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Hamburger Kaufleute diskutieren über CSR

Von der Aufrichtigkeit ihrer Corporate Social Responsibility-Programme müssen Unternehmen zuerst ihre eigenen Mitarbeiter überzeugen. Diese Ansicht vertraten zwei Hamburger Unternehmer und eine Managerin auf der Veranstaltung „CSR in Hamburg: aus Tradition verantwortlich?“ Weiter ging es um das Verhalten bei Entlassungen, um Kinderarbeit bei Zulieferern und um Kunden, die für Nachhaltigkeit nicht zahlen wollen.

Hamburg > Von der Aufrichtigkeit ihrer Corporate Social Responsibility-Programme müssen Unternehmen zuerst ihre eigenen Mitarbeiter überzeugen. Das wurde am 6. Dezember auf der Veranstaltung „CSR in Hamburg: aus Tradition verantwortlich?“ deutlich. „CSR darf kein Chefthema sein“, sagte der Geschäftsführer des Einzel- und Versandhandels Globetrotter, Andreas Bartmann. Damit sie zu einem Mitarbeiterthema werde, sei die interne Kommunikation gefordert und Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern Freiräume für deren ehrenamtliches Engagement lassen. Auch wenn es immer viele geben werde, die diesen Weg nicht mitgingen, müsse ein Unternehmen um den Stolz seiner Belegschaft kämpfen. Denn diese sollte dahinter stehen, wenn ein Unternehmen Geld für CSR-Projekte ausgebe, so Bartmann.

Wie gewinnen Unternehmen das Vertrauen ihrer Mitarbeiter? Dazu sagte Inken Hollmann-Peters, Chief Sustainabilty Officer bei Beiersdorf: Vertrauen lasse sich nicht erzwingen, es müsse sich bilden. Dazu müsse eine Geschäftsleitung ihren Worten Taten folgen lassen. Auf die voraussichtliche Kürzung von 230 Stellen bei Beiersdorf in Hamburg angesprochen sagte sie, hierüber sei mit den Mitarbeitern sehr offen gesprochen und es seien dabei Hintergründe erklärt worden.

„Wir brauchen das Vertrauen der Mitarbeiter“

Mitarbeiter für das Thema CSR gewinnen will auch Cord Wöhlke, Gesellschafter des Hamburger Drogeriemarktunternehmens Budnikowsky. Deshalb sei die CSR-Kommunikation nach innen vielleicht wichtiger als die Kommunikation nach außen. Wöhlke weiter: „Wir brauchen das Vertrauen und die Geschlossenheit der Mitarbeiter und müssen sie überzeugen.“ Ziel sei es, über die Mitarbeiter auch Kunden für verantwortliches Handeln zu gewinnen. Letztlich müssten sich Kunden aber selber für Nachhaltigkeit und nachhaltige Produkte entscheiden. Wöhlke: „Wir haben nicht die Aufgabe zu diktieren.“

Kinderarbeit bleibt ein Problem

Zur Verantwortungsübernahme in der Zulieferkette sagte Wöhlke, angesichts von 800 Lieferanten könne nicht von heute auf morgen alles umgestellt werden. Jedoch ließe sich nach und nach etwas bewegen und „irgendwer muss voran gehen.“ Globetrotter hat sich der Unternehmensinitiative BSCI (Business Social Compliance Initiative) angeschlossen, die sich die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Zulieferkette zum Ziel setzt. Trotzdem sagte Geschäftsführer Bartmann: „Das wäre absolut gelogen, zu sagen, wir haben absolut keine Produkte aus Kinderarbeit.“ Zwar besuchten seine Einkäufer jedes neue Zulieferunternehmen im ersten Jahr der Zusammenarbeit. Und am Zustand von Kantinen, Sanitärräumen und Arbeiterwohnungen ließe sich manches über die Einstellung eines Unternehmers ablesen. Zwar würden jedes Jahr Zulieferer geschult und andere, die den Standards einer verantwortungsvollen Produktion nicht nachkämen, ausgelistet. Aber „es gibt in diesen Regionen eine gewissen kriminelle Energie“, so Bartmann weiter. Die Verantwortung westlicher Einkäufer gegenüber Zulieferern liege auch darin, diese bei Preisverhandlungen „nicht bis zum letzten zu pressen“.

Kunden zahlen nicht für Nachhaltigkeit

Als Vertreterin eines Unternehmens, das für den Massenmarkt produziert, stellte Inken Hollmann-Peters fest, dass „Kundinnen nicht bereit sind, mehr Geld für Nachhaltigkeit auszugeben.“ So frage sei für ihr Unternehmen Beiersdorf die Frage, welche CSR-Maßnahmen zu welcher Marke passten. In Bezug auf Nivea habe sich das Unternehmen für ein Engagement für Familienwerte entschieden, um damit eine positive Verbindung zur Marke zu erreichen. „Ich kann CSR nicht ausschließlich als Gutmensch betreiben“, so Hollmann-Peters. Zumindest kurzfristig führe CSR zu zusätzlichen Investitionen. Zugleich verriet die Nachhaltigkeitsmanagerin zum zukünftigen gesellschaftlichen Engagement ihres Unternehmens: „Wir haben keine Stiftung, wir arbeiten aber daran.“

Was ist typisch für die CSR Hamburger Kaufleute? Die Frage beantwortete Bartmann: „Wir machen einfach und reden nicht darüber.“ Bei dieser Veranstaltung, zu der die Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik, die HSBA Hamburg School of Business Administration und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eingeladen hatten, redeten sie dann doch über das, was sie für die Gesellschaft leisten.