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Börse: Lohnt sich Nachhaltigkeit?

In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren rund 364 nachhaltige Publikumsfonds im deutschsprachigen Raum zugelassen, die zusammen gut 30 Milliarden Euro investieren. Die Bedeutung nachhaltiger Investments steht inzwischen außer Frage – machen sie sich aber auch tatsächlich bezahlt. Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Köln >  In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren rund 364 nachhaltige Publikumsfonds im deutschsprachigen Raum zugelassen, die zusammen gut 30 Milliarden Euro investieren. Die Bedeutung nachhaltiger Investments steht inzwischen außer Frage – machen sie sich aber auch tatsächlich bezahlt. Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Anleger und Investoren haben einen großen Einfluss darauf, in welchem Umfang soziale und ökologische Standards in Unternehmen integriert werden. Über 90 Prozent der DAX-Unternehmen und mehr als zwei Drittel aller Unternehmen messen einer nachhaltigen Unternehmenspolitik eine hohe Bedeutung zu. Die Aufnahme in nachhaltige Börsenindizes wie beispielsweise dem Dow Jones Sustainable Index (DJSI) gehört in manchen Unternehmen inzwischen zum erklärten Ziel ihrer CSR-Strategie. Investments müssen sich aber immer auch an ihrer Rendite messen lassen. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat den DJSI mit dem MSCI, der auf 1.900 Aktienkursen aus 24 Ländern basiert, verglichen. Auf mittlere Sicht weisen beide Indizes einen ähnlichen Verlauf auf, 2010 lag der MSCI allerdings klar vorne. Interessant wird der Vergleich, wenn man den Naturindex NAI dazu zieht. Dieser konzentriert sich ausschließlich auf ökologische Kriterien und berücksichtigt die 30 umweltfreundlichsten Unternehmen. Im Vergleich mit dem DJSI und dem MSCI entwickelte sich der NAI im gleichen Zeitraum um ein Vielfaches besser. Lohnt sich Nachhaltigkeit also doch?

Nicht immer lautet das Fazit einer Untersuchung von Prof. Andreas Ziegler an der Universität Kassel. Er untersuchte die Entwicklung des Börsenkurses von Unternehmen nachdem diese im DJSI aufgenommen wurden. Deutlich positive Aspekte zeigten sich nicht, stattdessen eher negative Aspekte. Nach ihrer Aufnahme in den Index mussten die Börsenbewertungen der Unternehmen zunächst Abschläge von bis zu vier Prozent hinnehmen. Ein Grund könnte eine erwartete Mehrbelastung für die Unternehmen sein. Möglicherweise erwarten Investoren bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien zunächst Mehrbelastungen für die Unternehmen, die sich kurzfristig auch aufs Ergebnis auswirken können. Basis der Untersuchung waren deutsche Unternehmen, die in den DJSI aufgenommen wurden.

Nachhaltigkeit zahlt sich aus, meint dagegen die Börse Hannover. Diese hat kürzlich einen Performancevergleich zwischen dem Deutschen Aktienindex DAX und dem hauseigenen Nachhaltigkeitsindex „Global Challenges Index“ (GCX) durchgeführt. Ergebnis: Bezogen auf die letzten drei Jahre schneidet der GCX deutlich besser ab. Während der DAX nur ein Plus von 25,5 Prozent erzielte, konnte der GCI seinen Wert um 37,1 Prozent steigern. Nicht schlagen konnte der GCX den MSCI, dieser erreichte im Vergleichszeitraum ein Plus von 37,1 Prozent. Der im Herbst 2007 aufgelegte Nachhaltigkeitsindex der Börse Hannover umfasst insgesamt 50 Titel weltweit tätiger Großunternehmen sowie kleiner und mittelständischer Firmen. Dr. Sandra Lüth, Geschäftsführerin der Börse Hannover: „Die Entwicklung des GCX zeigt, dass auch nachhaltige Titel hohe Renditen erzielen können“.