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Paradigmenwechsel im Aufsichtsrat

Die Aufgabenbereiche von Mitgliedern des Aufsichtsrats haben sich seit Beginn der Finanzkrise deutlich erweitert. So bezieht sich ihre überwachende und beratende Tätigkeit nicht mehr nur auf langfristige, sondern auch auf operative Belange. Zunehmend rückt auch die Unterstützung bei der nachhaltigen Geschäftsausrichtung in ihren Aufgabenbereich. Die Unternehmensberatung Deloitte hat zu diesem Thema zwei Publikationen veröffentlicht.

Frankfurt/München (csr-news) > Die Aufgabenbereiche von Mitgliedern des Aufsichtsrats haben sich seit Beginn der Finanzkrise deutlich erweitert. So bezieht sich ihre überwachende und beratende Tätigkeit nicht mehr nur auf langfristige, sondern auch auf operative Belange. Zunehmend rückt auch die Unterstützung bei der nachhaltigen Geschäftsausrichtung in ihren Aufgabenbereich. Die Unternehmensberatung Deloitte hat zu diesem Thema zwei Publikationen veröffentlicht.

Gegenüber dem Management haben Aufsichtsräte heute eine aktivere Rolle und arbeiten in vielen Bereichen intensiver mit der Geschäftsführung zusammen, sie sind eingebunden in die Stakeholder-Kommunikation und unterstützen die nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen. „Die weltwirtschaftliche Situation der vergangenen Jahre hat zu einer deutlichen Aufwertung des Risikomanagements auch durch die Aufsichtsräte geführt. Anders als vor 2008 fokussiert man heute aber eher auf die Gefahren als auf die Chancen. Daraus kann ein neues Risiko erwachsen: Die teilweise oder vollständige Paralyse, die das Unternehmen letztendlich handlungsunfähig macht“, erklärt Dr. Claus Buhleier, Partner und Leiter Center für Corporate Governance bei Deloitte. Mit den Publikationen „Director’s Alert: 12 Issues for 2012“ und „The Sustainable Board“ gibt Deloitte Aufsichtsräten einen Leitfaden an die Hand, der ihnen helfen soll, die richtigen Fragen zu stellen und ihren Aufgabenbereich an aktuellen Herausforderungen auszurichten.

Von Aufsichtsräten wird der Blick über den Tellerrand erwartet, das betrifft auch oder gerade die Compliance und nachhaltige Unternehmensausrichtung. Dabei spielt die Kommunikation nach außen sowie nach innen eine bedeutende Rolle. Idealerweise, heißt es im Report, steht der Aufsichtsrat im ständigen Dialog mit dem Management, um nachhaltige Wertschöpfungspotenziale zu identifizieren, und entsprechende Investitions- und Wachstumsstrategien zu diskutieren. „Unternehmen, die wachsen wollen, müssen sich der unsicheren Konjunkturlandschaft anpassen – bis hin zu einem Paradigmenwechsel. Aufsichtsratsmitglieder haben dabei eine immer wichtigere Funktion, in der sie den Vorstand überwachen und beraten müssen. Deshalb sollten sich diese regelmäßig einer Performance-Kontrolle unterziehen und alle Möglichkeiten nutzen, ihren Horizont und ihre Kenntnisse zu erweitern. Nur so können Aufsichtsräte die Aufgaben erfolgreich bewältigen, die heute an sie gestellt werden“, so Buhleier.

Ein weiteres aktuelles Thema für Aufsichtsräte ist ihre Unabhängigkeit. Die Regierungskommission „Deutscher Coporate Governance Kodex“ hat im Rahmen ihrer letzten Sitzung einen entsprechenden Vorschlag zur Konkretisierung des Kodex erarbeitet. Dabei beabsichtigt die Kommission künftig zu empfehlen, dass im Sinne einer unabhängigen Beratung und Überwachung des Vorstands, dem Aufsichtsrat eine angemessene Anzahl unabhängiger Mitglieder angehören sollen. Zudem soll die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder angepasst werden. So soll, sofern neben einem Fixum eine erfolgsorientierte Vergütung gewährt wird, diese vorwiegend auf den langfristigen Unternehmenserfolg bezogen sein. „Mit den Anpassungsvorschlägen geht die Kodexkommission mit Augenmaß weiter voran, die Rahmenbedingungen für eine noch professionellere Aufsichtsratsarbeit, die einen internationalen Vergleich nicht scheuen muss, noch klarer und eindeutiger zu beschreiben“, so Klaus-Peter Müller, Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Alle geplanten Änderungen sind auf der Website der Kommission veröffentlicht. Bis zum 2. März können dazu Stellungsnahmen eingereicht werden, die von der Kommission auf ihrer beratenden Sitzung im Mai berücksichtigt werden.