferkette übernehmen und diese Verantwortung auch in ihrer Strategie und in der Managementstruktur verankern wollen, täuschen andere bewusst die Öffentlichkeit. CSR-Abteilungen der Unternehmen sind in der Regel in den Kommunikationsabteilungen angesiedelt, weshalb CSR oft als eine PR-Maßnahme oder Greenwashing in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Anhand einer einzelnen vorbildlichen Maßnahme suggerieren Unternehmen, dass diese repräsentativ für das gesamte Unternehmen steht, womit sie oft schönfärben und die VerbraucherInnen täuschen.

Der Sammelband mit 45 Artikeln zum Thema ‚Mythos CSR-Unternehmensverantwortung und Regulierungslücken‘ geht zum einen der Frage nach der Unternehmensverantwortung in der Lieferkette nach: Welche Wirkungen hatten CSR-Maßnahmen von Unternehmen auf die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern? Was haben Verhaltenskodizes, Fabrikkontrollen mit Hilfe von Sozialaudits und Trainings von Produzenten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beigetragen? Das Buch untersucht zum anderen die derzeitige Regulierung durch Staaten und zeigt auf, wo es Regulierungslücken – sowohl in Deutschland und Europa als auch in den Produktionsländern – gibt. Es wird am Beispiel der Bekleidungsindustrie in China, Bangladesch und Indien dargestellt, dass die Beschäftigten geringe Chancen haben, ihre Rechte einzuklagen, weil die Rechtssysteme dieser Länder schwach entwickelt sind. (…) Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie die derzeitigen verbindlichen Instrumente aussehen und wo es Handlungsbedarf auf Seiten des Staates gibt, um seiner staatlichen Schutzpflicht nachzukommen.“

Inhalt und Autoren:

1. Unternehmensverantwortung – zwischen Freiwilligkeit und Regulierung

1.1. Arbeitsbedingungen von Frauen in globalen
Zulieferketten (Gisela Burckhardt)
1.2. Geschichte der Unternehmensverantwortung – Primat des Kapitals über die Politik (Uwe Wötzel)
1.3. Freiwillig, aber nicht beliebig (Eva Kocher)
1.4. Die UN-Leitprinzipien zur menschenrechtlichen Verantwortung von Unternehmen – Ist das Glas halb voll oder halb leer? (E. Strohscheidt)

2. Staatliche Schutzpflicht und Rechtsschutz in Europa, insbesondere in Deutschland

2.1. Extraterritorialer Menschenrechtsschutz und Unternehmensverantwortung: Eine europäische Perspektive (Daniel Augenstein)
2.2. Aufgabe des Staates: Menschenrechte weltweit schützen, Haftungs- und Sorgfaltspflichten für Unternehmen (Johanna Kusch)
2.3. Hürden im deutschen Recht für Klagemöglichkeiten von Geschädigten aus dem Süden (Miriam Saage-Maaß)
2.4. Kohärenter Menschenrechtsschutz? Zur Verankerung der staatlichen Schutzpflicht in der Außenwirtschaftsförderung (Christian Scheper)
2.5. Sozialklauseln in der europäischen Handelspolitik: Wirkungsvolles Schutzinstrument oder Feigenblatt? (David Hachfeld)

3. Mangelnder Schutz der Betroffenen in ausgewählten Produktionsländern

3.1 Reform des chinesischen Arbeitsrechts – Verbesserung der staatlichen Schutzpflicht für die Betroffenen? (Tatjana Chahoud)
3.2 Die Arbeitsgesetzgebung in Bangladesch – Schwierigkeiten der Umsetzung (Khorshed)
3.3 Textilarbeiterinnen in Indien können ihre Rechte nicht einklagen (Laura Ceresna)
3.4 Better Factories Program“ in Kambodscha – ist der Name auch Programm? (Sabine Ferenschild)

4. Freiwillige CSR Initiativen zur Umsetzung von Unternehmensverantwortung

4.1. Neue Regeln für globales Wirtschaften – Eine Bilanz zur Revision der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (Britta Utz)
4.2. Der Global Compact der Vereinten Nationen – Instrument für mehr verantwortliches Unternehmensverhalten oder doch nur „Bluewashing“? (Matthias John)
4.3. ISO 26 000, der neue Leitfaden für gesellschaftliche Verantwortung – Papiertiger oder Meilenstein? (Franziska Humbert)
4.4. Runder Tisch Verhaltenskodizes – ein Dialogforum ohne Biss (Uwe Wötzel, Birgit Stahl)
4.5. Wie viel Unternehmensverantwortung fordern Sozialstandardinitiativen? BSCI, ETI, FLA, FWF und SA 8000 im Vergleich (Mark Starmanns)

5. CSR Maßnahmen von Unternehmen und ihre Wirkungen

5.1. Bekleidung

5.1.1 Verhaltenskodex: Ein echtes Anliegen oder bloß Augenwischerei? (Suhasini Singh)
5.1.2 Sozialaudits- was bringen sie den Näherinnen in den Sweatshops? (Gisela Burckhardt/ Jeroen Merk)
5.1.3 Pilotprojekt ASDA/GTZ in Bangladesch: Produktivitätssteigerung auf dem Rücken der Beschäftigten (Dominic Eagleton)
5.1.4 Die Unterstützung der Bekleidungsindustrie in Bangladesch durch die GIZ- einseitige Förderung der Unternehmensverbände (Khorshed Alam/Gisela Burckhardt)
5.1.5 Das WE Training von Tchibo/GTZ (Gisela Burckhardt)
5.1.6 In China wird CSR ein Wettbewerbsfaktor – eine Mitgliedschaft in der „Fair Wear Foundation“ ist dafür ein geeignetes Instrument (Mila Hanke)
5.1.7 hess natur leistet Pionierarbeit mit Lohnstudie, Interview (Maik Pflaum)

5.2. Spielzeug

5.2.1 Der ICTI CARE-Prozess des Weltverbandes der Spielzeugindustrie: transparent – glaubwürdig – wirksam? (Uwe Kleinert)

5.3. Elektronik

5.3.1 Es ist noch ein langer Weg- Interview mit Jenny Chan über Arbeitsrechtstrainings bei HP-Zulieferern in China (Sarah Bormann)
5.3.2 Faire IT durch CSR? Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Projekt makeITfair (Cornelia Heydenreich)
5.3.3 Staatliche und private Regulierung der Elektronikindustrie in Mittel- und Osteuropa: Ersatz oder Ergänzung? (Timea Pal)

5.4. Social business

5.4.1. „Social Business“ mit unsozialen Folgen (Kathrin Hartmann)

6. Transparenz – Eine Voraussetzung für Unternehmensverantwortung

6.1. Die (Ohn)Macht der VerbraucherInnen. Wie Transparenzpflichten den Weg aus der Vertrauensfalle weisen können (Judith Vitt)

6.2. Der Dschungel der Labels (Sandra Dusch)
6.3. Offenlegungspflichten für Unternehmen in Deutschland (Volkmar Lübke)
6.4 Offenlegungspflichten für Unternehmen im europäischen Vergleich (Franziska Humbert)
6.5. Nachhaltigkeitsaccounting – Initiativen zur Integration von Nachhaltigkeit in den Geschäftsbericht (Stefanie Hiß, Jakob Kunzlmann)
6.6. Nachhaltigkeitsberichterstattung auf Grundlage der Global Reporting Initiative (GRI) (Brigitte Hamm)

7. Schlussfolgerungen und Forderungen an die Bundesregierung (Gisela Burckhardt)

Bibliografisches:

Gisela Burckhardt (Hrsg.) in Kooperation mit Kampagne für Saubere Kleidung und CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung: „Mythos CSR –Unternehmensverantwortung und Regierungslücken“. (Horlemann Verlag) 2011
– Euro 14,90 (ISBN 978-3-89502-325-5)