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Experten raten Schlecker zu Verzicht auf Markennamen

Die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker sollte nach Ansicht von Experten für einen Neuanfang ihren Markennamen aufgeben. „Als Marke hat Schlecker seine letzte Chance gehabt und verspielt“, sagte der Präsident des Art Directors Club Deutschland, Jochen Rädeker, der „Wirtschaftswoche“. Der alte Name und Markenauftritt stehe „für den Unterschicht-Billig-Drogeriemarkt.“

Düsseldorf (afp) – Die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker sollte nach Ansicht von Experten für einen Neuanfang ihren Markennamen aufgeben. „Als Marke hat Schlecker seine letzte Chance gehabt und verspielt“, sagte der Präsident des Art Directors Club Deutschland, Jochen Rädeker, der „Wirtschaftswoche“. Das Unternehmen verlor dem Magazin zufolge in den vergangenen fünf Jahren rund sechs Millionen Kunden.

„Wer immer die Kette oder Teile von ihr weiterführt, ist gut beraten, dass nicht unter dem Namen Schlecker zu tun“, sagte Rädeker der „WiWo“. Der alte Name und Markenauftritt stehe „für den Unterschicht-Billig-Drogeriemarkt.“ „Das war nicht Erlebniseinkauf, sondern Warenausgabestation“, sagte Rädeker. Den Namen der ebenfalls insolventen Schlecker-Tochter IhrPlatz hält der Markenexperte dagegen für „eine ernsthafte Option“. Den weniger angegriffenen Namen zu nutzen, „das ist Schleckers Chance“, zeigte sich Rädeker überzeugt.

Auch der Handelsexperte Manfred Hunkemöller riet der Drogeriemarktkette, künftig auf den bisherigen Markennamen zu verzichten. Zwar hätten aktuelle Verbraucheranalysen ergeben, dass Schlecker „eines der bekanntesten Handelsunternehmen Deutschlands“ sei, der Ruf der Kette sei aber „für einen erfolgreichen Neustart sehr schwer belastet“, sagte der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag. Auch er empfahl, auf den Namen IhrPlatz zu setzen.

Aus einer bisher unveröffentlichten Analyse der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung geht laut „WiWo“ hervor, dass Schlecker in den vergangenen fünf Jahren rund sechs Millionen Kunden verloren hat. „Allein 2011 wanderten rund zwei Millionen Kunden ab“, sagte GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth dem Magazin. Rund 40 Prozent von Schleckers „verlorenen Umsätzen“ landeten laut GfK bei Konkurrenten wie dm oder Rossmann. Verantwortlich für den Kundenschwund seien vor allem die zahlreichen Schließungen von Läden und das schlechte Image der Kette, sagte Adlwarth.

Das Land Baden-Württemberg stellte derweil potenziellen Investoren staatliche Hilfe in Aussicht. „Sollte das Insolvenzverfahren auf eine Investorenlösung hinauslaufen und ein Investor ein tragfähiges Konzept vorlegen, ist eine Bürgschaft des Landes Baden-Württemberg denkbar“, sagte der baden-württembergische Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) der „WiWo“. „Direkte Hilfskredite“ schloss er dagegen aus.

Schlecker hatte am Montag offiziell Insolvenzantrag gestellt. Die Drogeriemarktkette strebt den Erhalt des Unternehmens, eines großen Teils der Filialen und damit auch der Arbeitsplätze an. Auch IhrPlatz reichte am Donnerstag den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens ein.