Nachrichten

Verbraucherschützer tadeln lasche Regeln für Kinderwerbung

Verbraucherschützer haben strengere Regeln für die Lebensmittelwerbung für Kinder gefordert. Selbstverpflichtungen der Wirtschaft hätten bisher „keine ausreichende Wirkung“ gezeigt. Mit Produkten extra für kleine Kinder fördere die Industrie außerdem falsche Ernährungsgewohnheiten und verunsichere die Eltern.

Berlin (afp) – Verbraucherschützer haben strengere Regeln für die Lebensmittelwerbung für Kinder gefordert. Selbstverpflichtungen der Wirtschaft hätten bisher „keine ausreichende Wirkung“ gezeigt, kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Dienstag in Berlin. Mit Produkten extra für kleine Kinder fördere die Industrie außerdem falsche Ernährungsgewohnheiten und verunsichere die Eltern.

Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, „dass die Verhaltensregeln der deutschen Werbewirtschaft konkretisiert und vor allem überwacht werden“, heißt es in einer Untersuchung des vzbv zu Lebensmitteln für Kinder und Kleinkinder. „Wir brauchen einen klaren Rahmen, ein anständiges Monitoring und wirkungsvolle Sanktionen bei Fehlverhalten“, forderte vzbv-Vorstand Gerd Billen.

Kinder seien für Marketingstrategen besonders interessant, führen die Verbraucherschützer aus: Sie lernten schnell, gingen unerfahrener und unkritischer mit Botschaften um und könnten bis zum Alter von fünf Jahren gar nicht zwischen Werbung und anderen Inhalten unterscheiden. Zwar habe sich die Werbewirtschaft 2009 Verhaltensregeln für die an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung gegeben, diese seien jedoch so allgemein formuliert, „dass es kaum zu Veränderungen kam“.

Im Gegenteil: Eine Studie der Universität Hamburg zeigte, dass im Jahr 2010 – also nach Einführung der Selbstverpflichtung – in Fernseh-Kinderprogrammen mehr Werbespots für Lebensmittel liefen als in den Jahren 2007/2008. Der Anteil stieg demnach im genannten Zeitraum von 14,5 Prozent auf 18,5 Prozent an. Auch der Anteil der Werbespots für Produkte mit ungünstigen Nährwertprofilen – also etwa mit viel Zucker oder viel Fett – nahm der Untersuchung zufolge in dieser Zeit zu: von 88,2 Prozent auf 98,2 Prozent.

Den Verbraucherschützern zufolge spielt neben dem Fernsehen auch das Internet eine immer bedeutendere Rolle beim Kampf um junge Kunden. Auf den Verpackungen von Kinderlebensmitteln werde gerne mit dem Hinweis auf kostenlose Spiele auf die Webseite der Hersteller verwiesen. Dort fände sich „eine eigene Internetwelt“ voller interessanter Angebote für Kinder, schreiben die Verbraucherschützer. Das spreche die jungen Nutzer emotional an.

Gleichzeitig achten Hersteller nach Auffassung der Verbraucherschützer bei den speziell an Kinder vermarkteten Lebensmitteln aber zu wenig auf eine kindgerechte Zusammensetzung. Die Autoren fordern, auf umstrittene Azofarbstoffe zu verzichten. „Naheliegend“ sei auch ein genereller Verzicht auf Aromastoffe. Auch sollten Zucker und Fett nur in kindgerechten Mengen eingesetzt werden. Für „Kinder-Lebensmittel“ gebe es aber kaum rechtliche Rahmenbedingungen.

Im Gegensatz dazu gelten für Kleinkinderlebensmittel strengeren Regeln. Da sie zu den diätischen Lebensmitteln zählen, müssen sie beispielsweise auf Farb- und Konservierungsstoffe verzichten und dürfen nur wenig Salz enthalten. Notwendig seien Spezialmilch, -Pudding oder -Frühstücksflakes für kleine Kinder deshalb aber nicht, betonen die Verbraucherschützer. „Kleinkinder brauchen keine Extrawurst. Alle Lebensmittel müssen auch für Kleinkinder unschädlich sein“, erklärte Billen. Solche Produkte förderten vielmehr die Hinwendung zu Fertiggerichten und erhöhten die Gefahr der Überfütterung.