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Kirchenleiter: 500.000 Tonnen Brot landen jährlich auf dem Müll

„Die Ungerechtigkeit der Lebensmittelverteilung wird durch Lebensmittelverschwendung und Lebensmittelvernichtung noch potenziert.“ Das sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Allein von Bäckereien würden jährlich 500.000 Tonnen Brot weggeworfen. Nach seinen Worten gibt es einen globalen Zusammenhang zwischen Lebensmittelverschwendung und Hunger.

Bad Neuenahr (csr-news) – „Die Ungerechtigkeit der Lebensmittelverteilung wird durch Lebensmittelverschwendung und Lebensmittelvernichtung noch potenziert.“ Das sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, am 9. Januar auf der Synode seiner Kirche in Bad Neuenahr. Allein von Bäckereien würden jährlich 500.000 Tonnen Brot weggeworfen. „Die Kunden, die Ketten, der ‚Markt‘ verlangen das“, so Schneider. Nach seinen Worten gibt es einen globalen Zusammenhang zwischen Lebensmittelverschwendung und Hunger: „Je mehr wir wegwerfen, desto höher wird der Preis.“ Der Weizenpreis habe sich 2008 verdoppelt und Menschen in wirtschaftlich armen Regionen konnten sich nicht mehr ausreichend mit Lebensmitteln versorgen. Der Präses weiter: „Hinzu kommt die Spekulation mit Lebensmitteln, die den Hungertod von Menschen in Kauf nimmt.“

Schneider, zugleich Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wies auch auf das Problem des „land-grabbing“ hin – den großflächigen Ankauf oder die Pacht von landwirtschaftlichen Flächen durch öffentliche oder private Investoren. Die staatlich verordnete Beimengung von Agrartreibstoffen an den Tankstellen von Industrie- und Schwellenländer erzeuge einen Ressourcenkonflikt, der zu dieser Entwicklung geführt hätte.

In seiner Rede vor der Synode ging Schneider auch auf den Umgang der Politik mit der Finanzkrise ein. Hier würden Interessen des Gemeinwohls zugunsten von Klientelpolitik zurückgestellt, kritisierte er. Die Occupy-Bewegung zeige, „dass das Bemühen der Politik, den ‚Casino-Kapitalismus‘, organisierte Verantwortungslosigkeit und Gier zu zähmen, Unterstützung aus der Bevölkerung erfährt“. In Deutschland öffne sich die Schere zwischen Arm und Reich. Mit Blick auf die Mindestlohndebatte sagte Schneider: „Wir brauchen deshalb politische Regelungen, die Menschen vor Ausbeutung im Niedriglohnsektor schützen.“

In Bezug auf ihr Eintreten für ein „Wirtschaften für das Leben“ habe ein Skandal in einem eigenen Unternehmen der Kirche geschadet, räumte der Präses ein: Die Tochtergesellschaft bbz Beihilfe- und Bezügezentrum in Bad Dürkheim hatte bei riskanten Finanzgeschäften Schiffbruch erlitten und musste von der Kirche mit 20 Millionen Euro vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet werden.