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Wohnen in Plastikflaschen: Innovation soll Wohnungsnot in Nigeria lindern

Häuser aus Plastikflaschen? Was sich nach moderner Kunst anhört, ist ein ambitioniertes Bauprojekt in Nigeria. Eine Umweltorganisation will mit dem unkonventionellen Baustoff zwei Probleme auf einmal lösen: Plastikflaschen, die Nigerias Straßen, Kanäle und Rinnsteine verschmutzen, sollen beim Häuserbau recycelt werden. Gleichzeitig könnte das Projekt die Wohnungsknappheit im bevölkerungsreichsten Land Afrikas mildern.

Von Aminu Abubakar

Sabon Yelwa > Häuser aus Plastikflaschen? Was sich nach moderner Kunst anhört, ist ein ambitioniertes Bauprojekt in Nigeria. Eine Umweltorganisation will mit dem unkonventionellen Baustoff zwei Probleme auf einmal lösen: Zum einen sollen die Plastikflaschen, die Nigerias Straßen, Kanäle und Rinnsteine verschmutzen, beim Häuserbau recycelt werden. Gleichzeitig könnte das Projekt die Wohnungsknappheit im bevölkerungsreichsten Land Afrikas mildern.

Der Prototyp eines Plastikflaschenhauses steht am Rande des Dorfes Sabon Yelwa bei Kaduna im Norden des Landes. Initiiert hat das Projekt die Nichtregierungsorganisation DARE (Verband zur Entwicklung Erneuerbarer Energien) mit Unterstützung von Londoner Fachleuten. „Es ist das erste Haus in Afrika, das aus Flaschen gebaut wurde“, sagt Projektinitiator Christopher Vassiliu. „Es könnte dazu beitragen, Nigerias große Wohnungsprobleme zu lösen und die schwer verschmutzte Umwelt zu säubern.“

Das Haus ist in vielerlei Weise ein Wunderwerk und soll das erste von vielen sein. Auf 58 Quadratmetern Grundfläche wirkt der Bungalow mit zwei Schlafzimmern zunächst wie ein normales Haus. Doch statt Steinen besteht es aus Plastikflaschen, die mit Sand gefüllt und zugeschraubt wurden. Die drei Kilogramm schweren Behälter werden aufeinander geschichtet und mit Lehm und Zement verbunden. Ein Netz aus Schnüren verbindet sie am Flaschenhals und gibt dem Bau zusätzlichen Halt.

Aus den verputzten Wänden ragen verschiedenfarbige Schraubdeckel heraus, die den Wänden ein einzigartiges Aussehen geben. Nach Angaben von Projektkoordinator Yahaya Ahmad sind die mit Sand gefüllten Flaschen stabiler als normale Betonblöcke. „Weitere Vorteile sind: Das Bauwerk ist feuersicher, kugelsicher und erdbebensicher“, sagt Ahmad. „Im Inneren herrscht eine konstante Temperatur von 18 Grad Celsius, gut im tropischen Klima.“

Im Juni wurde mit dem Bau des Prototyps begonnen. Ist das Gebäude fertig, sollen Maurer daran ausgebildet werden. Bei entsprechender Anpassung der tragenden Säulen können bis zu zwei Stockwerke auf das Erdgeschoss gesetzt werden.

Der Flaschenbau liegt auf einer weitläufigen Farm und besteht aus einem Wohnzimmer in Form einer Rotunde, zwei Schlafzimmern, Küche, Innenhof, Bad und Toilette. Das Haus wurde so entworfen, dass es keine Treibhausgase produziert, da es komplett durch eingebaute Solarzellen sowie Methangas aus menschlichen und tierischen Fäkalien versorgt wird. „Nigeria hat ein großes Abfall- und Energieproblem, und dieses Projekt ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, sagt die britische Umweltaktivistin Katrin Macmillan. „Auf Deponien brauchen Plastikflaschen Hunderte von Jahren, um zu zerfallen.“

Das Haus ist inzwischen zu 70 Prozent fertiggestellt und braucht insgesamt etwa 14.000 Flaschen. Auf dem Gelände häufen sich Flaschen, die von Botschaften, Hotels und Restaurants gespendet wurden. Nach Einschätzung von Umweltexperten produziert Nigeria mit einer Bevölkerung von rund 160 Millionen Tag für Tag einen Müllberg von drei Millionen Plastikflaschen.

Gleichzeitig fehlen in dem riesigen Land etwa 16 Millionen Wohnungen, deren Bau umgerechnet 226 Milliarden Euro verschlingen würde, wie Nigerias Federal Mortgage Bank angibt. Mit einem Viertel der für ein konventionelles Wohnhaus veranschlagen Baukosten ist ein Plastikhaus darüber hinaus noch günstig, betont Vassiliu. Umgerechnet knapp 10.000 Euro werden für das innovative Heim fällig. Das nächste Bauprojekt ist schon geplant: Ab Januar soll in Suleja nahe der Hauptstadt Abuja mit 200.000 Plastikflaschen eine Grundschule vergrößert werden.

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