Nachrichten

Einzelhändler warnen vor Einschränkungen bei Ladenöffnungszeiten

Deutsche Einzelhändler haben eindringlich vor einer möglichen Einschränkung der Ladenöffnungszeiten in Nordrhein-Westfalen gewarnt. Das sei „praxisfremd und altmodisch“, sagte Rewe-Chef Alain Caparros der Tageszeitung „Die Welt“ mit Blick auf entsprechende Überlegungen in der rot-grünen Landesregierung. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begrüßt dagegen die Diskussion in NRW.

Berlin (afp) – Deutsche Einzelhändler haben eindringlich vor einer möglichen Einschränkung der Ladenöffnungszeiten in Nordrhein-Westfalen gewarnt. Das sei „praxisfremd und altmodisch“, sagte Rewe-Chef Alain Caparros der Tageszeitung „Die Welt“ vom Montag mit Blick auf entsprechende Überlegungen in der rot-grünen Landesregierung. Sollte die Politik ihre Pläne umsetzen, seien allein bei Rewe „tausende Arbeitsplätze gefährdet“.

Caparros befürchtet nach eigenen Worten zudem einen „Präzedenzfall“. Wenn in Nordrhein-Westfalen die Öffnungszeiten wieder stärker reglementiert würden, könnte das Signalwirkung für ganz Deutschland haben, sagte der Rewe-Chef. Der Konzern öffnet viele seiner Supermärkte bis 24.00 Uhr. Laut Caparros erwirtschaftet der Konzern in den Rewe-Supermärkten und Penny-Discountern in NRW zwischen 20.00 und 22.00 Uhr mehr als zehn Prozent des Wochenumsatzes. In den Rewe-Märkten, die bis Mitternacht geöffnet haben, kämen in der Zeit von 22.00 bis 24.00 Uhr noch einmal zwei bis drei Prozent Umsatz hinzu.

Auch die Metro-Tochter Real sieht keinen Grund für Einschränkungen bei den Ladenöffnungszeiten. „Von den Kunden wird das sehr gut angenommen“, sagte Real-Chef Roland Neuwald der „Welt“. Mit den Mitarbeitern seien gute Regelungen gefunden worden, und für die Händler rechne es sich. „Wir erkennen also keine Notwendigkeit, warum man den Menschen das Einkaufen nach 20 Uhr wieder verbieten sollte“, sagte Neuwald.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begrüßt dagegen die Diskussion in NRW. „Wir schauen mit großem Interesse nach Nordrhein-Westfalen, denn die Debatte um notwendige Öffnungszeiten ist längst überfällig“, sagte Verdi-Einzelhandelsexperte Ulrich Dalibor der Zeitung. „Der Trend zur Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft muss gestoppt werden, sonst bleibt die Lebensqualität auf der Strecke“, forderte Dalibor.

Der Fraktionschef der NRW-CDU, Karl-Josef Laumann, wandte sich gegen Einschränkungen. „Die meisten Läden schließen ohnehin um 22.00 Uhr und nutzen die Öffnungszeiten bis 24.00 Uhr nicht aus“, sagte Laumann der „Welt“. Er habe viele E-Mails bekommen von Verkäuferinnen, die gerne abends arbeiteten, weil dann der Partner die Kinder beaufsichtigen könne. Eine Zunahme von Minijobs aufgrund der längeren Öffnungszeiten sehe er auch nicht.