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Produzenten in Schwellenländern zur Energieeffizienz helfen: ein Gespräch über „CPI2“

Eine Klimaschutzinitiative mit dem Titel „Carbon Performance Improvement Initiative“ (CPI2) haben acht deutsche Handels- und Markenunternehmen gestartet. „Schirmherr“ ist der Außenhandelsverband AVE, das Bundesumweltministerium unterstützt die Initiative. Die Unternehmen wollen in ihrer weltweiten Lieferkette jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2 einzusparen. Ein Interview:

Hamburg/Köln (csr-news) – Eine Klimaschutzinitiative mit dem Titel „Carbon Performance Improvement Initiative“ (CPI2) haben acht deutsche Handels- und Markenunternehmen gestartet. „Schirmherr“ ist der Außenhandelsverband AVE, das Bundesumweltministerium unterstützt die Initiative. Die Unternehmen wollen in ihrer weltweiten Lieferkette jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2 einzusparen. Erreicht werden soll dies durch die Unterstützung der Lieferanten beim effizienten Energieeinsatz – vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern. Mit einem Online-Tool sollen diese selbständig ihren Energieverbrauch evaluieren. Danach erhalten die Lieferanten konkrete Handlungsempfehlungen zum Energiesparen. Bei längerfristigen Maßnahmen bietet die CPI2 fachliche Begleitung an. Ende Januar traten HSE24, KiK, Otto Group, QVC, Reno, s.Oliver, Tchibo und Tom Tailor und die Unternehmensberatung Systain Consulting mit der Initiative an die Öffentlichkeit.

CSR NEWS befragte Projektmanager Christian Dietrich von Systain Consulting (Hamburg) dazu.

CSR NEWS: Ihre Initiative zielt auf die verbesserte CO2-Bilanz bei Lieferanten. Welche Rolle hat das Thema „Energieeffizienz“ bisher bei Nachhaltigkeitsaudits gespielt und was ist neu bei Ihrer Initiative?

Christian Dietrich: Die Carbon Performance Improvement Initiative CPI2 ist eine Initiative mehrerer großer Marken- und Handelsunternehmen mit dem Ziel, CO2 Emissionen bei der Produktion von Konsumgütern zu reduzieren. Da diese Emissionen direkt mit dem Energieverbrauch zusammenhängen, wird beim Thema effiziente Nutzung von Energie angesetzt. Um dies zu erreichen, wird ein Tool entwickelt, welches sämtliche Produktionsschritte analysiert und auswertet. Dabei werden einfache managementbezogene Maßnahmen wie zum Beispiel Wartungsprozesse, Ausbildung von Mitarbeitern und korrekter Einsatz von Technologie bis hin zu technisch komplexen, prozessspezifischen Maßnahmen untersucht. Die Umsetzung läuft pragmatisch mittels eines Online-Tools und verfolgt den Ansatz, Produzenten bei ihren Bemühungen zu unterstützen, indem konkrete Handlungs- und Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Bei CPI2 geht es nicht darum, ein Auditingsystem zu entwickeln, dem sich Produzenten unterwerfen müssen, sondern eben Unterstützung anzubieten und Verbesserungen anzustoßen.

Lieferanten in Entwicklungs- und Schwellenländern sehen sich einer zunehmenden Zahl an Auditierungsanforderungen gegenüber und sind davon wenig begeistert. Was kann Lieferanten von der Teilnahme an Ihrem Programm überzeugen – außer dem drohenden Verlust eines Kunden?

Energieeinsparmaßnahmen, die durch CPI2 vorgeschlagen werden, bedeuten bei Umsetzung nicht nur Verringerung von CO2-Emissionen, sondern eben auch Kostensenkung beim Anwender. CPI2 ist kein Auditierungsprogramm, sondern zielt auf Unterstützung der Anwender.

Der Unterschied zwischen „Schein und Sein“ ist gerade bei manchen asiatischen Zulieferern beachtlich. Ist ein Online-Tool zur Selbsteinschätzung da nicht ein schwaches Instrument? Wie erhält der Prozess Validität?

Das Bewertungssystem, mit dem das Tool arbeitet, stellt hier eine weitere Motivation dar in Form von Gold, Silber und Bronze. Die Bewertung ist so gestaltet, dass nur die Besten eine Topbewertung erreichen können. Hierzu müssen langfristige Investitionen in Verbesserungsmaßnahmen in der Fabrik getätigt werden. Auf diesem Level wird es eine Überprüfung der Richtigkeit vor Ort geben, deren Kosten und Aufwand aber marginal im Vergleich zu den möglichen Vorteilen auf Seiten des Produzenten sind.

Sie werben um neue Mitglieder für Ihre Initiative: Mit welche Verpflichtungen und Kosten müssen Interessenten rechnen?

Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen, um das Ziel, dem globalen Klimawandel entgegen zu treten und CO2 Emissionen zu senken, mit vereinten Kräften zu erreichen. Wir haben das Tool bereits bei mehreren Produzenten in Asien getestet und werden es in diesem Jahr großflächig einsetzen. Eine „Verpflichtung“ im eigentlichen Sinn soll es nicht geben, konstruktive Mitarbeit bei der Weiterentwicklung ist natürlich willkommen. Weiterhin sollten Unternehmen das Tool ihren Zulieferern zur Verfügung stellen.

Mit der Initiative wollen Sie „jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2“ einsparen. Werden Sie zukünftig konkretere Ziele benennen können?

Das Potential der Initiative wird mit steigender Mitgliederzahl dynamisch wachsen. Unsere Erfahrungen in der Wertschöpfungsoptimierung zeigen, dass bereits mit einfachen Maßnahmen durchschnittlich 20% CO2 Emissionen pro Fabrik reduziert werden können. Die Mitglieder der Initiative arbeiten mit einer sehr großen Anzahl Produzenten weltweit, mehrere Millionen Tonnen CO2 einzusparen ist kein Marketingspruch, sondern erklärtes Ziel der Initiative.

Herzlichen Dank!

Die Initiative im Internet:
www.cpi2.org