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CSR – auch für Genossenschaften?

Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Für UNO-Generalsekretär Ban-Ki Moon gilt es, die in Genossenschaften übliche Verbindung von Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung zu betonen. Das genossenschaftliche Institut der Universität Köln leitete das Jahr mit einer Veranstaltung zum Thema CSR ein.

Köln (csr-news) > Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Für UNO-Generalsekretär Ban-Ki Moon gilt es, die in Genossenschaften übliche Verbindung von Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung zu betonen. Das genossenschaftliche Institut der Universität Köln leitete das Jahr mit einer Veranstaltung zum Thema CSR ein.
„Die Idee der Genossenschaften wird meist als positiv wahrgenommen“, so Prof. Hans Jürgen Rösner, Direktor des genossenschaftlichen Instituts der Universität Köln, zum Ergebnis einer Untersuchung unter Studenten im eigenen Haus. Auch wenn die Mehrheit eine eher diffuse Vorstellung von Genossenschaften hatte und sich kaum einer für ein Studium am Institut entscheiden wollte, so wahr der Tenor doch „irgendwie gut“. Dabei ist das Prinzip der Genossenschaften schon sehr alt, lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Rösner: „Trotzdem wird das Genossenschaftswesen inzwischen von der BWL gar nicht mehr als eigenständiger Unternehmenstypus beachtet“. Dass macht die zwei wesentlichsten Probleme deutlich: „Die Genossenschaften haben nicht nur ein Wahrnehmungsproblem, sondern sie haben auch ein Kommunikationsproblem.“ Weltweit gibt es mehr als 800 Millionen Genossenschaftsmitglieder in über 100 Ländern. Mehr als 100 Millionen Arbeitsplätze werden von Genossenschaften bereitgestellt – in manchen Regionen sind Genossenschaften die größten Arbeitgeber. Auch in Deutschland gelten sie als bedeutender Wirtschaftsfaktor, mit mehr als 840.000 Beschäftigten und rund 35.000 Ausbildungsplätzen.
Woraus leitet sich nun eine besondere Verantwortung von Genossenschaften ab? Letztlich diente eine Genossenschaft zunächst auch nur der Förderung eigener Interessen. Erst durch die Novellierung des Genossenschaftsgesetzes 2006 wurden ausdrücklich soziale und gesellschaftliche Aspekte einbezogen. Möglicherweise liegt verantwortungsvolles Handeln schon im genossenschaftlichen Prinzip. Hans Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbands (RWGV) mit der These: „Wenn Gesellschaft Unternehmen gründet, entsteht dann nicht automatisch gesellschaftliche Verantwortung“? Rösner verwies auf Charles Gide, den französischen Ökonom, der die genossenschaftliche Idee auf ein Gesellschaftsmodell übertrug und noch heute zahlreiche Anhänger in der französischen Wirtschaft hat. Tatsächlich scheint die von einer Gemeinschaft getragene Unternehmung vor manchem Unheil befreit. Pfeifer verwies auf die Leistungen genossenschaftlicher Banken während der Finanzkrise: „Die Volks- und Raiffeisenbanken sind ohne Probleme durch die Krise gekommen, nur ist das den Wenigsten bekannt“. Damit zeigt sich dann wieder das von Rösner benannte Kommunikationsproblem. Er zeigte sich erfreut über die neue CSR-Strategie der Europäischen Kommission, die ausdrücklich den genossenschaftlichen Gedanken als besonders förderlich für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln hervorgehoben hat. Trotzdem gab er auch Dr. Martin Küssner von REWE die Aufgabe mehr Kommunikation mit auf den Weg. Küssner stellte beispielhaft für eine Genossenschaft die hauseigene CSR-Initiative „Pro Planet“ vor. Er sieht die gelebten Werte der Genossenschaften als ihren Vorteil: „Nachhaltigkeit ist für Genossenschaften leichter umzusetzen, weil bei ihnen ein anderer Wertekanon vorherrscht“. Für REWE beruht dieser auf sechs Prinzipien. Unter anderem heißt es dort: „Wir sind uns unsrer Verantwortung bewusst und handeln nachhaltig“. Aus diesem Prinzip leiten sich alle konkreten Maßnahmen ab, so Küssner. Mit einem Augenzwinkern lobte Prof. Rösner das sportliche Engagement von REWE: „Ich bin erstaunt, mit welcher Treue sie zum 1. FC Köln stehen, egal wie oft der verliert – wenn das nicht soziale Verantwortung ist.“