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Prinzipien gegen unfaire Handelspraktiken

Ende November einigten sich die Verbände der europäischen Ernährungswirtschaft auf gemeinsame Prinzipien gegen unfairen Wettbewerb in der Lieferkette. Hintergrund ist die hohe Nachfragemacht im Lebensmitteleinzelhandel und ihre Auswirkungen auf die Lieferantenbeziehungen. Zudem hofft die Branche, auf diesem Weg einer Regulierung durch die Europäische Kommission vorzubeugen.

Brüssel > Ende November einigten sich die Verbände der europäischen Ernährungswirtschaft auf gemeinsame Prinzipien gegen unfairen Wettbewerb in der Lieferkette. Hintergrund ist die hohe Nachfragemacht im Lebensmitteleinzelhandel und ihre Auswirkungen auf die Lieferantenbeziehungen. Zudem hofft die Branche, auf diesem Weg einer Regulierung durch die Europäische Kommission vorzubeugen.

Der deutsche und europäische Lebensmittelmarkt wird von wenigen Akteuren dominiert. Alleine in Deutschland entfallen auf die sechs größten Handelsunternehmen (Rewe, Edeka, Aldi, Lidl, Metro und Tengelmann) rund 90 Prozent des Umsatzes. Verlierer sind oftmals die Zulieferbetriebe, die Beschäftigten aber auch Qualität, Umwelt und Tierschutz. Deutlich wird die Konzentration bei Vertragsverhandlungen, wenn die Handelsunternehmen gegenüber ihren Lieferanten weitere Preisabschläge, Rabatte und Zuschüsse durchsetzen. Wer nicht mitmacht, wird ausgelistet. Selbst Fusionen lassen sich die Konzerne nicht mehr nur mit dem inzwischen etablierten „Hochzeitsbonus“ bezahlen, sondern fordern gleich auch neue Konditionen, Regalmieten oder Werbekostenzuschüsse. Verschärft wird diese Entwicklung durch die Eigenmarken der Handelskonzerne. Im Frühjahr hatte die Europäische Kommission in einer Studie die Auswirkungen von Handelsmarken auf den Wettbewerb untersucht und die Nachfragemacht bestätigt. In zahlreichen europäischen Ländern besteht demnach eine Nachfragemacht, die zu einer Störung der Funktionsfähigkeit der Lebensmittelversorgungskette führen kann.

Mit ihrem Prinzipienkatalog wollen die Verbände nun faire Handelspraktiken einführen. Dazu haben sich die elf Dachverbände der europäischen Lebensmittelindustrie zu denen Handel, Industrie und Landwirtschaft gehören auf konkrete Maßnahmen geeinigt. In ihrer Selbstverpflichtung beabsichtigen die Verbände zukünftig auf eine gleichmäßige Verteilung von Geschäftsrisiken zu achten, unangemessene Vertragsbestandteile wie Sanktionen oder einseitige Vertragsänderungen werden als unfair bewertet. Die übliche Praxis von Listungsgebühren oder unangekündigten Auslistungen sollen demnach nicht mehr möglich sein. Die Beseitigung dieser als unfair eingestuften Handelspraktiken ist ein einhelliges Anliegen aller Beteiligten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. In Branchenkreisen wird die Einigung jedoch schon jetzt von einzelnen Beobachtern als Papiertiger abgetan, als eine Einigung auf niedrigstem Niveau. Möglicherweise will die Branche vor allem einer Regulierung aus Brüssel vorgreifen, von dort werden konkrete Umsetzungsmaßnahmen bis Mitte 2012 erwartet.

Die „Principles of Good Practice“ stehen hier zum Download bereit.