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Geflügelwirtschaft wirft BUND nach Antibiotika-Studie Panikmache vor

Nach den Enthüllungen des BUND zu Antibiotika in Hähnchenfleisch wirft die Geflügelwirtschaft der Umweltorganisation Panikmache vor. Die BUND-Erhebung verunsichere die Verbraucher, statt die Debatte zu versachlichen. Die Naturschutzorganisation hatte mitgeteilt, Hähnchenfleisch aus Supermärkten und Discountern sei offenbar zu großen Teilen mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.

Osnabrück (afp) – Nach den Enthüllungen des BUND zu Antibiotika in Hähnchenfleisch wirft die Geflügelwirtschaft der Umweltorganisation Panikmache vor. „Die BUND-Erhebung ist überhaupt nicht hilfreich. Im Gegenteil: Das ist pure Angstmache“, sagte der Geschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), Thomas Janning, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Sie verunsichere die Verbraucher, statt die Debatte zu versachlichen. Janning wies darauf hin, dass es sich nicht um eine repräsentative Studie handele. Gleichzeitig aber betonte er, er nehme das Thema „außerordentlich ernst“.

Auch der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born, sieht in der Erhebung des BUND „keine wirklich neuen Erkenntnisse“. Die Menge an eingesetzten Antibiotika sei sogar rückläufig, sagte Born der „NOZ“. Der BUND attackiere zudem die Massentierhaltung, „ohne zu definieren, was er darunter versteht“. Der BUND hatte zuvor bekanntgegeben, dass bei 20 Stichproben von Hähnchenfleisch aus Supermärkten und Discountern etwa jede zweite mit antibiotikaresistenten Keimen belastet war.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte am Montag in Berlin mitgeteilt, Hähnchenfleisch aus Supermärkten und Discountern sei offenbar zu großen Teilen mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Bei Stichproben seien auf jeder zweiten Probe solche Keime gefunden worden. Die Keime fanden sich laut BUND auf zehn von 20 Stichproben, die in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und im Raum Stuttgart gekauft wurden. Die gefundenen Keime könnten bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu schweren und sogar lebensgefährlichen Erkrankungen führen – wegen ihrer Resistenz aber nicht mehr wirkungsvoll mit Antibiotika bekämpft werden. Der „fortgesetzte Antibiotika-Missbrauch“ sei verantwortlich dafür, dass wichtige Medikamente ihre lebensrettende Wirkung verlieren könnten, warnte der BUND.

Die gefährlichen Keime entstünden, weil in der industriellen Tierhaltung große Mengen Antibiotika eingesetzt würden. Die Kontamination von Lebensmitteln sei ein „Warnsignal“ vor den „Kollateralschäden der industriellen Tierhaltung“, erklärte der Verband. „Hähnchen, Hühner, Schweine und Kälber leiden millionenfach unter inakzeptablen Haltungsbedingungen und erkranken daran“, erklärte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. Bekämen sie keine Antibiotika verabreicht, hielten sie in vielen Fällen nicht bis zum Schlachten durch.

Subventionen für die industrielle Fleischerzeugung müssten abgeschafft und die Haltungsbedingungen für Nutztiere deutlich verbessert werden, forderte der BUND. Auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten erklärte, langfristig sei die Abschaffung der Intensivtierhaltung die einzige Möglichkeit, um Menschen und Umwelt vor resistenten Keimen zu schützen.