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Wachstumsmarkt: Versicherungen in Schwellen- und Entwicklungsländern

In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern ist der Versicherungsmarkt wenig entwickelt. Lediglich etwa ein bis drei Prozent der Menschen in den ärmsten Ländern sind versichert. Dabei sind gerade sie oft elementaren Risiken ausgesetzt. Der Zugang zu Versicherungen ist eine entwicklungspolitische Aufgabe und gleichzeitig ein Markt mit Wachstumspotenzial, in dem sich Unternehmen zunehmend engagieren.

Köln / München (csr-news) –  In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern ist der Versicherungsmarkt wenig entwickelt. Lediglich etwa ein bis drei Prozent der Menschen in den ärmsten Ländern sind versichert. Dabei sind gerade sie oft elementaren Risiken ausgesetzt. Der Zugang zu Versicherungen ist eine entwicklungspolitische Aufgabe und gleichzeitig ein Markt mit Wachstumspotenzial, in dem sich Unternehmen zunehmend engagieren.

Die DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft hat ihr Versicherungsengagement in Entwicklungs- und Schwellenländern 2011 weiter ausgebaut. Rund 30 Millionen Euro wurden im letzten Jahr in Versicherungsprojekte in Afrika und Lateinamerika investiert, insgesamt waren es in den vergangenen Jahren rund 65 Millionen Euro. Die DEG sieht es als ihre Aufgabe, Versicherungsangebote in Schwellen- und Entwicklungsländern zu fördern und zu finanzieren. Als ein Beispiel nennt die DEG ihr Engagement in Nigeria. Zusammen mit anderen Entwicklungsfinanzierern hat sie sich mit 17,6 Prozent an der Assura Africa Holding beteiligt. Damit hat sie gleichzeitig die Mehrheit an der Guaranty Trust Assurance erworben, einem Anbieter von Lebens- und Sachversicherungen. Durch die Beteiligung soll der Zugang zu Versicherungsdienstleistungen im bevölkerungsreichsten afrikanischen Land verbessert werden, bislang bleibt dies vielen Nigerianern verwehrt. Ein anderes Beispiel kommt aus Lateinamerika. Dort hat sich die DEG an einem Kranken- und Lebensversicherer beteiligt. Die World Wide Medical Assurance und die Seguros Worldwide sichern die Risiken schwerer Erkrankungen und teurer Behandlungskosten ab. Bislang müssen sich die Betroffenen häufig stark verschulden, um ihre Krankenhausrechnungen zu bezahlen oder sogar ihren Besitz verkaufen. Nicht selten ein Schritt in noch größere Armut.

Eine wichtige Funktion kommt auch den Rückversicherern zu, gerade afrikanische Erstversicherer können häufig infolge geringer Bilanzgrößen kaum größere Versicherungsrisiken schultern. Die DEG hat sich im letzen Jahr an der Africa Re beteiligt, die wiederum ihr Filialnetz in Afrika deutlich ausbauen will. Dadurch kann sie lokale Unternehmen besser unterstützen, die ihrerseits näher an den Menschen sind und die lokalen Risiken besser einschätzen können. Vor allem in den ländlichen Gebieten führen Umweltkatastrophen immer wieder zu existenzgefährdenden Situationen für die Bevölkerung. Gleichzeitig verfügen die Menschen selten über ein Einkommen, um sich gegen diese Risiken vernünftig abzusichern. Ein Weg aus dieser Situation sind die sogenannten Mikroversicherungen, die sich in den letzten Jahren, analog zu den Mikrokrediten, etabliert haben und inzwischen von vielen Versicherungsunternehmen angeboten werden.

Für den Mikroversicherungsexperten Martin Hintz von der Allianz war der Tsunami nach dem Erdbeben im Indischen Ozean 2004 mit über 230.000 Toten ein „Katalysator“: Das Ereignis mit seinen katastrophalen Folgen hätte nur vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft gehabt, weil die Betroffenen nur selten versichert waren. Mit CARE International gründete die Allianz daraufhin 2006 eine Partnerschaft, um über 75.000 Mikroversicherungen für Fischer und Landarbeiter in dem vom Tsunami betroffenen indischen Bundesstaat Tamil Nadu anzubieten. Ein besonders wichtiges Produkt sind für Hintz die Ausbildungsversicherungen, mit denen wirtschaftlich arme Familien mit einem US Dollar pro Woche über fünf Jahre hinweg Kapital für die berufliche Zukunft ihrer Kinder ansparen können. Auch die Allianz bietet ihre Versicherungen gemeinsam mit lokalen Partnern an und erreicht damit über fünf Millionen Kunden in zehn Ländern. Die Allianz ist schwerpunktmäßig in Indien, Indonesien und Westafrika tätig.

Dass die Versicherungsmärkte in den Schwellenländern auch für die hiesige Versicherungswirtschaft interessante Wachstumsperspektiven aufzeigen, hat der Schweizer Rückversicherer SwissRe in einer aktuellen Studie festgestellt. Während die Prämien in den Industrieländern in den vergangenen zehn Jahren nur um etwa 1,3 Prozent stiegen, legten sie in den Schwellenländern um 11 Prozent zu. Dieser Wachstumsvorsprung dürfte im nächsten Jahrzehnt weiter anhalten. Oliver Futterknecht, Mitautor der Studie: „Absolut betrachtet tragen die Industrieländer aufgrund ihrer Größe noch immer mehr zum Gesamtprämienvolumen bei, aber die Schwellenländer holen schnell auf“. Im Jahr 2010 entfielen auf die Industrieländer 120 Milliarden USD an zusätzlichen Prämien, die Schwellenländer lagen mit 109 Milliarden USD knapp dahinter. Vor allem mit regionsspezifischen Innovationen können Versicherungsgesellschaften am Wachstum partizipieren. Dazu zählen neben den Mikroversicherungen zunehmend standardisierte Formen der sozialen Absicherung, wie sie in den Industrieländern üblich sind, aber auch spezielle Angebote für die Landwirtschaft wie beispielsweise Ernteausfallversicherungen. Zudem bieten manche Versicherer auch Produkte an, die dem islamischen Scharia-Recht genügen. Diese, speziell auf die oftmals muslimisch geprägte Bevölkerung zugeschnittenen Angebote, haben in den letzen Jahren einen enormen Zuspruch erlebt. Alleine in Malaysia erreichte diese Takaful genannte Versicherungsform 2010 ein Prämienvolumen von 1,1 Milliarden USD.

Die Studie der SwissRe gibt es hier zum Download.

Zwei Publikationen zum Thema Mikroversicherung bietet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) zum Download an:

1. Mikroversicherungen als Instrument der sozialen Sicherung ,

2. Kleine Beiträge – große Sicherheit Mikrover­sicherungen in der Finanz­system­entwicklung