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Arbeitszeitmodell für den demografischen Wandel

Mit moderner Personalpolitik sollen gleichzeitig Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsmotivation verbessert werden. Durch den demografischen Wandel, eine alternde Belegschaft und einen zunehmenden Mangel an Fachkräften werden Unternehmen zum Handeln gezwungen. Der Maschinenhersteller Trumpf setzt auf ein lebensphasenorientiertes Arbeitszeitmodell und wurde damit für den „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“ nominiert.

Ditzingen (csr-news) – Mit moderner Personalpolitik sollen gleichzeitig Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsmotivation verbessert werden. Durch den demografischen Wandel, eine alternde Belegschaft und einen zunehmenden Mangel an Fachkräften werden Unternehmen zum Handeln gezwungen. Der Maschinenhersteller Trumpf setzt auf ein lebensphasenorientiertes Arbeitszeitmodell und wurde damit für den „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“ nominiert.

„Das vergangene Jahr war eines der erfolgreichsten für Trumpf überhaupt“, so die Vorsitzende der Geschäftsführung Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, bei der Jahrespressekonferenz im Oktober 2011. „Innerhalb nur eines Jahres haben wir das wieder aufgeholt, was wir in den zwei Jahren zuvor verloren haben“. Der Umsatz stieg um 683 Millionen Euro auf über 2 Milliarden Euro. In der Krise 2009 musste das Familienunternehmen aus der Nähe von Stuttgart teils drastische Auftragseinbrüche verkraften. Dem üblichen Reflex, erstmal die Belegschaft reduzieren gab das Unternehmen nicht nach und versuchte Entlassungen zu vermeiden. Der Maschinenbauer ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen und wusste aus Erfahrung, wie schwer es ist, gute Arbeitskräfte nach Krisenzeiten erneut anzuwerben. Gerade in der Region Stuttgart steht der Mittelständler mit vielen Technologiekonzernen im Wettbewerb um ausgebildete Spezialisten.

In diesem Jahr wurde nun unter dem Titel „Bündnis für Arbeit 2016“, ein lebensphasenorientiertes Arbeitszeitmodell eingeführt. Damit will das Unternehmen flexibel auf die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Mitarbeiter im Laufe eines Berufslebens eingehen. Alle zwei Jahre können die Mitarbeiter ihre wöchentliche Arbeitszeit neu regeln – erweitern oder verkürzen. Grundlage ist immer eine vertragliche Basisarbeitszeit zwischen 15 und 40 Stunden pro Woche, die nach den zwei Jahren erneut gilt, wenn nicht eine neue Wahlarbeitszeit vereinbart wird. Damit können Mitarbeiter die Arbeitszeit an ihre individuellen Lebensentwürfe anpassen – in jungen Jahren mehr Stunden arbeiten, während der Familiengründung die Arbeitszeit reduzieren und im Anschluss wieder erhöhen. Ergänzt wird das Modell um zwei weitere Regelungen. Bis zu 1000 Stunden können Mitarbeiter auf einem Konto sammeln um diese dann in einem oder mehreren Blöcken als Auszeit, beispielsweise für Weiterbildungsmaßnahmen, zu nutzen. Außerdem bietet Trumpf die Möglichkeit eines bis zu zwei Jahren dauernden Sabbaticals. Die gewünschte Zeit wird vor- oder nachgearbeitet, während das Gehalt angepasst und über die gesamte Zeit bezahlt wird. Das Konzept findet bei den Beschäftigten großen Anklang, mehr als 600 Mitarbeiter haben bereits einen Antrag auf Veränderung der Arbeitszeit gestellt, meist auf eine Verlängerung.

Neben diesen Kernbausteinen bietet das „Bündnis für Arbeit 2016“ auch Aspekte der Gewinnbeteiligung und Altersvorsorge. Jeder Mitarbeiter kann eine oder zwei Stunden pro Woche in seine betriebliche Altersvorsorge investieren. Am Jahresende werden die Stunden (43 bzw. 86 Stunden) in einen Altersvorsorgebaustein umgewandelt, das Unternehmen legt dann noch einen Zuschlag von 12,5 Prozent oben drauf. Ab 2012 werden die Mitarbeiter zudem am Gewinn des Unternehmens beteiligt.

Weitere Information zu einer lebensphasenorientierten Personalpolitik bietet eine gleichnamige Broschüre des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums. Neben Anleitungen zur Einführung entsprechender Modelle enthält diese auch Erfahrungsberichte von Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung.