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Gefährliche Kobaltproduktion im Kongo

Der Bedarf an Kobalt ist in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen und wird durch die zunehmende Verbreitung mobiler elektronischer Geräte weiter anhalten. Einer der bedeutendsten Exporteure ist die Demokratische Republik Kongo. Unter gefährlichen Bedingungen wird Kobalt dort abgebaut, tödliche Arbeitsunfälle und Kinderarbeit sind an der Tagesordnung. „Die Arbeitsbedingungen in der Kobaltproduktion im Kongo müssen verbessert werden“, fordert deshalb Andreas Manhart, Wissenschaftler am Öko-Institut.

Freiburg >  Der Bedarf an Kobalt ist in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen und wird durch die zunehmende Verbreitung mobiler elektronischer Geräte weiter anhalten. Einer der bedeutendsten Exporteure ist die Demokratische Republik Kongo. Unter gefährlichen Bedingungen wird Kobalt dort abgebaut, tödliche Arbeitsunfälle und Kinderarbeit sind an der Tagesordnung. „Die Arbeitsbedingungen in der Kobaltproduktion im Kongo müssen verbessert werden“, fordert deshalb Andreas Manhart, Wissenschaftler am Öko-Institut.

„Dafür sind sowohl die kongolesische Regierung, die in dieser Woche neu gewählt wird, als auch die großen Abnehmer des wertvollen Metalls in Europa verantwortlich“, so Manhart . Das Freiburger Öko-Institut hat in einer Studie die sozialen Auswirkungen der Kobaltproduktion im Kongo untersucht. Zwischen 67.000 und 108.000 Arbeiter fördern in zumeist nicht registrierten Minen Kobalt. Die Bedingungen sind oft sehr gefährlich, jährlich sterben mehr als 100 Menschen durch Hangrutschungen, Schachteinstürze oder Wassereinbrüche. Zudem werden bis zu 30.000 Kinder unter 15 Jahren in den Minen beschäftigt.

Durch jahrelange kriegerische Auseinandersetzungen und politische Instabilität zählt die Demokratische Republik Kongo inzwischen zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Human Development Index der Vereinten Nationen wird der Kongo mittlerweile auf dem vorletzten Platz geführt. Diese Entwicklung steht im krassen Missverhältnis zu den reichhaltigen Bodenschätzen des Landes, der Kongo könnte nach Einschätzung von Experten zu den wohlhabendsten Regionen Afrikas gehören. Vor allem der Bergbau könnte einen bedeutenden Beitrag für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes leisten. Die ehemals großen staatlichen Minen sind durch Misswirtschaft und Bürgerkrieg oft kleinen Minenbetreibern gewichen, die den Abbau meist unkontrolliert und mit einfachsten Mitteln betreiben. Mindestens 60 Prozent des Kobaltabbaus entfallen auf diese Kleinbetriebe, die jedoch als wichtige wirtschaftliche Stütze gesehen werden. „Die Regierung hat dieses Potenzial bereits erkannt und erste Reformen angestoßen“, berichtet Manhart. „Doch trotz erster Unterstützungsangebote für die Arbeiter ist der Weg zu einem nachhaltigen Kobaltabbau im Kongo noch weit“. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 45.000 Tonnen Kobalt abgebaut, rund 50 Prozent der weltweiten Förderung.

Das Öko-Institut empfiehlt eine sukzessive Verbesserung der Arbeitsbedingungen vor Ort. Neben Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit sollten die Arbeiter einen besseren Zugang zu Marktinformationen bekommen. Denn heute sind sie häufig in den Preisverhandlungen systematisch benachteiligt, da sie oft den wahren Wert der von ihnen geförderten Erze nicht kennen. Das Öko-Institut sieht neben der nationalen Regierung auch die europäischen Abnehmer in der Pflicht. Denn einerseits müssen sich Unternehmen immer mehr an den Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Produkte messen lassen – selbst wenn diese in weit entfernten Regionen stattfinden. Andererseits geht es auch um die Versorgungssicherheit mit so genannten „kritischen Rohstoffen“. Ein Boykott hingegen wäre trotz der schlechten Arbeitsbedingungen der falsche Weg: „Ein solch genereller Boykott wäre einerseits logistisch sehr aufwendig, da viele Glieder der Verarbeitungs- und Handelskette zertifiziert und regelmäßig überprüft werden müssten“, erklärt Manhart. „Letztendlich würde ein Handelsverbot nur dazu führen, dass sich Großabnehmer von den schlechten Bedingungen distanzieren könnten. Den Bergleuten vor Ort hingegen würde ein wichtiger Absatzmarkt wegfallen, sodass sie entweder noch abhängiger von anderen Teilmärkten wären, oder ihr Einkommen ganz verlieren würden.“ Die Europäische Union hat im Herbst dieses Jahres eine „europäische Rohstoffstrategie“ vorgestellt, die ausdrücklich eine verbesserte Teilhabe von Bevölkerungen an ihren nationalen Rohstoffvorhaben vorsieht.

Anteilige Arbeitsleistung kongolesischer Bergarbeiter an:

  • – einem Notebook:       10 Minuten/ 3 Minuten Kinderarbeit/ 0,05 US$ Vergütung
  • – einem Elektroauto      370 Minuten/ 104 Minuten Kinderarbeit/ 1,83 US$ Vergütung

Link zum Thema: Das Ranking „Grüne Elektronik“ der Umweltschutzorganisation Greenpeace bewertet auch den Umgang der Hersteller mit Rohstoffen.