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Bedrohen ausländische Handelskonzerne Indiens Arbeitsplätze?

Auf Drängen großer multinationaler Handelskonzerne will die Regierung in Indien den heimischen Markt für sie öffnen – muss aber mit starkem Widerstand im Parlament rechnen. Das Land mit seinen 1,2 Milliarden Menschen, einer wachsenden Mittelschicht und stürmischem Wirtschaftswachstum gilt als Zukunftsmarkt. Einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam aus dem Jahre 2009 zufolge bedrohen die Handelsriesen dagegen Millionen Arbeitsplätze von Straßenhändlern und kleinen Landbesitzern.

Neu Delhi > Auf Drängen großer multinationaler Handelskonzerne will die Regierung in Indien den heimischen Markt für sie öffnen – muss aber mit starkem Widerstand im Parlament rechnen. Das Kabinett in Neu Delhi beschloss am Donnerstag nach Angaben mehrerer Fernsehsender, dass Einzelhandelsketten im Land künftig auch mehrheitlich ausländischen Konzernen gehören dürfen. Das war bislang verboten, es sei denn, die Geschäfte verkaufen nur eine einzige Marke wie Nokia oder Reebok. Große Handelskonzerne wie Wal-Mart aus den USA und Metro aus Deutschland sind zwar schon lange in Indien aktiv, dürfen aber bislang keine Waren an den Endverbraucher verkaufen. Die Metro ist seit 2003 in Indien vertreten und betreibt dort mittlerweile acht Cash&Carry-Großmärkte.

Das Land mit seinen 1,2 Milliarden Menschen, einer wachsenden Mittelschicht und stürmischem Wirtschaftswachstum gilt als Zukunftsmarkt. „Die Verbraucher werden viel mehr Auswahl haben“, erklärte der indische Handelsverband kurz vor der Kabinettsentscheidung. Einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam aus dem Jahre 2009 zufolge bedrohen die Handelsriesen dagegen Millionen Arbeitsplätze: Straßenhändler, kleine Ladenbesitzer und auch Kleinbauern würden von den Supermarktketten in den Ruin gedrängt. Bislang wird demnach nur ein Prozent aller Lebensmittel in Indien in Supermärkten gekauft, der Handel findet in kleinen Läden oder auf der Straße statt. Nach der Landwirtschaft ist der Handel in Indien der zweitgrößte Arbeitgeber.

Die Opposition hat bereits heftigen Widerstand gegen die Marktöffnung angekündigt. Auch Mitglieder der regierenden Kongress-Partei sprachen sich dagegen aus.