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Flower Label Programm: Reform oder Aus?

Nach finanziellen Schwierigkeiten im FLP-Programm sind NGOs und die Gewerkschaft ausgestiegen. Der FLP-Vorstand plant einen Neuanfang mit einem differenzierten und transparenten Siegel-System. CSR NEWS sprach mit beiden Seiten.

Köln (csr-news) – Das Flower Label Programm (FLP), ein Zertifikat für sozial und ökologisch nachhaltig produzierte Blumen, steckt in der Krise. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten war die Geschäftsstelle zum Jahresende 2011 einige Wochen unbesetzt. Dem Vernehmen nach bereiten nicht nur eine immer geringere Teilnehmerzahl, sondern auch säumige Zahler dem Verein Schwierigkeiten. Auf seiner Vollversammlung hatte das FLP im November beschlossen, die bestehenden Zertifizierungen bis zum Sommer 2012 „einzufrieren“ und bis dahin ein neues Konzept zu erarbeiten. Zum Jahresanfang sind nun die Nichtregierungsorganisationen FIAN Deutschland und Österreich, Brot für die Welt und terre des hommes aus dem Flower Label Program ausgetreten, ebenso die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG-BAU). Als Grund für ihren Austritt teilten sie mit, das FLP sei angesichts fehlender Finanzen nicht mehr handlungsfähig und es bestehe dadurch die Gefahr eines Missbrauchs dieses Siegels. Zudem konnten sich die NGOs nicht mit ihrem Vorschlag durchsetzen, das FLP in das Fairtrade-Programm zu überführen.

Gegenüber CSR NEWS wies FIAN-Vorstand Joachim Vorneweg auf die Verdienste des FLP-Labels hin. Das FLP, das unter der Bezeichnung Blumen-Kampagne begonnen hatte, habe mit seinem „Internationalen Standard für die sozial- und umweltverträgliche Produktion von Schnittblumen“ einen Kodex entwickelt, dem sich auch andere Organisationen angeschlossen hätten. Allerdings habe sich der Handel nie ausreichend auf die Seite des FLP-Programms gestellt oder sichtbar genug dafür geworben. Kunden hätten Hinweise auf diese Zertifizierung in den Läden „mit der Lupe suchen“ müssen. Ein Problem sei auch die Vielzahl der Siegel. Vorneweg: „Im fairen Handel gibt es einen bunten Siegel-Wald, der den Verbraucher nicht nur bereichert, sondern auch ein bisschen irritiert.“ Für eine Überführung des FLP in das Fairtrade-Zertifizierungssystem spreche, dass dort bereits Schnittblumen zertifiziert werden und das Fairtrade-Siegel einen hohen Bekanntheitsgrad besitze. Außer Fairtrade und FLP zertifiziert noch das niederländische Fair Flowers Fair Plants (FFP) Schnittblumen.

Auf eine Zukunft für das FLP-Label setzt dagegen FLP-Vorstand Karlheinz Kröll. Gegenüber CSR NEWS sagte Kröll, er könne sich ein „modulares Ticket-Konzept“ vorstellen. Über die den Blumen beigefügten und mit QR-Codes versehenen Tickets könnten Verbraucher dann unmittelbar auf Informationen über den Produzenten der Blumen und deren Handelskette zugreifen. So ließe sich ein Höchstmaß an Transparenz erzielen. Neben dem Grundstandard könnten in diesem System wahlweise Qualitätsmerkmale wie „regional“, „biologisch angebaut“ oder „CO2-neutral“ erfasst werden, was den unterschiedlichen Herausforderungen von Herstellern in Europa, Südamerika und Afrika entgegen komme. So könne das Siegel zugleich sein „Dritte-Welt-Image“ abschütteln. Bis zur nächsten Vollversammlung im Juni soll das neue Siegelsystem konzipiert werden. Kröll setzt für dieses System auf die Zusammenarbeit mit NGOs in den Blumenerzeugerländern – und darauf, dass dann auch die deutschen und österreichischen NGOs wieder an Bord kommen.

Das FLP im Internet