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Zweite deutsche Solarfirma meldet binnen Wochenfrist Insolvenz an

Schon das zweite deutsche Solarunternehmen hat innerhalb gut einer Woche Insolvenz angemeldet. Die Erlanger Firma Solar Millennium teilte mit, sie habe den Antrag auf Gläubigerschutz beim Amtsgericht Fürth gestellt. Erst vor einer Woche hatte das Berliner Solarunternehmen Solon Insolvenz angemeldet.

Erlangen > Schon das zweite deutsche Solarunternehmen hat innerhalb gut einer Woche Insolvenz angemeldet. Die Erlanger Firma Solar Millennium teilte am Mittwoch in Erlangen mit, sie habe den Antrag auf Gläubigerschutz beim Amtsgericht Fürth gestellt. Grund seien Verzögerungen bei Verhandlungen über den Verkauf von Projekten in den USA und Spanien.

Bei beiden angestrebten Transaktionen seien die Verhandlungen schon weit fortgeschritten, hätten bislang aber nicht abgeschlossen werden können, erklärte Solar Millennium. Wesentliche Verträge für das US-Geschäft wurden demnach bereits unterzeichnet, allerdings seien “einzelne Bedingungen für die Wirksamkeit der Verträge bislang nicht eingetreten”.

Die angestrebten Geschäfte hätten laut Solar Millennium “über den aktuellen Liquiditätsbedarf hinaus Mittel generiert, die die Basis für eine Weiterentwicklung der Gesellschaft gelegt hätten”. Nun aber seien “Höhe und Zeitpunkt der Zahlungsflüsse” unklar. Deshalb sei das Unternehmen nun gezwungen gewesen, Gläubigerschutz zu beantragen.

Erst vor einer Woche hatte das Berliner Solarunternehmen Solon Insolvenz angemeldet. Gespräche über eine finanzielle Restrukturierung waren zuvor gescheitert. Die Fälle der beiden Unternehmen sind allerdings nicht vergleichbar, da sie auf vollkommen unterschiedliche Technologien setzen. Solon produzierte sogenannte Fotovoltaik-Systeme, bei denen aus dem Sonnenlicht über Solarzellen Strom gewonnen wird. Diese Technik kommt in Deutschland stark zum Einsatz und wird hierzulande vom Staat gefördert.

Solar Millennium hingegen produzierte Technik für sogenannte solarthermische Kraftwerke: Dabei wird durch die Sonneneinstrahlung Wärme gewonnen, mit deren Hilfe wiederum Strom erzeugt wird. Diese Technologie eignet sich insbesondere für sonnenreiche Länder – und kommt deshalb in Deutschland nicht zum Einsatz. Entsprechende Kraftwerke stehen aber bereits etwa in Spanien. Zudem soll die Technik beim Wüstenstrom-Projekt Desertec zum Einsatz kommen. Dabei sollen Sonnen-Kraftwerke in Nordafrika Strom erzeugen, der dann teilweise nach Europa exportiert wird.

Nach der Pleite von Solon hatte die Diskussion um die Zukunft der Förderung von Sonnenstrom in Deutschland an Schärfe gewonnen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Förderung drastisch kürzen; Kritiker machten die aus der Debatte entstehende Unsicherheit für die derzeitige Krise in der Solarbranche mitverantwortlich. Solar Millennium hingegen wäre von einer Förderkürzung in Deutschland gar nicht betroffen.

Solar Millennium hatte in den vergangenen Jahren auch durch eine Personalie für Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen heuerte den umstrittenen früheren Chef des Energieriesen EnBW, Utz Claassen, als Vorstandvorsitzenden an. Dieser trat das Amt am 1. Januar 2010 an – und verließ das Unternehmen nach weniger als drei Monaten wieder. Claassen erklärte damals, das Unternehmen habe ihn bei den Vertragsverhandlungen “bewusst irregeführt”. Seitdem streiten Claassen und das Unternehmen um womöglich fällige Zahlungen an den Manager oder eine Rückzahlung bereits geflossenen Geldes.