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Wirtschaftsverbände fordern Abschaffung von Raucherpausen

Verbände der mittelständischen Wirtschaft haben eine Abschaffung von Raucherpausen in der Arbeitszeit gefordert. “Raucherpausen kosten die Betriebe bares Geld und stören den Arbeitsablauf”, sagte Mario Ohoven, vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) der “Bild”-Zeitung. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach bezeichnete diese Aussagen der Verbände als “grotesk”.

Berlin (afp) – Verbände der mittelständischen Wirtschaft haben eine Abschaffung von Raucherpausen in der Arbeitszeit gefordert. “Raucherpausen kosten die Betriebe bares Geld und stören den Arbeitsablauf”, sagte Mario Ohoven, vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) der “Bild”-Zeitung vom Freitag. Die SPD warnte hingegen vor einer Diskriminierung von Rauchern, und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) betonte die Notwendigkeit von Pausen.

Ohoven sagte der Zeitung, Vorbild sei Schweden, wo viele Firmen das Konzept “rauchfreie Arbeitszeit” umsetzten. Auch der Bonner Unternehmerverband mittelständische Wirtschaft (UMW) sprach sich für die Zigarette in der Mittagspause oder erst nach Feierabend aus. “Extra-Pausen für Raucher müssen abgeschafft werden”, sagte die Vorstandsvorsitzende Ursula Frerichs der Zeitung. “Es kann nicht sein, dass Nichtraucher bestraft werden.” Da Raucher oft zusammen stünden und dann mehrere Zigaretten rauchten, könne im Zweifel der gesamte Betrieb lahmgelegt werden.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach bezeichnete diese Aussagen der Verbände als “grotesk”. Pausen seien angesichts der “zunehmenden Arbeitshetze nötiger denn je”, erklärte sie. Arbeitgeber dürften den Druck am Arbeitsplatz daher nicht noch weiter erhöhen. Martina Perreng vom DGB merkte zu der Forderung der Wirtschaft an: “Das wird kaum zum Betriebsfrieden beitragen.”

Auch aus der SPD kam Kritik an dem Vorstoß. Er sei zwar für einen strengen Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz, sagte Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der Zeitung. “Aber: Ein Rauchverbot in kleinen Pausen vor der Tür wäre eine massive Diskriminierung.” Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erklärte, es sei Sache jedes einzelnen Unternehmens, solche Entscheidungen zu treffen; ein zusätzliches Gesetz sei überflüssig.

Tatsächlich ist das Rauchen am Arbeitsplatz durch die Arbeitsstättenverordnung klar geregelt. In ihrer neuen Fassung hat jeder Arbeitnehmer seit 2002 ein Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Es obliegt den Unternehmen, zusammen mit den Sozialpartnern die dafür notwendigen Maßnahmen einzuleiten, etwa einen separaten Raucherraum einzurichten oder bei Konferenzen Raucherpausen einzulegen. Damit wäre auch eine gänzliche Abschaffung der Raucherpausen Sache des Unternehmens und dann möglich, wenn alle Beschäftigten dem zustimmen.

Der Deutsche Zigarettenverband sieht in dieser Verordnung eine “pragmatische und gute Lösung”, wie eine Sprecherin sagte. Weitere Gesetze seien daher unnötig. In einem Positionspapier des Verbands heißt es, die Verordnung biete “genügend Spielraum” für alle Seiten. Ein “Totalverbot” könne dies nicht leisten und würde den Betrieben vielmehr die Selbstbestimmung entziehen.

Kommentar

  • Ich bin selbst Raucherin, rauche allerdings nicht während der Arbeitszeit, denn meine Pfeife zünde ich nur in Mußestunden an. Ich habe immer wieder in Firmen gearbeitet, in denen es auch Raucher gab. Wenn diese dann eine Rauchpause machten, fühlte ich mich nicht benachteiligt, denn auch ich habe kurze Pausen eingelegt, um das Fenster zu öffnen und frische Luft zu schnappen, die Beine kurz zu vertreten und auf neue Ideen für meine Arbeit zu kommen. Kleine Pausen sind also wichtig und völlig normal.

    Ich bezweifle, dass es Herrn Ohoven und seinen Mitstreitern um den Betriebsfrieden oder gar die Gesundheitsförderung von Mitarbeitern geht, hat er doch in seinem Statement ganz klar vorgerechnet, was die Pausen die Firmen angeblich kosten wegen des Arbeitszeitausfalls.

    Deshalb sage ich es noch einmal: Pausen sind wichtig, völlig normal und verbessern die Konzentrationsfähigkeit und damit auch die Produktivität. Sie haben also eine positive Auswirkung auf die Firmen.

    Satirisch schlage ich deshalb Herrn Ohoven und seinen Unterstützern Folgendes vor: Damit wirklich gleiches Recht für alle gilt, sollten sie Pausen grundsätzlich verbieten. Jeder Mitarbeiter darf pro Tag höchstens ein Brötchen und ein 0,5-Liter-Getränk nebenbei während des Arbeitsprozesses an seinem Arbeitsplatz zu sich nehmen und sollte Inkontinenzprodukte tragen, denn Toilettengänge werden nur im äußersten Notfall erlaubt. Damit kann die Firma dann auch Wasserkosten einsparen.

    Alternativ sollten Herr Ohoven und seine Unterstützer überlegen, ob es nicht doch am allerbesten ist, wenn sie gar keine Menschen mehr beschäftigen und nur noch Computer und Maschinen einsetzen. Gerade die Kunden werden hiervon bestimmt begeistert sein.

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