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Vertiefungsstudien zum Umweltbewusstsein in Deutschland

Dass der Umweltschutz in Deutschland einen hohen Stellenwert besitzt, hat bereits eine Studie zum Umweltbewusstsein des Umweltbundesamtes im Jahr 2010 ergeben. Nun sind zu dieser Untersuchung drei Vertiefungsstudien erschienen: Eine Betrachtung verschiedener gesellschaftlicher Milieus, ein Blick auf das Engagement sowie eine Untersuchung zum Umweltverhalten junger Menschen. Drei Studien, die die Nachhaltigkeitskommunikation bereichern können.

Dessau (csr-news) > Dass der Umweltschutz in Deutschland einen hohen Stellenwert besitzt, hat bereits eine Studie zum Umweltbewusstsein des Umweltbundesamtes im Jahr 2010 ergeben. Nun sind zu dieser Untersuchung drei Vertiefungsstudien erschienen: Eine Betrachtung verschiedener gesellschaftlicher Milieus, ein Blick auf das Engagement sowie eine Untersuchung zum Umweltverhalten junger Menschen. Drei Studien, die die Nachhaltigkeitskommunikation bereichern können.

Die erste Vertiefungsstudie beschäftigt sich mit dem Umweltbewusstsein unter dem Aspekt der Gerechtigkeit in verschiedenen gesellschaftlichen Milieus. Hintergrund ist die unterschiedliche soziale Verteilung von Umweltbelastungen und ihr Einfluss auf die Lebensqualität. Dabei wurden insbesondere sozial benachteiligte Milieus betrachtet, weil auf Grundlage bestehender Untersuchungen eine überproportionale Belastung zu vermuten war. Tatsächlich wurden dieses Vermutungen bestätigt, soll heißen, dass sich am unteren Ende der deutschen Gesellschaft auch die Umweltbelastungen häufen. „Es sind vor allem Angehörige des prekären Milieus und der Hedonisten, die an lauteren Straßen wohnen, in Quartieren leben, die mit wenig Grün ausgestattet sind, die in ihrem Alltag weniger Zugang zur Natur insgesamt finden, und die aus vielfältigen Gründen Nahrungsmittel und Verbrauchsgüter konsumieren, die weniger gesund und nachhaltig sind“, so die Autoren der Studie. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die objektiv vorhandenen Mehrbelastungen nicht automatisch zu einer subjektiven Belastung der Betroffenen führen. Vielmehr ist meist das Gegenteil der Fall, je besser Menschen gestellt sind, umso höher sind sie für Umweltfragen sensibilisiert und desto höher auch das Klagen über Umweltbelastungen. Problematisch ist für die Autoren die Tatsache, dass eine Gerechtigkeitsdiskussion im Hinblick auf Umweltbelastungen in der Politik praktisch nicht stattfindet. Sie rufen dazu auf, diese Gruppe – immerhin ein gutes Drittel der Bevölkerung – in den ökologischen Diskurs aufzunehmen.

In der zweiten Vertiefungsstudie steht das Thema konkretes Umweltengagement im Mittelpunkt. Wie in der Grundlagenstudie festgestellt wurde, steigt sowohl das individuelle Verhalten beispielsweise durch umweltbewussten Konsum aber auch der Anspruch an Staat und Industrie seit Jahren an. Um dies besser zu verstehen, haben die Autoren eine Typologie erstellt, die vier Handlungsmuster umfasst. Konkret soll eigenes Engagement von der Delegation der Verantwortung beispielsweise an den Staat abgegrenzt werden. Die größte Gruppe mit 46 Prozent ist der Meinung „andere Probleme sind wichtiger“. Das Fazit der Autoren: „Angesichts der Tatsache, dass fast jeder zweite Deutsche diesem Handlungstypus zuzuordnen ist, zeigt, dass die Umweltkommunikation noch vor großen Herausforderungen steht“.
Der dritte Teil der Vertiefungsstudien untersucht detailliert das Umweltbewusstsein der jüngeren Generation (18-29 Jahre alt). Wie die Grundlagenstudie zeigte, ist die Sensibilisierung in dieser Bevölkerungsgruppe besonders hoch, das konkrete umweltbewusste Verhalten hält allerdings nicht mit den eigenen Ansprüchen Schritt. Eine eigene Nutzenkalkulation kennzeichnet große Teile dieser Gruppe, gleichwohl werden junge Erwachsene aus bildungsfernen Schichten immer stärker abgehängt. Kernthema der Jungen ist der Klimawandel, sie stehen Maßnahmen zum Schutz des Klimas offen gegenüber und sind, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, stärker gegen die Nutzung von Atomstrom. Beim eigenen Verhalten zeigt sich diese Generation allerdings weniger umweltfreundlich als die Gesamtbevölkerung. Beispielsweise spielt das Kaufen und Konsumieren ökologischer Produkte für sie eine geringe Rolle. Dagegen ist das persönliche Engagement in Umwelt- und Naturschutzverbänden gegenüber der Gesamtbevölkerung deutlich höher ausgeprägt und hat sich zudem in den letzten Jahren vervierfacht. Wichtige Anforderung an die Umweltkommunikation ist nach Auffassung der Autoren, sich den bildungsfernen Schichten zuzuwenden. In dieser Gruppe wird die Umweltproblematik als zu abstrakt wahrgenommen und entsprechend abgelehnt. Persönliches Engagement ist in dieser Gruppe kaum zu finden.