Nachrichten

Wer hat gestiftet? Stiftungsneugründungen 2011

Das Klima für die Neugründung ist weiterhin günstig. Unternehmen wie Unternehmer hoben auch 2011 wieder neue philanthropische Einrichtungen aus der Taufe. Der Sektor wächst stärker als die Gesamtwirtschaft. „Wissenschaft und Forschung“ sowie „Bildung und Erziehung“ gehören zu den häufigsten Zwecken.

Das Klima für die Neugründung ist weiterhin günstig. Unternehmen wie Unternehmer hoben auch 2011 wieder neue philanthropische Einrichtungen aus der Taufe. Der Sektor wächst stärker als die Gesamtwirtschaft. „Wissenschaft und Forschung“ sowie „Bildung und Erziehung“ gehören zu den häufigsten Zwecken.

Von Charlotte Schmitz.

„Ich erwarte eine weitere Renaissance der Stiftungen,“ sagt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Der Stiftungssektor sei innerhalb des letzten Jahres um 4,5 Prozentpunkte gewachsen. „Das ist mehr, als die Wirtschaft derzeit aufweisen kann“, betont Fleisch. Der Bundesverband vertritt die Interessen der mehr als 18.100 Stiftungen in Deutschland. Mit fast 3.600 Mitgliedern ist er der größte und älteste Stiftungsverband in Europa. Er repräsentiert rund drei Viertel des Stiftungsvermögens in Deutschland. Doch nur ein geringer Teil der Stiftungen im Bundesverband – etwa 300 – sind Unternehmensstiftungen.

Über ein Kapital von 80 Millionen Euro verfügt die Friede Springer Stiftung, die die Verlegerin in Berlin gründete. Mit jährlichen Erträgen von zwei Millionen Euro sollen junge Talente aus Wissenschaft und Forschung gefördert werden. Dies liegt im Trend, denn der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat in einer Umfrage bei unternehmensnahen Stiftungen eine leichte Präferenz für die Zwecke Wissenschaft und Forschung sowie Bildung und Erziehung ausgemacht. „Dies ist freilich damit zu begründen, dass für unternehmerisch konnotierte Stiftungen Anliegen wie der Fachkräftemangel, der Brain Drain und auch Innovationen in Wissenschaft und Forschung vordringlich sind“, erklärt der Professor für Stiftungsmanagement Hans Fleisch.

Ähnliche Ziele verfolgen Stiftungen, die ganz gezielt eine Einrichtung unterstützen, wie etwa die Heinz-Bethge-Stiftung, die die angewandte Elektronenmikroskopie und die Materialwissenschaften in Halle (Saale) und Mitteldeutschland stärken will. Insgesamt 14 Privatpersonen und 14 Institutionen haben die Stiftung ermöglicht, darunter die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM.

Inhalte weiterentwickeln

Die zunehmende Zahl der Stiftungen alleine ist allerdings für Hans Fleisch noch kein Grund zur Freude. Er würde sich auch eine inhaltliche Weiterentwicklung wünschen: „Das quantitative Wachstum der Stiftungen in Deutschland muss freilich vom qualitativen Wachstum flankiert werden.“ Die Voraussetzungen seien gegeben, denn die Gesetzgebung fördert weiterhin die Neustiftungen. Doch nicht immer ist der Aufwand sinnvoll, eine eigene Stiftung ins Leben zu rufen, warnt Fleisch. Wer sich mit dem Gedanken trägt, dies zu tun, solle prüfen, ob eine Zustiftung zu einer bestehenden Stiftung nicht auch hilfreich ist. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat im Internet eine Liste von bestehenden Stiftungen veröffentlicht, die noch Zustiftungen zum Kapitalstock suchen (www.stiftungen.org/suche).

„Eine Unternehmensstiftung wird in der Regel im Rahmen von Konzepten des Corporate Giving oder der Corporate Responsibility gegründet; der Unternehmenschef tritt dabei häufig in den Hintergrund“, erklärt Ekkehard Winter, Leiter des Arbeitskreises Unternehmensstiftungen im Bundesverband Deutscher Stiftungen. Bei der Unternehmerstiftung stehe dagegen die Persönlichkeit des Stifters im Vordergrund. „Er gibt ja die Mittel für die Stiftung und damit – oft nach Beendigung seiner aktiven Zeit in der Firma – einen Teil des von ihm geschaffenen Privatvermögens für gemeinnützige Zwecke.“

Soziales im Trend

Die Trends der Stiftungszwecke sind deutlich: Seit Jahrhunderten dominieren soziale Zwecke (zu 31 Prozent), gefolgt von Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur (jeweils zu 15 Prozent) sowie Wissenschaft und Forschung (zu ca. 13 Prozent), wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen ermittelte. „Seit einigen Jahrzehnten – angetrieben durch die grüne Bewegung – findet der Umweltschutz immer stärker Eingang in die Tätigkeitsprofile deutscher Stiftungen,“ sagt Bundesverbands- Generalsekretär Hans Fleisch. „In den sechziger Jahren lag ihr Anteil noch bei unter einem Prozent, heute sind es vier Prozent.“ Ein Beispiel ist die 2011 gegründete „Stiftung 2 Grad“. Benannt nach dem Ziel, die globale Erderwärmung nicht über zwei Grad ansteigen zu lassen, wollen sechs deutsche Unternehmen mit dieser Stiftung einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die von der Deutschen Bahn, EWE, der M+W Group, der Otto Group, PUMA und Xella errichtete Stiftung will mit einem anfänglichen Jahresbudget von 500.000 Euro langfristig an Klimaschutz-Lösungen arbeiten.

Auch die Volkswagen-Belegschaftsstiftung, eine in Zukunft an den weltweiten Standorten des Volkswagen Konzerns tätige Sozialstiftung, hat 2011 ihre Arbeit aufgenommen. Stifter ist die Volkswagen Aktiengesellschaft, die noch mehr für „Corporate Social Responsibility“ tun will. Die Stiftung wurde zunächst mit fünf Millionen Euro ausgestattet.

Die Summe von 230 Millionen Euro hinterließ die ehemalige WAZ-Gesellschafterin Anneliese Brost. Sie hatte bereits 2002 die Anneliese-Brost-Stiftung gegründet, jetzt kommt aus dem Nachlass ihres Privatvermögens eine weitere Stiftung hinzu, die sich der Alten- Kinder- und Jugendhilfe sowie Kunst und Kultur widmet.

Unternehmen absichern

Eine weitere Besonderheit sind Unternehmensstiftungen, mit denen der Bestand eines Familienunternehmens abgesichert werden soll. So hat der Mehrheitsaktionär des Pumpengerstellers Wilo SE, Ludwig Opländer, 2011 die „Caspar Ludwig Opländer“ Stiftung gegründet und ihr die Mehrzahl der bisher im Familienbesitz gehaltenen Aktien übertragen. Die Caspar Ludwig Opländer Stiftung ist eine Familienstiftung, die auch gemeinnützige Ziele verfolgt.

Und die vier Eigentümer der Stuttgarter Vector Informatik GmbH, eines Automobilelektronik- Herstellers mit weltweit über 1.000 Mitarbeitern, haben das Unternehmen in die Hände von zwei Stiftungen gegeben. Die gemeinnützige Vector Stiftung hält 60 Prozent der Unternehmensanteile. Sie fördert wissenschaftlichen Nachwuchs und die Erforschung umweltfreundlicher Mobilitätskonzepte, unterstützt aber auch soziale Einrichtungen. Die Vector Familienstiftung hält die verbleibenden 40 Prozent, vereinigt aber 94 Prozent der Stimmrechte.

Charlotte Schmitz ist freie Journalistin für Wirtschaft und Entwicklungspolitik in Frankfurt am Main.
charlotte.schmitz@csr-magazin.net