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BASF verlagert grüne Gentechnik komplett in die USA

Wegen der breiten Ablehnung der Gentechnik in der Landwirtschaft in Europa verlagert der deutsche Chemiekonzern BASF diese Sparte komplett in die USA. BASF sei überzeugt, dass die grüne Gentechnik „eine der Schlüsseltechnologien“ des 21. Jahrhunderts sei, erklärte das Unternehmen. Es fehle aber „in weiten Teilen Europas immer noch die entsprechende Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker“.

Ludwigshafen (afp) – Wegen der breiten Ablehnung der Gentechnik in der Landwirtschaft in Europa verlagert der deutsche Chemiekonzern BASF diese Sparte komplett in die USA. Die Zentrale der BASF-Pflanzengentechnik werde von Limburgerhof nahe Ludwigshafen in den US-Bundesstaat North Carolina verlegt, teilte BASF am Montag in Ludwigshafen mit. CDU und FDP sehen in dem Schritt eine schlechte Nachricht für den Wirtschaftsstandort Europa.

BASF sei überzeugt, dass die grüne Gentechnik „eine der Schlüsseltechnologien“ des 21. Jahrhunderts sei, erklärte das Unternehmen. Es fehle aber „in weiten Teilen Europas immer noch die entsprechende Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker“. Investitionen in Produkte, die ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichtet seien, seien daher nicht sinnvoll, teilte BASF-Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski mit. BASF wolle sich deshalb „auf die attraktiven Märkte in Nord- und Südamerika und die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren“.

Die Entwicklung und der Verkauf aller Produkte, die allein für den europäischen Markt gedacht waren, werden daher gestoppt. Dies betrifft die gentechnisch veränderten Stärkekartoffeln Amflora, Amadea und Modena, die gegen Kraut- und Knollefäule resistente Kartoffel Fortuna, eine weitere Stärkekartoffel sowie eine gegen Pilzbefall resistente Weizensorte. Bereits eingeleitete Zulassungsprozesse werden fortgeführt.

Amflora war 2010 nach einem 13-jährigen Verfahren für die Produktion von Industrie-Stärke in der EU zugelassen worden. 2011 wurde die Sorte – auch wegen starker Proteste – in Deutschland und Schweden auf ganzen zwei Hektar angebaut. Die Akzeptanz für grüne Gentechnik habe weiter abgenommen, nachdem BASF versehentlich die noch nicht genehmigte Fortuna-Kartoffel in Schweden anpflanzte, räumte Marcinowski in einer Telefonkonferenz ein.

„Die Entscheidung von BASF ist ein konsequenter Schritt und ein klares Zeichen angesichts der ausgebliebenen Entwicklung in der grünen Gentechnik in Europa“, sagte der Greenpeace-Experte für nachhaltige Landwirtschaft, Dirk Zimmermann, der Nachrichtenagentur AFP. „Das ist ein Erfolg, der ohne die Verbraucher so nicht möglich gewesen wäre.“

CDU und FDP deuteten die Entscheidung des Konzerns als schlechte Nachricht für Europa. „Sie zeigt, dass der Flickenteppich an nationalen Regelungen in diesem Bereich Europa zu einem unattraktiven Standort gemacht hat“, erklärte der EU-Abgeordnete Werner Langen (CDU). „Die grüne Gentechnik muss in Europa wieder positiv besetzt und gefördert werden.“ Die FDP-Europaparlamentarierin Britta Reimers kritisierte: „Die europäische Angewohnheit, technologische Neuerungen nicht als Chance, sondern hauptsächlich als Bedrohung wahrzunehmen, rächt sich.“

Die Bereiche Entwicklung und Forschung will BASF Plant Science künftig an drei Standorten bündeln: Raleigh in North Carolina, Gent in Belgien und in Berlin. In der Bundeshauptstadt will BASF das Biotechnologie-Unternehmen Metanomics ausbauen. Geschlossen werden sollen hingegen die Standorte in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) und im schwedischen Svalöv.