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„Bio“ ist „bio“ – auf beiden Seiten des Atlantiks

EU-Kommission und US-Agrarministerium feiern es als „historische Partnerschaft“: Ökolebensmittel von dieser Seite des Atlantiks dürfen künftig auch in den USA als „bio“ verkauft werden – und umgekehrt. Vertreter der EU und der US-Regierung besiegelten am Mittwoch zum Auftakt der weltgrößten Ökomesse „BioFach“ eine entsprechende Partnerschaft.

Von Martin Achter

Nürnberg (afp) – EU-Kommission und US-Agrarministerium feiern es als „historische Partnerschaft“: Ökolebensmittel von dieser Seite des Atlantiks dürfen künftig auch in den USA als „bio“ verkauft werden – und umgekehrt. Vertreter der EU und der US-Regierung besiegelten am Mittwoch zum Auftakt der weltgrößten Ökomesse „BioFach“ eine entsprechende Partnerschaft. Diese sieht vor, dass sich Ökobauern und Agrarbetriebe ab Sommer komplizierte Verwaltungsverfahren und hohe Kosten sparen können, wenn sie Produkte in Übersee vermarkten wollen. Doch in der Ökobranche hält sich die Freude über die Vereinbarung in Grenzen. Denn der transatlantische Markt ist nur klein. Die Masse des Handels mit Bioprodukten erfolgt innerhalb Europas.

Im transatlantischen Handel mit Biolebensmitteln vollzieht sich zum 1. Juni eine kleine Zeitenwende. EU und USA erkennen erstmals gegenseitig ihre Biostandards an. Für Ökolandwirte hier wie dort bedeutete es bislang doppelten bürokratischen Aufwand, wenn sie ihre Produkte auf der anderen Seite des Atlantiks verkaufen wollten. Waren Produkte in der EU schon als „bio“ anerkannt, mussten sie in den USA trotzdem noch mal einen ähnlichen Prüfprozess durchlaufen, um das „organic“-Siegel des US-Landwirtschaftsministerium zu erhalten. Damit ist nun Schluss.

Künftig dürfen alle Produkte, welche die Bedingungen der Übereinkunft erfüllen, sowohl in der EU als auch den USA mit Biosiegel gehandelt werden. Das sind beispielsweise Biofleisch, Biogetreide oder Wein. Ausgenommen sind nur Lebensmittel, bei deren Herstellung Landwirte Antibiotika verwenden. Hier sind die Bestimmung der USA teils strenger als jene der EU: Ökoprodukte in den USA müssen vollkommen ohne Antibiotika hergestellt sein. Lediglich bei Bioäpfeln und -birnen dürfen sie eingesetzt werden im Kampf gegen Bakterien. In der EU hingegen dürfen Landwirte Antibiotika auch nutzen, um kranke Tiere zu behandeln.

EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos und US-Vize-Landwirtschaftsministerin Kathleen Merrigan unterzeichneten den Bio-Pakt öffentlichkeitswirksam zum Auftakt der Branchenmesse „BioFach“ in Nürnberg. Als Nutznießer der Vereinbarung sehen die Politiker Landwirte wie Verbraucher.

Die Auswahl an Bio-Produkten im Handel werde sich erhöhen, sagt Merrigan. „Wir hoffen, dass die Verbraucher profitieren. Wir gehen davon aus, dass sie es tun werden.“ EU-Kommissar Ciolos geht davon aus, dass durch die neuen Regelungen Preise für importierte Biolebensmittel beim Einkaufen teils sinken können, weil sich durch den Wegfall bürokratischer Hürden auch die Kosten für Landwirte verringerten.

Eher nüchtern bewertet hingegen die deutsche Ökolebensmittel-Branche das Abkommen. Zwar boomt, das Geschäft mit Bionahrung in den USA wie in der EU seit Jahren. Es sind die beiden größten Absatzmärkte für Biolebensmittel weltweit mit einem Volumen von insgesamt rund 43 Milliarden Euro. Doch die Nachfrage der Verbraucher nach Öko übersteigt das Produktionsvolumen der heimischen Landwirtschaften jeweils deutlich.

Der Spitzenverband Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) sieht im neuen Bio-Pakt vor allem eine Vereinfachung auf Verwaltungsebene. „Ich gehe davon aus, dass sich der transatlantische Handel mit organischen Produkten sehr in Grenzen hält“, sagt BÖLW-Chef Felix Prinz zu Löwenstein. Den Großteil des Geschäftes mit Bionahrung machten Grundnahrungsmittel aus. Und diese würden vorwiegend innerhalb Europas gehandelt.

Das Abkommen werde eher dem transatlantischen Handel mit Bio-Spezialprodukten nutzen, sagte zu Löwenstein. Er selbst beispielsweise produziere Kräuter und führe diese in die USA aus. „Betroffen sind vielleicht aber auch Weißwürste, die auf das Oktoberfest nach Wisconsin exportiert werden.“ Bionahrung für EU-Verbraucher werde wohl auch in Zukunft zum Großteil aus europäischen Gefilden kommen, sagt zu Löwenstein.

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